SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

18. August 2016, 15:44 Uhr

Airlander 10 auf Jungfernflug

"Fliegender Popo" hat abgehoben

Das größte Luftschiff der Welt hat seine erste Runde in England gedreht. Der Airlander 10 kann bis zu 4880 Meter hoch aufsteigen.

Besonders aerodynamisch wirkt der Airlander 10 nicht: Von vorne wie von hinten weckt das Gefährt Assoziationen mit einem menschlichen Hinterteil. Dafür kann es aber fliegen - jedenfalls hat das Angaben der Hersteller weltgrößte Luftschiff am Mittwochabend in Großbritannien erfolgreich seinen Jungfernflug absolviert.

Der Airlander 10 - teils Flugzeug, teils Luftschiff und Helikopter - hob in der Dämmerung unter dem Applaus etlicher Schaulustiger im englischen Cardington ab und blieb etwa 30 Minuten lang in der Luft. Ein erster Test am Sonntag war wegen technischer Probleme in letzter Minute abgesagt worden.

Genau von diesem Flugplatz aus war 1930 das Luftschiff R101 gestartet, das in Frankreich abstürzte und damit der Entwicklung von Luftschiffen in Großbritannien vorerst ein Ende setzte.

Der Airlander 10 ist 92 Meter lang und damit 15 Meter länger als der größte Jumbojet von Boeing, Er kann nach Angaben des Herstellers, Hybrid Air Vehicles (HAV), bei einer Höchstgeschwindigkeit von 148 km/h bis zu 4880 Meter hoch fliegen. Vier Dieselturbinen halten das ultraleichte Gefährt in der Luft.

Das Luftschiff mit dem Spitznamen "Fliegender Popo" ist mit Helium gefüllt und kann unbemannt mehr als zwei Wochen lang in der Luft bleiben, mit Besatzung etwa fünf Tage. Der Airlander soll weniger Treibstoff als ein herkömmliches Flugzeug verbrauchen und dazu mehr Gewicht transportieren können.

Für welchen kommerziellen Zweck das neue Fluggerät dienen soll, steht noch nicht fest. Ursprünglich war der Flieger für die US-Armee als Überwachungsflugzeug entwickelt worden. Das Projekt wurde nach Budgetkürzungen aber abgesetzt.

HAV-Chef Stephen McGlennan feierte den Airlander 10 aber schon mal als "großartige britische Innovation", die Merkmale von einem Flugzeug, einem Helikopter und einem Luftschiff vereine.

Nach Angaben von HAV kann das Luftschiff etwa zum Transport von bis zu 10 Tonnen Fracht oder von Passagieren eingesetzt werden und benötige keine Startbahn. Es sei "billiger und grüner" als herkömmliche Flugzeuge.

Die britische Regierung hatte die Entwicklung mit einem Kredit von 2,5 Millionen Pfund (2,9 Millionen Euro) unterstützt.

abl/AFP/AP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung