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Rund um die Welt: Reisepartner gesucht - und gefunden

Foto: Gitti Müller

Reisepartnersuche, Gruppenreisen, Solo-Trips Alleine reisen, ohne allein zu sein

Urlaub geplant und keiner will mit? Eine fehlende Reisebegleitung ist kein Grund, zu Hause zu bleiben. Reisepartnersuche, Gruppenreisen oder einfach auf eigene Faust losziehen - Möglichkeiten gibt es viele.

Reisepartner gesucht

"Wer hat Zeit und ist auch von der Idee begeistert, über Silvester nach Kolumbien zu reisen?", fragt die 35-jährige Juliana. Die 70-jährige Renate sucht eine Reisepartnerin für eine Karibik-Kreuzfahrt und Teresa schreibt: "Ich suche einen Travelmate, der ab Mitte Oktober mit mir Neuseeland erkunden will".

Rund zweieinhalbtausend Anzeigen stehen auf dem Portal "Reisepartner-gesucht" . Die Suchenden wollen verreisen, haben aber keine Lust auf einen Urlaub alleine.

Laut Betreiber Martin Lenhoff ist ungefähr die Hälfte unter 30, die meisten suchen Weggefährten für längere Fernreisen. Die Idee kam Lenhoff vor knapp 20 Jahren. Er war damals Mitte 30 und wollte mit dem Motorrad in den Urlaub. Doch ihm fehlte eine Begleitung. Also setzte er die Seite auf und veröffentlichte selbst eines der ersten Gesuche. "Ich bin dann mit jemanden nach Korsika gefahren, der noch heute einer meiner besten Kumpels ist", sagt er. Das sei natürlich nicht der Regelfall.

Auch auf anderen Seiten, wie etwa "Join my Trip"  und "Urlaubspartner.net"  sowie in Facebook-Gruppen suchen Menschen Reisepartner. Claudia Zesewitz war schon oft alleine unterwegs - vergangenes Jahr antwortete die 30-Jährige zum ersten Mal auf einen Post bei Facebook. Obwohl ihr die Solo-Touren gefallen haben, wollte sie einmal etwas Neues probieren.

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Rund um die Welt: Reisepartner gesucht - und gefunden

Foto: Gitti Müller

Sie habe jemanden mit ähnlichen Interessen gesucht, sagt sie, möglichst in ihrem Alter und eine Frau. Das traf auf den Facebook-Post zu. Zesewitz und ihre zukünftige Reisepartnerin telefonierten zunächst - und waren sich direkt sympathisch. "Sie redet genauso viel wie ich", sagt sie.

Ohne sich zu treffen, klärten sie finanzielle Aspekte und planten ihre Tour durch Irland. "Ein bisschen nervös war ich vorher schon, aber eher so eine normale Urlaubsnervosität", sagt Zesewitz. Beim persönlichen Kennenlernen hätten sie durch die gemeinsame Reise sofort Gesprächsstoff gehabt.

Eine Woche verbrachten die beiden Frauen, die sich vorher nicht persönlich kannten, zusammen, 24 Stunden am Tag. Da können Kleinigkeiten schon einmal für Ärger sorgen: Die eine brauchte länger im Bad. Die andere musste warten, wenn die eine noch eine Nachricht schreiben wollte. Von ihren Solo-Trips war Zesewitz es nicht gewohnt, sich nach jemanden richten zu müssen.

In diesen Momenten, habe sie manchmal gedacht "vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich alleine gefahren wäre". Doch nach ein paar Tagen habe sie sich arrangiert, sei toleranter geworden: "Ich habe dann gemütlich bei einer Tasse Tee auf sie gewartet." Außerdem sei es der erste Urlaub gewesen, von dem sie Fotos von sich selbst habe.

Über ihre Erfahrungen berichtet Zesewitz auch auf ihrem Blog .

Tipps für die Reisepartnersuche

Gruppenreisen

Als Birgit Radlinger vor zehn Jahren als letzte Teilnehmerin ihrer Reisegruppe am Flughafen von Buenos Aires ankam, erwartete sie ein ungewöhnliches Grüppchen: Ein 18-Jähriger, eine 64-Jährige, eine Mitdreißigerin und ihr Guide - ein in Peru aufgewachsener Schweizer. Zusammen brachen sie zu einer dreiwöchigen Tour durch Argentinien auf. "Obwohl wir alle so unterschiedlich waren, waren wir uns schon im Taxi sympathisch", erinnert sie sich. Seitdem ist sie fast jedes Jahr mit unterschiedlichen Gruppen auf Reisen.

Nicht auf jeder Tour funktionierte es so gut mit den Mitreisenden. Auf einer Ecuador-Reise war sie nicht nur deutlich jünger als der Rest der Gruppe, auch die Interessen unterschieden sich: "Die meisten meiner Mitreisenden waren passionierte Vogelkundler, die bei jedem kleinen schwarzen Punkt am Horizont den Feldstecher gezückt haben. Das fand ich ein bisschen anstrengend."

Der Studienreiseanbieter Studiosus bietet wie viele Veranstalter ein Programm extra für Alleinreisende  an. Die Angebote sollen neben dem Gruppenerlebnis auch auf individuelle Interessen eingehen. "Gerade Singles, die es gewohnt sind alleine zu leben, wollen auch mal einen halben Tag in Rom oder Florenz ohne die Gruppe verbringen", sagt Hans-Dieter Lohneis, Mitglied der Geschäftsführung bei Studiosus.

"So ganz alleine losziehen, jeden Tag neue Kontakte suchen zu müssen, das wäre nicht unbedingt etwas für mich", sagt Radlinger. Außer dem sozialen Aspekt, gibt es für sie ganz pragmatische Gründe für Gruppenreisen: "Ich organisiere beruflich schon sehr viel, da will ich mich nicht im Urlaub auch noch darum kümmern müssen, wie ich von A nach B komme."

Tipps für Gruppenreisen

Auf Solo-Tour

Gitti Müllers  erster Solo-Trip begann mit einer Trennung: Acht Monate reiste sie mit ihrem damaligen Freund durch Südamerika, bevor sie ihre Beziehung in Guatemala beendeten. Drei Monate war sie danach alleine unterwegs, auf jenem Kontinent, den sie seitdem immer wieder besucht. Keine leichte Zeit, nach sieben gemeinsamen Jahren.

"Das Gute am Alleinreisen ist, dass du eigentlich immer Leute kennenlernst und dich mit ihnen austauschst." Mittlerweile ist sie 60 Jahre alt. Immer noch ist sie oft allein unterwegs, und auch heute hat sie kein Problem, Anschluss zu finden: "Manchmal sind die Leute zwar nur halb so alt wie ich, aber das ist egal, sie sind ja trotzdem nett." In ihrem Buch "Comeback mit Backpack " schreibt sie über zwei Rucksackreisen durch Südamerika - über jene im Jahr 1980 und über eine, die sie 2015 unternahm.

Tipps für Alleinreisende

Dennoch gibt es sie, die Momente, in denen Gitti Müller ein Reisepartner fehlt. Dann, wenn sie alleine in einem Restaurant bei Steak und Wein sitzt oder wenn sie krank in einem Hostelbett liegt und sich jemanden wünscht, der sie "betüddelt" .

Müller hat gelernt, sich diese Momente möglichst angenehm zu gestalten. Sie besteht auf einen Platz, der kein "Katzentisch neben dem Klo oder am Kücheneingang ist" und nimmt sich ein Buch mit. Liest, bis der Kellner ihr Essen serviert. An anderen Abenden kocht sie in Hostelküchen mit anderen Gästen oder besucht ein Restaurant, wo die Gäste gemeinsam an langen Tischen sitzen. "Wer Anschluss sucht, findet ihn grundsätzlich auch", sagt sie.