"Noch lachen Sie!" Humorvoller Steward bekommt Ärger mit Air Berlin

Mit einer launigen Begrüßung und Sicherheitseinweisung hat ein Steward seine Gäste auf einem Flug nach Nürnberg unterhalten - ein YouTube-Video seiner Ansage macht ihn bekannt. Air Berlin findet das nicht lustig.
Dash 8-Q400 von Air Berlin: "Unsere leidenschaftliche Vollblutkanadierin"

Dash 8-Q400 von Air Berlin: "Unsere leidenschaftliche Vollblutkanadierin"

Foto: airberlin

Beim philippinischen Billigflieger Cebu Pacific hüpften Stewardessen zu einem Lady-Gaga-Song und demonstrierten dabei das Anlegen des Sicherheitsgurtes. Bei der US-Fluggesellschaft SouthWest zelebrierte einst ein Steward die obligatorische Einführung als Rap. Beides initiiert und/oder gebilligt von ihren Arbeitgebern.

Und bei Air Berlin? Dort stellte sich ein Flugbegleiter auf dem Weg von Hamburg nach Nürnberg vor einer Woche so vor: "Mein Name ist Bernd Löwisch aus Bamberg. Ich bin der verantwortliche Flugbegleiter für unsere leidenschaftliche Vollblutkanadierin, der Dash 8Q-400." Der Franke bekam für seinen launigen Vortrag prompt Ärger mit seinem Arbeitgeber, der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft.

Dabei hatte der Auftritt des Bamberger Stewards einen Kunden auf dem Flug AB6711 derartig begeistert, dass er ein Handyvideo davon zunächst bei YouTube veröffentlichte  und drei Tage später auf der Facebook-Seite der Berliner Fluglinie postete. Bis Freitagmorgen wurde das Vier-Minuten-Filmchen mehr als 270.000-mal aufgerufen.

Der 32-jährige Löwisch bat per Mikrofon um Aufmerksamkeit für die "Tanzeinlage meiner Kollegin", die dann den Sicherheitsgurt hochhielt. Er forderte seine Fluggäste auf, nun ihre "Multimedia-Abteilung zu schließen und ihre zum Überleben natürlich überaus notwendigen Handys und Organizers auszuschalten". Zuwiderhandlungen würden mit der Wegnahme des Geräts und der Versteigerung auf eBay bestraft - "noch lachen Sie", fügte Löwisch hinzu. Inzwischen war ihm die volle, amüsierte Aufmerksamkeit seines Publikums sicher.

Die übliche Notausgang-Vorführung seiner Kollegin kommentierte er so: "Sollte der Air-Berlin-Flug heute nicht Ihrem Standard entsprechen, haben Sie insgesamt vier Möglichkeiten, unser Flugzeug fluchtartig zu verlassen." Formvollendete Leuchtstreifen am Boden führten die Passagiere mit dem nötigen Selbsterhaltungstrieb zum nächstgelegenen Notausgang.

"Abweichende Ansage kann zu Sicherheitsrisiken führen"

Statt jedoch das euphorisch geäußerte Interesse der Kundschaft auf Facebook ("Frisch und teilweise witzig", "Grandios - gebt ihm sofort mehr Gehalt!", "Da hat man doch gleich nicht mehr ganz so viel Flugangst") zu nutzen, verhalten sich die Verantwortlichen bei Air Berlin denkbar steif. Der Post des Kunden Florian Weidhase, der am liebsten über Löwischs Dienstplan informiert werden wollte, ist auf der Facebook-Seite nicht mehr zu finden und nur noch versteckt abrufbar .

Inzwischen wurde "ein Gespräch mit Herrn Löwisch geführt", gibt das "airberlin facebook-Team" bekannt: Eine von den Standards "deutlich abweichende Ansage kann zu Sicherheitsrisiken führen". Damit reagierte das "Team" auf die Proteste auf ihrer Social-Media-Seite und bei Twitter. Dort hatte das Gerücht die Runde gemacht, dass Bernd Löwisch abgemahnt und ihm mit Kündigung gedroht worden sei. Dazu nimmt Air Berlin bisher auf Anfrage nicht Stellung, sondern teilt lediglich mit: "Er ist weiterhin als Flugbegleiter angestellt und wird auch zukünftig für angenehme Aufenthalte an Bord sorgen."

Die angeschlagene Fluglinie versteht keinen Spaß. Auch weil sie bei Unregelmäßigkeiten rechtlich belangt werden könne, "wenn an Bord eines Fluges mit nicht standardisierter Ansage ein unvorhergesehenes sicherheitsrelevantes Ereignis eintreten würde", wie das Unternehmen mitteilt. Allerdings hat Air Berlin - wohl in besseren Zeiten - schon mal mehr Verständnis für humorvolles Bordpersonal gezeigt, das ihre Gästen auf den meist öden Flügen ein wenig Unterhaltung bieten wollte: 2011 verabschiedete eine Stewardess auf einem Flug von Hamburg nach Stuttgart die Gäste auf Schwäbisch. Auch damals war eine Aufnahme davon bei YouTube gelandet.

"Send Se so freindlich und bleibed bidde so lang hogga bis des Lemble mit dem Gurt druf nemme leichded. (...) Mir hoffed, Ihne gfellds im Schwobaländle", sagte die Flugbegleiterin an und warnte: "Bassed Se bidde uf, wenn se d'Schadulla öffned, dass Ihne dr Kladderadatsch ned uf da Dätz fliagd." Und dann wünschte sie den Passagieren: "A gmüdliche Hoimfahrd, kommet Se guad ens Neschd".

Damals kommentierte eine Air-Berlin-Sprecherin, die Aktion sei "durchweg positiv angekommen". Pläne für regelmäßige Durchsagen im Dialekt gebe es aber nicht.

Pläne für mehr Humor gibt es wohl auch heute nicht: Inzwischen hat sich eine Unterstützergruppe auf Facebook formiert: "Flugbegleiter mit Stil" , gewidmet dem "besten Purser aller Zeiten - Bernd!". Dort posten die Initiatoren: "Bernd macht nun alle Ansagen zur eigenen Sicherheit streng nach Vorschrift."

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