Ausstand der Fluglotsen Wie sich Reisende für den Streik wappnen können

Noch nie haben die Fluglotsen in Deutschland gestreikt - der jetzt für Dienstag geplante Ausstand könnte bei Zigtausenden Reisenden für Ärger sorgen. Wo gibt es Infos zum Streik? Wann wird eine Übernachtung am Flughafen bezahlt? Wie kommt man trotzdem ans Ziel? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wartende Passagiere am Frankfurter Flughafen: Tausende Flüge könnten ausfallen
dapd

Wartende Passagiere am Frankfurter Flughafen: Tausende Flüge könnten ausfallen


Hannover - Mitten in den Sommerferien könnte ein Fluglotsenstreik am Dienstag den Luftverkehr in Deutschland lahmlegen. Von 6 bis 12 Uhr wollen die Besatzungen der Tower die Arbeit niederlegen - und auch danach könnte es trotz Notfallpläne der Airlines einige Zeit bis zur Normalisierung des Flugverkehrs dauern.

SPIEGEL ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie informiere ich mich, ob mein Flug ausfällt oder verspätet ist?

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, wendet sich an seinen Veranstalter. Für Passagiere, die nur ein Flugticket haben, ist die Fluggesellschaft der richtige Ansprechpartner. Auch die Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten meist ausführliche Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Reiserechtler Paul Degott aus Hannover rät, sich schon zu Hause über Hotlines und die Webseiten der Unternehmen zu informieren. "Es ist sicher nicht sinnvoll, einfach zum Flughafen zu fahren und dann im Chaos herumzustehen."

Wer aber per Hotline keinen Ansprechpartner erwischt, der sollte sicherheitshalber zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug - das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist.

Was passiert, wenn ich am Flughafen gestrandet bin?

Der jeweilige Veranstalter oder die Fluggesellschaft muss gestrandete Kunden betreuen. Die Leistungen gemäß der EU-Fluggastrechteverordnung sind unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen oder Ausfälle von Flügen verantwortlich ist. Passagiere erhalten Essen und Getränke, meist in Form von Gutscheinen. Außerdem dürfen sie kostenlos zweimal telefonieren, Faxe verschicken oder E-Mails schreiben.

Wenn der Flug sich auf einen anderen Tag verschiebt, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung im Hotel bezahlen. Wie viele Nächte das sind, wird noch vor Gericht verhandelt. Zumindest zwei Übernachtungen sind aber gesichert.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen fordern.

Urlauber sollten nicht aus Verärgerung einfach ein Zugticket buchen. Wer beispielsweise einen Flug von Frankfurt am Main über Paris nach New York gebucht hat, sollte nicht auf eigene Faust mit dem Zug nach Paris fahren, um den Anschlussflug zu erwischen. Denn dann sei es fraglich, ob die Fluggesellschaft das Zugticket erstattet, warnt Degott. Besser ist es, sich ein Bahnticket am Check-in am Flughafen von der Airline ausstellen zu lassen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nein. Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter ist nicht dafür verantwortlich, wenn wegen eines Fluglotsenstreiks Flüge ausfallen. "Wenn die Fluglotsen an allen internationalen Flughäfen streiken, ist der Luftraum in Deutschland genauso dicht wie bei der Aschewolke", sagt Degott.

Es handle sich um einen Fall höherer Gewalt. Denn die Fluglotsen seien weder bei einer Fluggesellschaft noch bei einem Veranstalter angestellt. Bei einem solchen "Drittstreik" steht Urlaubern daher keine Entschädigung zu, wie sie eine EU-Verordnung zu Flugausfällen vorsieht.

Könnte der Streik doch noch abgesagt werden?

Ja. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) will den Streik auf seine Rechtmäßigkeit überprüfen lassen und hat beim Frankfurter Arbeitsgericht einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gestellt. Die mündliche Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main beginnt am Montag um 14.15 Uhr, wie der Sprecher der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Matthias Maas, sagte.

Sollte der Streik vom Gericht nicht verboten werden, könnte er dennoch in letzter Minute noch vermieden werden. Denn die Schiedsvereinbarung der Streithähne sieht vor, dass jede Seite die Schlichtung einseitig anrufen kann. Damit träte sofort eine neue Friedenspflicht in Kraft, die den Streik um mehrere Wochen weit aus den Ferien herausschieben würde.

Ein Indiz dafür könnte der nahezu reibungslose Flugverkehr vom vergangenen Donnerstag sein, obwohl die GdF ihren Streik erst gut neun Stunden vor dem geplanten Beginn abgesagt hatte. Eigentlich hätten zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Maßnahmen aus den Notfallplänen der Airlines greifen müssen. Es wird spekuliert, dass die DFS den Fluggesellschaften unter der Hand zugesagt haben könnte, im Fall einer Niederlage vor den Arbeitsgerichten sofort den Schlichter anzurufen.

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Peter Freiburg, 08.08.2011
1. unverständnis
Na super, ich muss morgen früh fliegen... Wie kommt es, dass Angestellte *in dem Bereich, zur Urlaubszeit*, streiken dürfen? Völliges Unverständnis meinerseits. Sie fordern 6,5% mehr Gehalt, sagen aber gleichzeitig, dass es ihnen um die Sicherheit geht. Bitte? Und am Hungertuch muss kein Lotse nagen. Weissgott nicht. *Anfangsgehälter von 70.000€* sind keine Seltenheit (und es geht schnell über 100TSD), man kann verbeamtet werden, studiert haben muss man auch nicht erst. Hier geht es also nicht um Existenzängste wie bei anderen, unterbezahlten Jobs, denen ich von Herzen eine Lohnerhöhung wünschen würde, und die sicher auch stressig sind (wie z.B. in der Pflege) und mehr Überstunden haben als Lotsen. Kann man das nicht ohne Streik lösen? Die sollen von mir aus um mehr Gehalt kämpfen (und von mir aus auch bekommen, mir völlig egal), aber doch nicht auf dem Rücken aller Reisenden!
Altesocke 08.08.2011
2. Solidariatyet ist das groesste Problem, in Deutschland! Ich, Ich, Ich
Zitat von Peter FreiburgNa super, ich muss morgen früh fliegen... Wie kommt es, dass Angestellte *in dem Bereich, zur Urlaubszeit*, streiken dürfen? Völliges Unverständnis meinerseits. Sie fordern 6,5% mehr Gehalt, sagen aber gleichzeitig, dass es ihnen um die Sicherheit geht. Bitte? Und am Hungertuch muss kein Lotse nagen. Weissgott nicht. *Anfangsgehälter von 70.000€* sind keine Seltenheit (und es geht schnell über 100TSD), man kann verbeamtet werden, studiert haben muss man auch nicht erst. Hier geht es also nicht um Existenzängste wie bei anderen, unterbezahlten Jobs, denen ich von Herzen eine Lohnerhöhung wünschen würde, und die sicher auch stressig sind (wie z.B. in der Pflege) und mehr Überstunden haben als Lotsen. Kann man das nicht ohne Streik lösen? Die sollen von mir aus um mehr Gehalt kämpfen (und von mir aus auch bekommen, mir völlig egal), aber doch nicht auf dem Rücken aller Reisenden!
Genau, sollen die doch waehrend des Nachtflugverbots streiken! Wenn Muellmaenner streiken, wird der Muell nicht abgeholt. Wenn Zugfuehrer streiken, fahren Zuege nicht. Wenn Verkaeufer streiken, bleiben Kaufhaeuser zu Wenn Piloten streiken, fliegen die Flieger der bestreikten Airtline nicht. Und wenn die Lotsen streiken wuerde, dann faehrt kein Schiff in einen Hafen. Momentmal, sind Seelotsen/Flusslotsen nicht noch (teilweise) Beamte? Aber wurscht: Wenn Fluglotsen streiken, ist wegen der Sicherheit der Flugverkehr einzustellen, zumindest zu reduzieren. Streik ist das einzige Mittel, das Arbeitnehmer haben, um Ansprueche geltend zu machen. Und bloss, weil die Arbeitgeber zu dusselig sind, ein dem Wertverfall der Waehrung angemessenes Erhoehungsangebot zu machen, sollen die Lotsen nicht streiken duerfen? Und bloss, weil die Arbeitgeber wissen, das es eher zu einem Aufschrei "Wie koennen die Lotsen nur", anstatt zu "warum bieten die Arbeitgeber nicht realistische Erhoehungen an" kommt, wird versucht, die Bevoelkerung NUR GEGEN die Lotsen auszuspielen. Es gehoeren immer ZWEI zu einem Streik. Ein Arbeitgeber und ein Beschaeftigter, die sich nicht einigen koennen. Wenn ihre Gewerkschaft mal 6.5% fordern wuerde: Wuerden sie sagen"Ne, ich kann nicht streiken, da wuerden ja andere drunter leiden. Ich will gar nicht soviel mehr Geld, Unter inflation ist genug" Weil die 6.5% sind eh in der Verhandlungsmasse nicht das letzte Wort. Wie waere es mit Solidaritaet? Sehen sie zu, Druck auf ihre airline auszuueben, genug Flieger ins benachbarte ausland zu bringen, die NICHT ueber den deutschen Luftraum zu ihren Destinationen fliegen muessen. Und ab in die Busse, und die reise beginnt. Nur Urlaubsreiser gemeint, die Businessflieger gehen mir am Ar#$% vorbei! Bundestag im Urlaub? Fallen ja schon mal 500 Personen aus, die dann 1 Klasse ICE fahren 'muessten' (Oder erst Nachmittags fliegen wuerden)
andresa 08.08.2011
3. Nur Arbeitskampf?
..ob es den Fluglotsen wirklich nur ums Geld geht?...oder machen sie sich vielleicht gar revolutionäre Gedanken? http://le-bohemien.net/2011/08/06/revolutionare-gedanken/
netcrash84 08.08.2011
4. Hochsaison Streik?!
Meiner Meinung nach sollen sie ja streiken, nur muss dies zur Hochsaison sein? Dieser Tarifkampf ist von langer Hand geplant und nicht erst seit zwei, drei Wochen im Gespräch. Wie kann es eigentlich sein, dass eine Fluggesellschaft eine Klage gegen die GdF prüfen kann und der Reisende hat kaum rechte? http://www.tourexpi.com/de-de/news.html~nid=45764
jocurt, 08.08.2011
5. Wer aus beamten Private macht und dazu jubelt (sie ?)
Zitat von Peter FreiburgNa super, ich muss morgen früh fliegen... Wie kommt es, dass Angestellte *in dem Bereich, zur Urlaubszeit*, streiken dürfen? Völliges Unverständnis meinerseits. Sie fordern 6,5% mehr Gehalt, sagen aber gleichzeitig, dass es ihnen um die Sicherheit geht. Bitte? Und am Hungertuch muss kein Lotse nagen. Weissgott nicht. *Anfangsgehälter von 70.000€* sind keine Seltenheit (und es geht schnell über 100TSD), man kann verbeamtet werden, studiert haben muss man auch nicht erst. Hier geht es also nicht um Existenzängste wie bei anderen, unterbezahlten Jobs, denen ich von Herzen eine Lohnerhöhung wünschen würde, und die sicher auch stressig sind (wie z.B. in der Pflege) und mehr Überstunden haben als Lotsen. Kann man das nicht ohne Streik lösen? Die sollen von mir aus um mehr Gehalt kämpfen (und von mir aus auch bekommen, mir völlig egal), aber doch nicht auf dem Rücken aller Reisenden!
muss sich nicht wundern, dass dann die Privat-Spielregeln gelten. Streik ist meist auf dem Rücken anderer und dann besonders wirkungsvoll. Ist doch bei Managergehältern nicht anders. Wer wichtig ist oder sich für wichtig hält ist teuer.
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