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Aschewolke über Nordeuropa Lufthansa streicht alle Europa-Flüge bis Samstag 12 Uhr

Die Aschewolke über Nordeuropa zwingt Airlines zu drastischen Maßnahmen: Die Lufthansa hat alle europäischen Flüge bis Samstagmittag um 12 Uhr gestrichen. Auf allen internationalen Airports in Deutschland ist der Flugverkehr inzwischen stillgelegt.

Frankfurt am Main/Hamburg - Die Lufthansa   streicht alle Flüge in Europa bis Samstagmittag um 12 Uhr, wie Konzernsprecher Jan Bärwalde sagte. Eine Aufhebung der Luftraumsperrungen sei derzeit nicht absehbar, hieß es bei der Lufthansa zur Begründung. Die betroffenen Passagiere würden gebeten, nicht zu den Flughäfen anzureisen.

Am Abend schloss mit dem Münchener Airport der letzte der 16 internationalen Flughäfen in Deutschland. Wie ein Sprecher mitteilte, soll dies mindestens bis Samstagmittag gelten. Damit steht nun an allen internationalen Flughäfen in Deutschland der Flugverkehr still. Sie sollen bis mindestens 8 Uhr am Samstag geschlossen bleiben, wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) am Freitag mitteilte. Damit müssen Passagiere auch weiterhin mit zahlreichen Flugausfällen rechnen.

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Schon zuvor hatten die Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol sowie der Deutsche Wetterdienst vorhergesagt, die Lage an den Flughäfen in Europa werde sich auch am Samstag nicht entspannen. Im Gegenteil - die Aschewolke werde sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken als am Freitag, teilten die Luftsicherheitsexperten in Brüssel mit. Darauf deuteten alle Wetterdaten hin. Die Wolke werde weiter nach Süden ziehen und schon am Samstagmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich über Norditalien bis zum nördlichen Balkan erreichen. Das sagte der Chef der Luftraumüberwachung bei Eurocontrol, Brian Flynn.

Finnischer Luftraum bis Sonntag geschlossen

Als erstes europäisches Land hatte Finnland wegen der Aschewolke seinen Luftraum bis Sonntagnachmittag gesperrt. Bis mindestens 14 Uhr am Sonntag werde der Flugverkehr eingestellt, teilte der finnische Flughafenbetreiber Finavia am Freitag in Helsinki mit. Die Aschewolke werde laut Vorhersage mehrere Tage über Finnland bleiben. Die Finnen hatten am Donnerstagabend den Flugverkehr eingestellt.

In Österreich wird der Luftraum ab dem frühen Freitagabend schrittweise gesperrt. Nach Angaben der Behörde Austro Control soll der nördliche Luftraum ab 19 Uhr für den Flugverkehr gesperrt werden, ab 20 Uhr sollen die Flughäfen in Wien, Salzburg und Linz folgen, dann die restlichen. Die Flughäfen von Graz und Klagenfurt sollen jedoch so lange wie möglich in Betrieb bleiben, wie Sprecher Peter Schmidt mitteilte.

Europas größter Billigflieger Ryanair kündigte an, alle Nordeuropa-Flüge bis Montag 12 Uhr zu streichen. Betroffen seien Flüge von und nach Großbritannien, Irland, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Belgien, die Niederlande, Nord-Frankreich, Nord-Deutschland, Polen und die Baltischen Staaten, teilte die irische Fluggesellschaft am Freitagabend mit.

Die Lufthansa bietet den Passagieren bei innerdeutschen Verbindungen an, dass Bahntickets auf der gleichen Strecke erstattet werden. Das Unternehmen hat die kostenlose Telefonnummer 0800 - 8506070 für Umbuchungen und Stornierungen eingerichtet.

Die Aschewolke eines Vulkans in Island hat den europäischen Luftverkehr in das größte Chaos seiner Geschichte gestürzt. Erste Branchenschätzungen sprechen von einem Schaden in Höhe von knapp 150 Millionen Euro pro Tag für die Fluggesellschaften.

Hunderttausende Passagiere saßen fest, da die Lufträume von knapp einem Dutzend Ländern in Europa am Freitag größtenteils gesperrt waren. Etwa zwei Drittel der rund 29.500 täglichen Flüge wurden gestrichen.

Frustrierte Reisende versuchten am Freitag verzweifelt, Alternativen für ihre Reisepläne zu finden. Anbieter von Mietwagen und Busreisen verzeichneten eine enorm gestiegene Nachfrage, und es brach ein Ansturm auf Züge los. Menschen drängten sich dicht an dicht in den Abteilen. Die Deutsche Bahn beorderte zusätzliches Personal in die Bahnhöfe und mobilisierte fast ihren gesamten Wagenpark. "Alles was rollen kann, rollt", sagte ein Bahnsprecher. "Ich empfehle auf Reisen, die nicht erforderlich sind, zu verzichten", mahnte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

Auch Politiker waren von den Folgen des Vulkanausbruchs betroffen: Bundeskanzlerin Angela Merkel muss auf ihrem Rückflug aus den USA in Portugal Zwischenstation machen und kommt frühestens am Samstag von dort weiter. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der bei seiner Rückkehr aus Afghanistan verletzte Soldaten in einem Medevac-Airbus begleitet, wurde zu einem Stopp in Istanbul gezwungen.

sto/apn/Reuters/dpa
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