Taj Mahal Polizei bekämpft Affen mit Zwillen

Die Affenplage am Taj Mahal bewegt die indische Polizei zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie rüstet auf gegen die Tiere, die es auf Essensreste abgesehen haben - aber auch Touristen attackieren.

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Sie flitzen zwischen Tausenden Besuchern hin und her, schnappen nach allem Essbaren - und manche von ihnen greifen Menschen an. Affen vor dem Taj Mahal sind inzwischen eine Plage. Rund um das wohl berühmteste Grabmal der Welt kam es laut der Zeitung "India Today" im vergangenen Jahr zu einer Häufung von Affenattacken. Nun will die Polizei die Touristen besser schützen - und rüstet sich mit Steinschleudern.

Die Zwillen sollen den Polizisten helfen, die Affen abzuwehren, sagte Brij Bhushan, der am Taj Mahal für die Sicherheit zuständig ist. Das Wachpersonal sei allerdings angewiesen worden, die Affen nicht abzuschießen, sondern sie nur zu verscheuchen. "Wir haben herausgefunden, dass sie schon Angst bekommen, wenn sie nur sehen, wie wir die Zwille schwingen", sagte Bhushan der Nachrichtenagentur Reuters.

In der nordindischen Stadt Agra leben geschätzt 10.000 Affen, rund um den am Stadtrand liegenden Taj Mahal sollen es 500 bis 700 Exemplare sein. Sie haben es dort vor allem auf Speisereste abgesehen, die Touristen an der Sicherheitsschleuse abgeben müssen. Im ganzen Land leben rund 50 Millionen der Tiere, der Verlust ihres natürlichen Lebensraums lässt sie immer weiter in die Städte vordringen.

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Indien: Die Affen sind los

Die Tiere scheinen sich vermehrt aggressiv zu verhalten. 2016 wurden laut indischer Regierung allein in der Hauptstadt Neu-Delhi fast 1900 Menschen von Affen gebissen. Im Herbst 2018 wurde ein Mädchen am Taj Mahal von Rhesusaffen angegriffen und schwer verletzt. Im Mai wurden zwei französische Touristen von Affen verwundet, als sie dort Selfies machten.

Affe tötete zwölf Tage altes Baby

Im November gab es in Agra einen besonders dramatischen Fall: Ein Affe tötete ein zwölf Tage altes Baby. Es entriss der Mutter das Kind, während sie es stillte, und schleppte es über die Dächer davon. Im Oktober berichtete die "Times of India" von einem 72-Jährigen, der Opfer einer Affenbande wurde. Die Tiere schlugen demnach mit Steinen auf Kopf und Brust ihn ein. Er starb im Krankenhaus.

Von einer "Bedrohung" spricht die Tageszeitung "India Today" in einem Bericht von November 2018. Sie zitiert ein Mitglied des Parlaments mit den Worten, Affen hätten sich in "Terroristen" verwandelt. Die Verwaltung von Agra habe zwar bereits 18,6 Millionen Rupien (umgerechnet etwa 230.000 Euro) ausgegeben, um die Affenpopulation in der Gegend in den Griff zu bekommen. Doch die Maßnahmen hätten bisher zu keinen nennenswerten Erfolgen geführt.

Ziel war es, die Affen mit Käfigen zu fangen und sie dann zu sterilisieren. Doch bisher sei das nur bei rund 500 Tieren gelungen, wie die Zeitung berichtet. Die Population wachse weiter stark an. Nicht nur Besucher müssten sich vor ihnen fürchten, schreibt die Zeitung. Auch das Image des Taj Mahals würde leiden.

Besucherzahlen sollen eingeschränkt werden

Die Affenplage ist nicht das einzige Problem des Taj Mahals. Es ächzt auch unter einem enormen Touristenandrang. Etwa acht Millionen Menschen besuchen das Mausoleum pro Jahr - an Feiertagen sind es bis zu 70.000 Besucher. Im vergangenen Jahr hatte die indische Regierung bekannt gegeben, den Zugang für inländische Besucher einzuschränken. Auch die Besuchszeit sollte auf drei Stunden begrenzt werden.

Diese Maßnahme diene dem Erhalt der größten Tourismusattraktion des Landes, hieß es. "Wir müssen für die Sicherheit des Bauwerks und der Besucher sorgen. Die Bewältigung der Menschenmassen zeichnet sich als eine große Herausforderung für uns ab", sagte ein Mitglied von Indiens Archäologie-Aufsicht (ASI), die den Taj Mahal verwaltet.

Der Großmogul Shah Jahan hatte den Taj Mahal im 17. Jahrhundert aus weißem Marmor als Grabmal für seine verstorbene Frau Mumtaz Mahal bauen lassen. Seit Jahren ist der Taj Mahal auch von der Luftverschmutzung in Indien bedroht und muss regelmäßig gereinigt werden, da sich die Fassade gelb verfärbt.

jus/Reuters/AFP

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