Airlander-10-Unfall Riesenluftschiff bei Landung beschädigt

Der Airlander 10 gilt als größtes Luftschiff der Welt. Der laufende Testbetrieb musste nun unterbrochen werden. Grund: eine unsanfte Landung.

YouTube/Lee Cordell

Der erste Testflug war ein weltweit beachteter Erfolg, der zweite wurde nun zu einem kleinen Desaster: Britische Medien meldeten, dass Airlander 10, das größte Luftschiff der Welt, mit einem Telefonmast kollidiert ist und beschädigt wurde. Das Multifunktions-Luftschiff stürzte nach dem Zusammenstoß ab.

Hybrid Air Vehicles, Hersteller des 92 Meter langen Fluggerätes, hat dies richtiggestellt: Per Twitter gab das Unternehmen bekannt, dass der Schaden erst bei der Landung entstanden ist. In der Luft sei es zu keinem Zusammenstoß mit einem Masten gekommen. "Die gesamte Crew sei unverletzt und in Sicherheit", meldete es, "es gab keine Verletzungen".

Ort des Unfalls war das Cardington Airfield in Bedfordshire, wo der Airlander 10 seine Testflüge absolviert. Die Kabine des Fluggerätes wurde erheblich beschädigt, als es ungewollt heftig aufsetzte. Die Streben scheinen alle gebrochen zu sein, wie die Bilder von dem Unglück des 25-Millionen-Pfund teuren Luftschiffs zeigen.

Der Airlander 10 ist 92 Meter lang und damit 15 Meter länger als der größte Jumbojet von Boeing. Er kann nach Angaben des Herstellers, Hybrid Air Vehicles (HAV), bei einer Höchstgeschwindigkeit von 148 km/h bis zu 4880 Meter hoch fliegen. Vier Dieselturbinen halten das ultraleichte Gefährt in der Luft.

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Ärgerlicher Unfall: Der Mini-Absturz des Riesen-Luftschiffs

Das Luftschiff mit dem Spitznamen "Fliegender Popo" ist mit Helium gefüllt und kann unbemannt mehr als zwei Wochen lang in der Luft bleiben, mit Besatzung etwa fünf Tage. Der Airlander soll weniger Treibstoff als ein herkömmliches Flugzeug verbrauchen und dazu mehr Gewicht transportieren können.

Im Video: Der Jungfernflug des Airlanders

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Welchen kommerziellen Zweck das neue Fluggerät dienen soll, steht noch nicht fest. Ursprünglich war der Flieger für die US-Armee als Überwachungsflugzeug entwickelt worden. Das Projekt wurde nach Budgetkürzungen aber abgesetzt.

Nach Angaben von HAV kann das Luftschiff etwa zum Transport von bis zu zehn Tonnen Fracht oder von Passagieren eingesetzt werden und benötige keine Startbahn. Es sei "billiger und grüner" als herkömmliche Flugzeuge.

Die britische Regierung hatte die Entwicklung mit einem Kredit von 2,5 Millionen Pfund (2,9 Millionen Euro) unterstützt.

Genau von diesem Flugplatz aus war 1930 das Luftschiff R101 gestartet, das in Frankreich abstürzte und damit der Entwicklung von Luftschiffen in Großbritannien vorerst ein Ende setzte.

HAV-Chef Stephen McGlennan feierte den Airlander 10 aber schon mal als "großartige britische Innovation", die Merkmale von einem Flugzeug, einem Helikopter und einem Luftschiff vereine.

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Airlander 10: Größtes Luftschiff der Welt auf erstem Flug

abl/pat

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insgesamt 56 Beiträge
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widower+2 24.08.2016
1.
Bestimmt nicht. Dafür sorgt das Gas nach dem Prinzip "leichter als Luft". Die Dieselturbinen dienen dem Vortrieb.
robosapiens 24.08.2016
2. Physik Nachhilfe
"Vier Dieselturbinen halten das ultraleichte Gefährt in der Luft." Falsch lieber Autor: Einige hundert Kubikmeter Helium halten das Gefährt in der Luft. Die Dieselturbinen dienen der Navigation. Um das zu wissen, muss man nicht Aeronautik studieren. Kopiert man in Ihrer Redaktion nur noch die DPA- Meldungen ?
taglöhner 24.08.2016
3.
Ich habe das Video gesehen. Kam mit ziemlicher Sturzfluglage an und die Frontrotoren wurden erst auf aufwärts gedreht, als es ganz offenbar zu spät war. Erstaunlich, dass niemand verletzt wurde, hat ganz schön gescheppert, Cockpit völlig zerbröselt.
touri 24.08.2016
4.
Gibt es einen Grund warum das Luftschiff nicht von Solarzellenbetriebenen Elektromotoren betrieben wird anstatt mit Dieselaggregaten? Sollte sich bei der großen Oberfläche und Flughöhe eigentlich anbieten und würde die Reichweite deutlich erhöhen. Gewichtstechnisch spart man vielleicht sogar was, da man auf den Dieseltreibstoff verzichten kann und Elektromotoren auch leichter als die Dieselaggregate sein dürften. Grundsätzlich halte ich für manche Aufgaben, insbesondere für Überwachung, oder Transport von Ladung in schwieriges Gelände, Luftschiffe für sehr brauchbar.
taglöhner 24.08.2016
5.
Zitat von widower+2Bestimmt nicht. Dafür sorgt das Gas nach dem Prinzip "leichter als Luft". Die Dieselturbinen dienen dem Vortrieb.
Vortrieb, auch um Auftrieb zu erzeugen: Es ist nach dem Bericht vom Jungfernflug 400 kg schwerer als Luft, um es landbar zu machen. Nicht viel für so ein Trumm, aber dennoch ohne aerodynamischen Auftrieb nicht in der Luft zu halten.
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