Streichung von Ferienwohnungen Airbnb irritiert mit Aussagen zum Westjordanland-Entschluss

Israels Tourismusminister hat verkündet, Airbnb wolle doch keine Feriendomizile im Westjordanland aus dem Angebot streichen. Das Unternehmen dementiert dies - räumt aber einen Kommunikationsfehler ein.

Jüdischer Airbnb-Vermieter vor seiner Ferienwohnung im Westjordanland
AP

Jüdischer Airbnb-Vermieter vor seiner Ferienwohnung im Westjordanland


Widersprüchliche Angaben zum Airbnb-Angebot von Unterkünften in israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland haben am Montag für Verwirrung gesorgt. Israels Tourismusminister Jariv Levin erklärte, die Online-Übernachtungsbörse habe mitgeteilt, die Entscheidung, Unterkünfte aus dem Angebot zu nehmen, werde nicht umgesetzt. Dies sei laut Levin ein "wichtiger Schritt in die richtige Richtung".

Airbnb teilte dagegen mit, entsprechende Berichte seien nicht korrekt. "Wir entwickeln die Instrumente, die wir brauchen, um unsere Richtlinie umzusetzen", hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Man werde dafür den Dialog mit der israelischen Regierung fortsetzen.

Wie kam es zu den verwirrenden Angaben? Einer Ministeriumssprecherin zufolge bezog sich Levins Aussage auf ein Statement von Yuval Lidor, einem Airbnb-Vertreter in Israel. Dieser hatte laut der Zeitung "The Times of Israel" tatsächlich erklärt, der Siedlungsboykott "würde nicht in die Praxis umgesetzt".

"Versehentlich versendet"

Doch dann sei er zurückgerudert und habe die Zeitung gebeten, aus der offiziellen Presseerklärung von Airbnb zu zitieren. Darin sei nicht die Rede von einer Kehrtwende. Lidors Statement im Namen des Unternehmens war "versehentlich versendet worden", teilte später Airbnb-Pressesprecher Nick Papas mit.

In der englischsprachigen Pressemitteilung heißt es: Airbnb sei nach Israel gereist, um alle Interessenvertreter zu treffen. Der Austausch habe laut der Tageszeitung "Haaretz" zu einem "tieferen Verständnis geführt, dass dies ein unglaublich komplexes und emotionales Thema ist".

Airbnb hatte im November erklärt, die Unterkünfte aus dem Angebot zu nehmen. Die Siedlungen befänden sich "im Zentrum des Streits zwischen Israelis und Palästinensern. Viele in der internationalen Gemeinschaft haben betont, dass Unternehmen hier nicht tätig sein sollten, weil sie davon überzeugt sind, dass man keine Gewinne in Gebieten machen sollte, aus denen Menschen vertrieben worden sind." Die Entscheidung betreffe rund 200 Unterkünfte.

Die Palästinenserführung hatte die Entscheidung begrüßt. Israel bezeichnete sie dagegen als "diskriminierend". Sowohl in Israel als auch in den USA reichten daraufhin Betroffene Klage wegen Diskriminierung gegen Airbnb ein.

Worum es im Streit zwischen Israelis und Palästinensern geht

Israel hat während des Sechstagekriegs 1967 unter anderem Ostjerusalem und das Westjordanland erobert. Die Palästinenser fordern die Gebiete dagegen für einen eigenen Staat Palästina mit Ostjerusalem als Hauptstadt.

Viele Länder halten die jüdischen Siedlungen in den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten für illegal. Sie sind ein besonders strittiger Teil der Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis, die seit 2014 auf Eis liegen. Ein israelischer Minister hatte daher zum Boykott von Airbnb aufgerufen.

Fast 600.000 Israelis wohnen in mehr als 200 Siedlungen im Westjordanland sowie in Ostjerusalem. Der Uno-Sicherheitsrat hatte 2016 einen vollständigen Siedlungsstopp von Israel gefordert. Siedlungen wurden als Verstoß gegen internationales Recht und als großes Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet.

jus/dpa

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