Streit über Ferienwohnungen Airbnb will weiterhin Unterkünfte im Westjordanland anbieten

Erst wollte Airbnb die umstrittenen Feriendomizile im Westjordanland aus dem Angebot streichen. Nun macht das Unternehmen einen Rückzieher - und erklärt, warum es den Gewinn stattdessen spendet.

Airbnb-Unterkunft in der Westbank
AFP

Airbnb-Unterkunft in der Westbank


Nach Kritik und rechtlichen Streitigkeiten will die Online-Übernachtungsbörse Airbnb weiterhin Unterkünfte in israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland anbieten. Das kündigte das US-Unternehmen auf seiner Homepage an. Alle rechtlichen Streitigkeiten in dieser Frage seien beigelegt, und man werde nicht mit der ursprünglich geplanten Entfernung von Einträgen im Westjordanland fortfahren.

Der Gewinn aus den Vermietungen dort solle aber an humanitäre Hilfsorganisationen gespendet werden. "Wir verstehen die Komplexität des Problems, das in unserer vorherigen politischen Ankündigung angesprochen wurde, und wir werden weiterhin Einträge im gesamten Westjordanland zulassen, aber Airbnb wird aus dieser Aktivität in der Region keine Gewinne ziehen", hieß es.

Airbnb hatte im November erklärt, die Unterkünfte im Westjordanland aus dem Angebot zu nehmen. Die Siedlungen befänden sich "im Zentrum des Streits zwischen Israelis und Palästinensern. (...) Viele in der internationalen Gemeinschaft haben betont, dass Unternehmen hier nicht tätig sein sollten, weil sie davon überzeugt sind, dass man keine Gewinne in Gebieten machen sollte, aus denen Menschen vertrieben worden sind." Die Entscheidung betreffe rund 200 Unterkünfte.

Israel und die USA reichten Klage ein

Die Palästinenserführung hatte die Entscheidung begrüßt. Israel bezeichnete sie dagegen als "diskriminierend". Sowohl in Israel als auch in den USA reichten daraufhin Betroffene Klage wegen Diskriminierung gegen Airbnb ein.

Israel hat während des Sechstagekrieges 1967 unter anderem Ost-Jerusalem und das Westjordanland erobert. Die Palästinenser fordern die Gebiete dagegen für einen eigenen Staat Palästina mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt.

Viele Länder halten die jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten für illegal. Sie sind ein besonders strittiger Teil der Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis, die seit 2014 auf Eis liegen. Ein israelischer Minister hatte daher zum Boykott von Airbnb aufgerufen.

Fast 600.000 Israelis wohnen in mehr als 200 Siedlungen im Westjordanland sowie in Ostjerusalem. Der Uno-Sicherheitsrat hatte 2016 einen vollständigen Siedlungsstopp von Israel gefordert. Siedlungen wurden als Verstoß gegen internationales Recht und als großes Hindernis für einen Frieden in Nahost bezeichnet.

lie/dpa

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