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Luxuriöse Airbnb-Apartments: Schlafen wie ein Graf

Foto: 2018 Airbnb Inc

Unterkunfts-Plattform Airbnb führt Hotelstandards ein

Airbnb kappt seine Wurzeln: Die Plattform will ihr Luftmatratzenimage loswerden und setzt zusätzlich auf Luxus. Mit "Airbnb Plus" sollen vermögendere Kunden angesprochen werden.

Eine Milliarde Übernachtungen pro Jahr. Dieses Ziel hat sich Airbnb-Mitgründer und -Chef Brian Chesky für das Jahr 2028 vorgenommen. Die vor zehn Jahren aus der Not geborene Vermittlungsplattform für Schlafgelegenheiten will einer der größten Übernachtungs- und Eventkonzerne der Welt werden.

Die Kampfansage an die Hotellerie heißt "Airbnb Plus" und verspricht Standards, die beste Hotels bieten, aber zum günstigeren Preis. Der am Donnerstag bei einer Veranstaltung zum zehnten Jahrestag der Plattform vorgestellte Dienst will die größten Probleme angehen, die heute noch viele Menschen daran hindern, sich in einer Airbnb-Privatwohnung einzumieten statt im Hotel: Unberechenbarkeit, was man am Zielort vorfinden wird, sowie Unzuverlässigkeiten und mögliche Diskriminierungen bei der Buchung.

Studien haben gezeigt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen größere Probleme haben, als Gäste angenommen zu werden, als andere. Und der Zustand der Airbnb-Wohnung kann wie eine Wundertüte sein. Von fehlenden Handtüchern, dreckigen Teppichen bis zu kaputten Heizungen ist alles möglich. Wütende Kunden haben sich auch schon beschwert, dass kurzfristig ihre Wohnung einfach storniert und so der Urlaub ruiniert wurde.

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Luxuriöse Airbnb-Apartments: Schlafen wie ein Graf

Foto: 2018 Airbnb Inc

100 Punkte lange Checkliste

Das soll bald der Vergangenheit angehören. Ausgewählte Gastgeber können für eine einmalige Gebühr von 149 Dollar (rund 120 Euro) ihre Unterkünfte jetzt für "Airbnb Plus" registrieren lassen. Ein Mitarbeiter des Unternehmens kommt vorbei, macht Fotos und arbeitet eine 100 Punkte lange Checkliste ab, vom Shampoo im Badezimmer bis zum selbstständig möglichen Check-in.

Ein Vermieter muss besonders zuverlässig und professionell sein, um akzeptiert zu werden. Eine Bedingung ist etwa eine 95-prozentige Annahmerate von Bewerbungen. Das soll sicherstellen, dass Gäste nicht nach persönlichen Vorlieben ausgesiebt werden. Außerdem muss die Kündigungsrate nach Vertragsschluss bei Null liegen, und die Gäste müssen im Schnitt mindesten eine Bewertung von 4,8 von 5 möglichen Sternen hinterlassen haben.

Brian Chesky

Brian Chesky

Foto: Eric Risberg/ AP

Wer eine solche Bewertung hat, der lässt niemanden vor der verschlossenen Tür stehen. Ausreden lässt Amber Cartwright, verantwortlich für das Programm, nicht gelten: "Perfekte Gastgeber finden immer einen Weg, um eine Wohnung zu übergeben." Dafür können die zunächst 2000 Gastgeber in 13 Städten deutlich höhere Preise verlangen. Im Schnitt können sie ihre Wohnungen für rund 200 Dollar pro Nacht inserieren, der Durchschnitt liegt bei rund 100 Dollar.

Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der neuen Luxusoffensive, mit der das Start-up aus San Francisco endgültig zum virtuellen Hotelanbieter mit garantierten Standards werden will. Denn der Weg zur magischen Milliarde ist weit und nicht ohne eine Ausweitung der Nutzerbasis möglich. "Airbnb Plus" ist auch ein Versuch, Geschäftsreisende mit hohen Ansprüchen anzusprechen.

Angefangen hat alles mit drei Studenten

In den vergangenen zehn Jahren haben insgesamt 300 Millionen Gäste eine Übernachtung über die Plattform gebucht, sagte Chesky in San Francisco. Angefangen hatte es mit drei Studenten, die ihre Miete nicht zahlen konnten. Sie legten in ihrem Wohnzimmer Luftmatratzen aus und boten Gästen billige Schlafgelegenheit an. Es funktionierte. Überdimensionale Porträts der ersten drei Gäste hängen heute noch in der Firmenzentrale an der Brannan Street.

Aus den Matratzen im Miniappartement ist ein Übernachtungsimperium geworden: 4,5 Millionen Unterkünfte, vom Klappsofa bis zum Luxusanwesen, stehen laut Airbnb an 81.000 Orten bereit. Alle zwei Minuten checken 400 Menschen bei einem Airbnb-Angebot ein. Innerhalb von zehn Jahren setzten die Vermieter, die "Hosts", 41 Milliarden Dollar um.

Brian Chesky auf Airbnb-Veranstaltung

Brian Chesky auf Airbnb-Veranstaltung

Foto: Eric Risberg/ dpa

Doch auch die Probleme wuchsen. Potenzielle Gäste verirrten sich auf der unübersichtlichen Webseite, die eigentlich nur drei Ordnungskriterien bot: "Geteilte Zimmer", "eigenes Zimmer" und "ganze Wohneinheit". Das Problem soll jetzt durch vier zusätzliche Kategorien entschärft werden: Die Merkmale "Ferienunterkunft", "besondere Unterkunft", "Bed & Breakfast" und "Boutique-Hotel" sollen helfen, die Suche schneller einzugrenzen. Zusätzlich werden im Laufe des Jahres Kategorien für Gruppenreisen eingeführt, seien es Familientreffen, Business-Meetings oder Hochzeiten.

"Airbnb Plus" soll neue Zielgruppen ansprechen - mit Geld

Schon heute vermittelt die Plattform weltweit mehr Übernachtungen als die fünf größten Hotelketten zusammen. Durch "Airbnb Plus" sollen jetzt die Zielgruppen angesprochen werden, die gezielt ein Marriott oder ein Hilton buchen würden. Zusätzlich wird noch ein Kundenbindungsprogramm eingeführt. Besonders gute Kunden werden mit Vergünstigungen wie Abholung vom Flughafen oder einer direkten Hotline zu Airbnb belohnt. Und als Gegenpart bekommen die "Superhosts" von "Airbnb Plus" eine besonders herausgehobene Platzierung in der App.

Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der Airbnb in schwierigem Fahrwasser treibt. Das mit gut 30 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen liegt immer noch mit vielen Kommunen und Behörden über Kreuz, die den Betrieb illegaler Hotels und Wohnraumentfremdung fürchten. Vor wenigen Wochen verließ zudem der Finanzchef das Unternehmen. Chesky verkündete bei dieser Gelegenheit, dass ein Börsengang für 2018 nicht mehr zur Debatte stehe. 2019 ist jetzt das angepeilte Ziel.

Auch die großen Online-Reisefirmen wie Expedia, Tripadvisor oder Booking positionieren ihre Angebote immer stärker im gehobenen Bereich und bieten - so wie Expedia mit Homeaway - eigene Mitwohnangebote an. Airbnb bietet ausgesuchte Erlebnisse für seine Kunden vor Ort an, sogenannte "Experiences", die ein oder zwei Tage dauern können. Dieser Bereich, so Chris Lehane, Chef für politische Kommunikation, wachse zehn-mal so schnell wie die Wohnungsvermietung und werde voraussichtlich 2019 profitabel sein.

Axel Postinett, dpa / kry
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