Australien Nudisten-Hotel plant einmonatige Orgien-Party

Mit Hedonismus gegen die Tourismusflaute: Ein australisches Resort-Hotel will eine einmonatige Nudistenparty unter dem Motto "Anything Goes" veranstalten. Ein Bischof ist empört - doch selbst der Bürgermeister unterstützt das umstrittene Event.


Canberra - Wenn Tony Fox in Erklärungsnot gerät, verwendet er gerne Sätze wie diesen: "Wirtschaftliche Krisenzeiten verlangen nach harten Maßnahmen", sagte der Leiter des Cockatoo Resort in Mossman im Nordosten Australiens der Zeitung "Courier Mail". Er musste sich in den vergangenen Tagen oft erklären. Kürzlich kündigte Fox an, in seinem Hotel im März 2009 eine tabulose Nudisten-Party zu veranstalten, die den ganzen Monat lang dauern soll. Das Konzept ist simpel: "Alles ist möglich, für einen Monat. Man muss kein Raketenforscher sein, um zu verstehen, was damit gemeint ist", sagte Fox.

Strand in Port Douglas im Norden Queenslands: Im nahegelegen Mossman sorgt eine geplante Nudisten-Party für Empörung
Corbis

Strand in Port Douglas im Norden Queenslands: Im nahegelegen Mossman sorgt eine geplante Nudisten-Party für Empörung

Das Nudisten-Resort geriet bereits vor drei Jahren in die Schlagzeilen, als nach Protesten von Anwohnern die Polizei anrückte, um einer Serie von Partnertausch-Partys ein Ende zu machen.

"Man muss sich fragen, was für Menschen da hingehen und warum. Wo ist da der moralische Verhaltenskodex, wie können Eifersucht und Streitigkeiten verhindert werden?", fragte James Foley, der katholische Bischof der Stadt Cairns.

Auch FKK-Anhänger äußerten Bedenken. "Das Resort fordert Probleme geradezu heraus - sobald diese Veranstaltung beginnt, wird es sehr schwer, eine Grenze zu ziehen, was akzeptabel ist und was nicht", sagte Lindsay Perkyns, Vorsitzender der Australian Nudist Federation, gegenüber der australischen Internet-Seite Ninemsn. Er fürchtet, dass ein solches Projekt jahrelange Bemühungen seiner Organisation schädigt. "Wir versuchen, mehr FKK-Strände in Australien zu bekommen, doch unglücklicherweise lockt das oft die falsche Art von Menschen an - speziell männliche Singles, die auf Sex hoffen - und diese Party wird das Problem verstärken", sagte Perkyns.

AP; Australian Tourist Commission; DPA
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Der lokale Bürgermeister Val Schier dagegen gab an, er habe nichts gegen die Veranstaltung einzuwenden, solange keine Gesetze gebrochen würden. "Die Menschen im tropischen Norden Queenslands sind ausgesprochen kreativ", sagte er. "Es sind wirtschaftlich harte Zeiten, und solange an der Veranstaltung Erwachsene teilnehmen, die mit dem Konzept einverstanden sind, gibt es da kein Problem."

Australiens Tourismusindustrie bekommt die Folgen der globalen Finanzkrise derzeit deutlich zu spüren. Im September wurde nach offiziellen Angaben ein Rückgang der Besucher aus dem Ausland von 7,6 Prozent verzeichnet. Experten erwarten, dass die Buchungszahlen im ersten Quartal 2009 um bis zu ein Drittel zurückgehen könnten. Eine große Werbekampagne im Rahmen der Veröffentlichung des Films "Australia" mit Nicole Kidman soll im kommenden Jahr helfen, den Rückgang der Buchungszahlen aufzuhalten.

Über mangelndes Besucherinteresse kann sich Tony Fox nicht beschweren. Der gesamte Monat März sei schon fast ausgebucht, sagte der Hotelbetreiber.

sto/Reuters



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