Aschewolke stoppt Flugverkehr Europa droht der Chaos-Samstag

Am Freitag wurden Tausende Flüge gestrichen - auch für das Wochenende werden massive Störungen erwartet. Eine Aschewolke legt den Flugverkehr lahm, weltweit sitzen zahllose Passagiere auf den Airports fest. Der Luftraum über Deutschland ist bis mindestens 14 Uhr am Samstag gesperrt.
Wartende Passagiere in Frankfurt: Schlechte Aussichten für Samstag

Wartende Passagiere in Frankfurt: Schlechte Aussichten für Samstag

Foto: Boris Roessler/ dpa

Berlin - Reisende müssen sich auch am Wochenende wegen der Aschewolke aus einem isländischen Vulkan auf massive Einschränkungen im europäischen Flugverkehr einstellen. British Airways teilte am Freitagabend mit, alle für Samstag angesetzten Flüge von und nach London zu streichen. Damit ist abermals Europas wichtigstes Drehkreuz, der Flughafen Heathrow, von den Behinderungen betroffen.

Im Norden Englands könnte sich jedoch die Lage in den frühen Morgenstunden vorübergehend bessern. Sollte sich diese Vorhersage bestätigen, könnten Liverpool und Manchester sowie alle Airports nördlich davon den Flugbetrieb für einige Stunden wieder aufnehmen. Vieles deute jedoch darauf hin, dass die Aschewolke am späten Vormittag wieder dichter werde und somit die Einschränkungen für den Flugbetrieb wieder einsetzen, teilte die britische Luftfahrtkontrollbehörde NATS mit.

Ähnliche Probleme werden in Deutschland erwartet. Die internationalen Flughäfen bleiben voraussichtlich bis Samstagnachmittag gesperrt. Man habe aufgrund der aktuellen Lage entschieden, den Luftraum über allen 16 internationalen Flughäfen in Deutschland bis 14 Uhr zu sperren, sagte eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS) am späten Freitagabend. Es handele sich um eine vorläufige Entscheidung, am Samstagmorgen werde man sehen, wie man weiter verfahre. Die Lufthansa hatte zuvor alle Flüge bis Samstagmittag abgesagt. Auch Air Berlin strich bis auf einige innerspanische Verbindungen alle Flüge bis 14 Uhr.

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In rund einem Dutzend anderen europäischen Ländern machten ebenfalls zahlreiche Flughäfen dicht, etwa in Polen oder Frankreich, wo auch die Pariser Airports Roissy und Orly bis mindestens Samstagmittag geschlossen bleiben sollten. In Polen wurde kurzzeitig überlegt, die Trauerfeier für den tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski abzusagen. Ein Präsidentensprecher sagte jedoch, die in Krakau geplante Zeremonie werde stattfinden, auch wenn der Flughafen der Stadt am Freitag geschlossen blieb.

Selbst südlich der Alpen bereiteten sich die Behörden auf die Auswirkungen der Aschewolke vor: Der italienische Zivilschutz teilte mit, dass der Mailänder Flughafen Malpensa am Samstag vermutlich geschlossen werde. Hunderttausende Passagiere saßen infolge der Einschränkungen fest. Auch die Luftfahrtbehörde Eurocontrol, die den Flugverkehr in 38 Staaten koordiniert, geht davon aus, dass die Aschewolke sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken wird als am Freitag. Die Wolke werde weiter nach Süden ziehen und schon am Samstagmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich über Norditalien bis zum nördlichen Balkan erreichen, sagte der Chef der Luftraumüberwachung bei Eurocontrol, Brian Flynn.

Durch die gestrichenen Flüge waren am Freitag Zehntausende Passagiere weltweit auf Flughäfen gestrandet. Vielerorts waren die Passagiere gezwungen, die Nacht auf den Sesseln der Wartehallen zu verbringen. Europaweit versuchten zahllose Menschen, auf Züge umzusteigen.

Nach Einschätzung von Experten verursacht die Lähmung des Flugverkehrs für die Fluggesellschaften insgesamt täglich Kosten in Höhe von rund 200 Millionen Dollar (147,3 Millionen Euro). Dies sei eine "erste vorsichtige Schätzung", hieß es in der Mitteilung des Weltluftfahrtverbandes IATA.

Der Gletschervulkan stößt derweil weiterhin eine riesige Wolke mit Wasserdampf und Asche aus. Wie am Freitagabend eine Sprecherin des Meteorologischen Institutes Reykjavik sagte, ergaben neue Messungen bei der Rauchsäule eine Höhe von acht Kilometern. Ein Ende der Vulkanaktivitäten oder eine massive Änderung der Windrichtung sei nicht abzusehen. Nachdem die Wolke zeitweise fast nur aus Wasserdampf bestanden habe, sei am Abend wieder mehr schwarze und gefährlichere Asche herausgekommen, hieß es in Reykjavik.

luk/AFP/Reuters/dpa/apn
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