Arbeitskampf Warnstreiks stören massiv den ICE-Verkehr

Die Bahn streikt weiter - aber das befürchtete Chaos blieb diesmal aus. Besonders starke Beeinträchtigungen des Zugverkehrs gab es in Kassel und Mainz. Die Ausfälle und Verspätungen betrafen Tausende Pendler.


Hamburg - Ein erneuter Warnstreik von Bahnmitarbeitern hat heute Morgen in mehreren Bundesländern zu teils erheblichen Behinderungen im Berufsverkehr geführt. Tausende Pendler waren davon betroffen. Die massivsten Aktionen gab es nach Angaben der Gewerkschaft Transnet im Raum Kassel, wo Beschäftigte der Stellwerke sowie der Zugbereitstellung die Arbeit niederlegten.

Der Streik geht weiter: In einigen Bahnhöfen ging heute zeitweise gar nichts mehr
AP

Der Streik geht weiter: In einigen Bahnhöfen ging heute zeitweise gar nichts mehr

In Mainz und Wiesbaden fuhren zeitweise überhaupt keine Züge mehr. In Stralsund ließen Mitarbeiter der Fahrdienstleitung von 4 bis 6 Uhr ihre Arbeit ruhen. Insgesamt 18 Züge waren nach Transnet-Angaben davon betroffen. In Nürnberg traten am Rangierbahnhof mehrere Beschäftigte in einen Warnstreik. Dies führte zu Störungen im Güterverkehr. In Halle (Saale) und Sangerhausen legten rund 30 Mitarbeiter der Stellwerke für zwei Stunden die Arbeit nieder. Dies hatte Auswirkungen auf die Strecken Halle-Kassel und Erfurt-Magdeburg. In Potsdam wurden im Reisezentrum die Kunden nicht bedient.

Betroffen von den teils nicht angekündigten Stellwerk-Warnstreiks waren laut Bahn die ICE-Linien Hamburg-Kassel-München, Hamburg-Kassel-Frankfurt-Basel, Berlin-Braunschweig-Frankfurt-Basel, Berlin-Braunschweig-Stuttgart-München sowie Dresden-Leipzig-Frankfurt. Auf der linken Rheinseite könnten demnach überhaupt keine Züge mehr fahren. Sie müssten über die rechte Rheinstrecke und Wiesbaden umgeleitet werden, was zu längeren Fahrzeiten führe, hieß es. Zwischen Mainz und Worms ruhe der Nah- und Fernverkehr komplett.

Es sei derzeit noch offen, wann diese Warnstreiks beendet würden. Laut der Bahngewerkschaft Transnet beteiligten sich heute rund 1000 Beschäftigte an dem Ausstand. Zu einem Chaos im Berufsverkehr kam es laut einem Bahn-Sprecher aber bisher nicht, das Ausmaß der Behinderungen blieb hinter dem vom Vortag zurück. Die S-Bahnen in den Ballungsräumen verkehrten laut Angaben der Deutschen Bahn nach Fahrplan.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die gestern noch für massive Verspätungen und Zugausfälle gesorgt hatte, will bis zu einem für morgen angesetzten Gespräch mit Bahnchef Hartmut Mehdorn keine Aktionen durchführen.

Zur Stunde verhandeln die Gewerkschaftsvorsitzenden Norbert Hansen von Transnet und Klaus-Dieter Hommel von GDBA mit Mehdorn in Berlin."Wir sind zu Gesprächen bereit, die dazu dienen, eine weitere Eskalation des Tarifkonflikts zu vermeiden", hatte Hansen gestern Abend erklärt.

Erhöhte Nachfrage bei Mitfahrzentralen

Die Streiks sorgen nicht nur bei Bussen und Taxis für eine deutlich erhöhte Nachfrage, auch die Mitfahrzentralen profitieren von dem Ausstand. Die Internetseite mitfahrzentrale.de etwa verzeichnete gestern 15.000 Besucher, das waren 50 Prozent mehr als üblich und ein neuer Rekord, wie der Chef des Internetportals, Martin Buske, dem Berliner "Tagesspiegel" sagte.

Vor allem Pendler hätten Fahrgemeinschaften gebildet. "Die Telefone standen nicht mehr still, die Leute haben direkt von den Bahnhöhen bei uns angerufen", sagte Buske. Auch der Chef des Verbandes der Mitfahrzentralen in Deutschland und Europa, Hans Ludwig Klaus, bestätigte der Zeitung eine bundesweit erheblich höhere Nachfrage als an normalen Tagen.

Mit den Warnstreiks wollen die Gewerkschaften Transnet und GDBA ihrer Forderung nach sieben Prozent mehr Geld für rund 134.000 Bahn-Beschäftigte Nachdruck verleihen. Das bisherige Angebot der Bahn lautet zwei Mal 2,0 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung innerhalb von 30 Monaten.

sto/flo/sam/dpa/AP/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.