Taufe der "Aida Perla" Pionier mit Startschwierigkeiten

Als weltweit erste Kreuzfahrtreederei setzt Aida Cruises auf emissionsarmes Flüssigerdgas. In Palma de Mallorca tauft die Rostocker Reederei ihr zweites LNG-Schiff - die Einführung der Technologie bleibt jedoch mühsam.

AIDA Cruises

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Im Hafen von Palma de Mallorca knallen am Freitagabend die Korken. Aida Cruises tauft einen Klon: Die 300 Meter lange "Aida Perla" ist - wie bei Schwesterschiffen üblich - die exakte Kopie der "Aida Prima", die die Rostocker Reederei im Mai 2016 in Dienst gestellt hat.

Gebaut wurden die Zwillingsschwestern von Mitsubishi in Nagasaki, einer im Vergnügungsschiffbau eher unerfahrenen Werft, was Aida einiges an zusätzlichen Kosten und Verzögerungen beschert hat. "Prima" und "Perla" sollten "in Sachen Umwelt- und Klimaschutz neue Maßstäbe" setzen, so lautete der Auftrag der Reederei: Als erste Kreuzfahrtschiffe können sie im Hafen mit dem emissionsarmen Flüssigerdgas LNG betrieben werden; für den weißen Rauch während der Fahrt erhielten sie eine "weltweit einzigartige Technologie zur Abgasnachbehandlung".

Doch die Umsetzung der Versprechen brauchte Zeit. Und sie wird auch noch etwas dauern.

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Neuzugang: "Aida Perla" wird in Palma de Mallorca getauft

Was die Kreuzfahrtgäste auf dem Täufling "Perla" auf jeden Fall erleben, ist ein schwimmendes Hotel mit zwölf Restaurants und einer Brauerei, 18 Bars und Lounges. Dazu eine Shoppingmall über zwei Decks, ein Spa mit fünf Saunen und ein Freizeitpark mit Klettergarten und Wasserrutschen. Ihre Wäsche wird energiesparend in einer ausgeklügelten Anlage gereinigt, Lebensmittelabfälle zu kompostierfähigem Granulat verdichtet und Abwässer in biologischen Membrankläranlagen fast zu Trinkwasserqualität wiederaufbereitet. Alles wie auf der "Aida Prima".

"Aida Perla"

Reederei Aida Cruises
Schiffsregister Italien
Heimathafen Genua
Bau Mitsubishi Heavy Industries Ltd., Japan
Tonnage 125.572 BRZ
Länge 300 Meter
Breite 37,6 Meter
Tiefgang 8,00 Meter
Geschwindigkeit (max) 21,5 Knoten
Kabinen 1643
Max. Passagierzahl 3300
Crew 900
Taufe 30. Juni 2017 in Palma de Mallorca

Quelle: Aida Cruises

Nur in den Fahrtgebieten unterscheiden sich das elfte und zwölfte Aida-Schiff. Während die "Prima" noch ihre Runde über die Nordsee zieht, wird die "Perla" zunächst durch das westliche Mittelmeer kreuzen. Ab November zieht es dann auch die "Prima" ins Warme, rund um die kanarischen Inseln und nach Madeira: "Auf Wunsch der Kunden", hieß es bei Aida im Februar, ursprünglich sollte das Ganzjahresschiff mit Foliendach auch im Winter dem nordischen Klima trotzen. Im März macht sich dafür die "Perla" auf nach Hamburg.

Wo es hapert: die LNG-Versorgung

Einigkeit unter Schwestern herrscht wiederum in für Gäste nicht zugänglichen Bereichen unter Deck: Beide Schiffe wurden von Mitsubishi mit einem Dual-Fuel-Motor ausgestattet, der sowohl mit LNG als auch mit Schweröl oder Marinediesel betrieben werden kann. Immerhin 40 Prozent ihrer Betriebszeit verbringen die Schiffe laut Aida im Hafen - wird hier LNG verwendet, verringert dies die Rußpartikel- und Schwefeloxid-Belastung der Anwohner. Zudem verfügen beide über das ein dreistufiges System zur Abgasnachbehandlung: Die Anlagen reduziert den Ausstoß von Rußpartikeln, Stickoxiden sowie Schwefeloxiden um 90 bis 99 Prozent im Vergleich zum ungefilterten Einsatz von Marinediesel.

Bei der Taufe der "Prima" im Mai 2016 konnte die Reinigungsanlage noch nicht in Betrieb genommen werden. Inzwischen aber wird sie "eingesetzt, wo es gesetzlich möglich ist, und so lange es geht", sagt Aida-Cruises-Pressesprecher Hansjörg Kunze. Und möglich sei dies überall - nur nicht auf deutschen Gewässern wie der Elbe und in Häfen, wie jetzt in Palma de Mallorca.

Herausfordernd für die Rostocker als Pioniere der Branche war und bleibt jedoch die Versorgung mit LNG: Da "Perla" wie "Prima" nicht über Flüssigerdgas-Tanks an Bord verfügen, müssen sie in jedem einzelnen Hafen per Tanklaster versorgt werden. "Eine Übergangstechnologie", sagt Kunze.

LNG-Versorgung in Southampton
Aida Cruises

LNG-Versorgung in Southampton

Schon in den fünf Häfen der Nordroute waren dafür komplexe Genehmigungsverfahren zu absolvieren, auch noch nach der Taufe der "Prima". "Ich hätte nicht gedacht, dass der Einsatz von LNG bei Schiffen so kompliziert ist", sagte Umweltdirektorin Monika Griefahn damals dazu. "Das ist bisher eine nicht geübte Praxis." Das Tanken selbst, aber auch etwa Schläuche, Schlauchverbindungen oder Pumpen mussten abgenommen werden.

Nun werden die Verhandlungen mit den Mittelmeerhäfen in Italien, Frankreich und Spanien geführt - dem momentanen Zielgebiet der "Perla". Dort kann Aida bisher nirgendwo LNG beziehen. In Barcelona allerdings könnte es mit der Logistik zügig gehen: Dort wurde bereits im Januar erstmals die Mallorca-Fähre "Abel Matutes" mit dem gekühlten Gas betankt - unterstützt vom EU-kofinanzierten Projekt Cleanport. Noch vor Ende des Sommers sollte dort eine Versorgung auch der Aida-Schiffe möglich sein, teilte die Reederei mit.

Dabei wird an der nächsten Kreuzfahrtschiffsgeneration, die - weltweit einmalig - ausschließlich mit LNG betrieben werden soll, schon geschraubt: der Helios-Klasse. Im Februar war Stahlschnitt und damit Baubeginn für die "Aida Nova", das in alter Freundschaft und nach der Mitsubishi-Pleite wieder von der Meyer Werft in Papenburg gebaut wird.

183.900 BRZ groß und 337 Meter lang wird das erste von zwei von Aida beauftragten Schiffen und damit deutlich größer als "Prima" und "Perla". In rund 2500 Kabinen sollen bis zu 6600 Passagiere unterkommen und ab Herbst 2018 per Gasantrieb über die Meere cruisen.

Die "Nova" wird manche der oft eher bürokratischen als technischen Schwierigkeiten ihrer Vorgängerinnen nicht bewältigen müssen: Da sie LNG-Tanks an Bord hat, die für zehn bis 14 Fahrtage ausreichen, ist sie nicht von einer Flüssigerdgasversorgung in jedem Hafen abhängig. Und ein kompliziertes dreistufiges Abgasnachbehandlungssystem ist schon gar nicht notwendig.

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
DenkenKannHelfen! 30.06.2017
1. Landstrom?
Ich verstehe bis heute nicht, weshalb es für Kreuzfahrtschiffe nicht möglich sein soll, im Hafen von Land aus mit Strom versorgt zu werden. Bei Marineschiffen wird das seit Jahrzehnten so praktiziert. Und ja, eine Fregatte hat einen ähnlich hohen Energiebedarf wie ein Kreuzfahrtschiff.
rohanseat 30.06.2017
2. Die technik ist schon
länger vorhanden.Nur kostet sie geld und das wird bei den pfeffersäcken nunmal ungern ausgegeben.-- Das wieder ein >dual-fuel motor< zum einsatz kommt zeigt die doppel züngigkeit der reederei. Wenn auch immer möglich wird das schiff mit dem raffenerie abfall fahren und den dreck in die umwelt blasen.WIRD JA NICHT GEMESSEN- Schon der einbau von den gesamten technischen anlagen die zum betrieb mit schweroel notwendig sind ( aufbereitung und reinigung des stoffes aufheizen zum einspritzen, heizen der schweroel tanks um das zeug pumpfähig zu halten -auch im hafen notwendig) kostet reichlich geld und macht die sache immer noch billiger als ständig mit MDO - marine diesel- zufahren.- Bei dem zum einsatz kommenden gas handelt es sich dem richtigen namen nach um CNG. Was meinen vor-foristen betrifft. Strom von land kostet geld und die hilfsdiesel laufen nun mal billiger und der strombedarf ist enorm um allein die ganze MOTORENTECHNIK zu betreiben.
unimog_andi 30.06.2017
3. Das glaube ich nicht!
Zitat von DenkenKannHelfen!Ich verstehe bis heute nicht, weshalb es für Kreuzfahrtschiffe nicht möglich sein soll, im Hafen von Land aus mit Strom versorgt zu werden. Bei Marineschiffen wird das seit Jahrzehnten so praktiziert. Und ja, eine Fregatte hat einen ähnlich hohen Energiebedarf wie ein Kreuzfahrtschiff.
Hat sie garantiert nicht! So ein Schlickrutscher mit 250 Nasen an Bord (und ohne Vergnügungsabteilung) hat den gleichen Energiebedarf für ein Schiff für über 3.000 Personen?
willi2011 30.06.2017
4. Aida hält Versprechen nicht ein
Schon bei der Aida Prima wurde vollmundig auf das Abgassystem hingewiesen. Bis heute existiert es nur auf dem Papier, wie der Nabu nachgewiesen hat: https://www.nabu.de/news/2017/03/22105.html Ich glaube Aida daher nicht mehr in Sachen Umweltschutz.
calinda.b 30.06.2017
5. Ja sicher
Und ausserhalb der 3 Meilen Zone wird die Abgassäuberung abgeschaltet 'um Schäden am Motor zu verhindern'. Wir kennen das ja.
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