Australien Touristen strömen kurz vor Kletterverbot auf den Uluru

Der weltbekannte Uluru soll ab November für Kletterer geschlossen werden - aus Respekt den Aborigines gegenüber. Doch der baldige Aufstiegsstopp führt derzeit zu einem gewaltigen Ansturm auf den heiligen Berg.

Der Uluru im Nordterritorium in Australien
Getty Images

Der Uluru im Nordterritorium in Australien


Auf einem Twitter-Foto sind Menschen zu sehen, die in einer langen Schlange zum Gipfel des Uluru in Australien aufsteigen. Der australische Journalist Rohan Barwick hat es am 8. Juli gepostet. Es soll den derzeitigen Ansturm auf den heiligen Berg der Aborigines zeigen. Das Foto erinnert fast schon an die schockierenden Bilder vom Andrang am Mount Everest, die Ende Mai um die Welt gingen.

Barwick beschreibt unter Berufung auf einen Freund, der das Foto gemacht hatte, wie ein Kletterer ausgerutscht sei und beinahe ein junges Mädchen mitgerissen habe, das direkt hinter ihm geklettert sei. "Er sagt, die Kletterer gehen Schulter an Schulter und es ist sehr gefährlich", so Barwick.

Der 348 Meter hohe Uluru gilt als das markanteste Wahrzeichen Australiens. Das Land gehört den Anangu-Aborigines, die bereits seit langer Zeit ein Kletterverbot fordern. Im November 2017 entschied der Parkvorstand, dass das Unesco-Weltkulturerbe ab November 2019 nicht mehr betreten werden darf. Damals sagte der Vorsitzende der Anangu: "Es ist ein extrem wichtiger Ort, kein Spielplatz oder Themenpark wie Disneyland."

Uluru, Heiliger Berg der Aborigines
Unesco-Weltkultur- und Weltnaturerbe
Uluru-Kata-Tjuta ist seit 1987 wegen seiner naturwissenschaftlichen Besonderheit und seit 1994 auch in Anerkennung der kulturellen Bedeutung als Unesco-Welterbe geschützt. Es ist einer von nur 34 Orten der Welt, die für beide Kriterien (Natur und Kultur) berühmt sind.
Uluru oder Ayers Rock?
1873 taufte der englische Einwanderer und Forscher William Gosse den Monolithen nach Henry Ayers, damals Südaustraliens Premierminister. 1993 bekam der Berg - als vermutlich erster Fels der Welt - einen Doppelnamen: Uluru-Ayers-Rock. Seit 2002 wird in Australien vor allem der ursprüngliche Name Uluru benutzt, ein Wort aus Pitjantjatjara, der Sprache der Anangu Aborigines.
Lage
Gut 450 Kilometer sind es vom Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark bis nach Alice Springs, 2000 Kilometer fährt man nach Darwin im Norden, knapp 3000 Kilometer nach Sydney im Südwesten. Etwa 300.000 Besucher fliegen im Jahr zum Ayers Rock Airport bei Yulara in der Nähe des Parks.

Offenbar wollen viele Touristen nun aber noch einmal die letzte Gelegenheit nutzen, doch auf dem Uluru zu stehen, bevor er für immer geschlossen wird. Dem Fotografen zufolge soll der nahe gelegene Campingplatz "aus allen Nähten geplatzt" sein. So berichtete er es der BBC. Einige Touristen hätten demnach auch bei Truck-Stops in der Gegend campiert. "Es gibt nur ein Toilettenhäuschen am Fuße des Uluru und die Rohre waren verstopft", sagte er.

In den sozialen Medien wurden die Touristen dafür kritisiert, die Wünsche der Aborigines nicht zu respektieren. "Es ist nicht nur so, dass dort Menschen komplett über den Glauben von anderen trampeln, sie schaden damit sicherlich auch dem Berg", schreibt ein Twitter-Nutzer.

Einige stellten Fotos gegenüber, die den Ansturm auf den Uluru mit dem auf den Everest vergleichen.

Die australische Parkverwaltung gab an, dass sie 2018 rund 70.000 Besucher mehr verzeichnet hätte als im Jahr zuvor. Die gestiegene Zahl an Besuchern hänge nicht nur damit zusammenhänge, dass der Uluru bald geschlossen werde. Auch neue Direktflüge zum "Ayers Rock Airport" von Darwin und Adelaide hätten die Zahlen in die Höhe getrieben.

kry

insgesamt 48 Beiträge
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Seite 1
noalk 11.07.2019
1. Ich denke, es ist eher andersrum
"Auch neue Direktflüge zum "Ayers Rock Airport" von Darwin und Adelaide hätten die Zahlen in die Höhe getrieben." - - Wegen des gestiegenen Interesses wurden mehr Flüge angeboten.
Theya 11.07.2019
2. Beindruckendes Schauspiel
Und damit meine ich nicht die Touristenmassen, sondern den Felsen selbst. Wir hatten das Glück, vor einigen Jahren mit der Familie dorthin reisen zu können. Selbst damals standen schon genügend Schilder dort, die auf die Bedeutung von Uluru für die Aboriginies hinwiesen und darum baten, aus Respekt nicht hinaufzusteigen. Wir haben dies gern beherzigt, auch eine Umwanderung ist sehr beeindruckend. Das hielt jedoch die Busladungen voll (meist asiatischer) Touristen nicht davon ab, selbst die fußkranke Oma in Flip-Flops noch irgendwie auf den Gipfel zu bugsieren. Man konnte nur noch den Kopf schütteln. Das ab Herbst geplante Kletterverbot ist daher absolut zu begrüßen.
dergog 11.07.2019
3. Ayers Rock
Schade, dass man nicht mehr hoch darf. War dreimal oben und habe den Ausblick genossen. Aber unsere Gesellschaft nimmt immer mehr Rücksicht auf irgendwelche Andersdenkende. Mir sind viele Sachen heilig, aber ich käme nicht auf die Idee, dafür andere zu behelligen und ihrer Freude zu rauben. Einfach nur traurig. Den Religionen wird in unserer zivilisierten Welt viel zu große Bedeutung beigemessen. Je ärmer eine Gesellschaft, desto größer der Glaube. Mehr ist eben nicht geblieben. Jeder moderne Mensch weiß, dass alles erklärbar ist und daher kein Platz für Übersinnliches da ist. Physik, Mathematik und Chemie sind die Erklärungen für alles. Einfach traurig, das so etwas im 21. Jahrhundert tatsächlich passiert. Gebt den Felsen frei. Er gehört uns allen.
hansvonderwelt 11.07.2019
4. Extremer Touristenandrang.
Bestieg 1970 um Mitternacht den Ayers Rock und übernachtete auf dem Gipfel.Es war schweinkalt trotz Schlafsack.Damals waren nur vielleicht 20 Touristen vor Ort.Eine schöne Zeit ohne Massentourismus.
geotie1 11.07.2019
5.
Zitat von dergogSchade, dass man nicht mehr hoch darf. War dreimal oben und habe den Ausblick genossen. Aber unsere Gesellschaft nimmt immer mehr Rücksicht auf irgendwelche Andersdenkende. Mir sind viele Sachen heilig, aber ich käme nicht auf die Idee, dafür andere zu behelligen und ihrer Freude zu rauben. Einfach nur traurig. Den Religionen wird in unserer zivilisierten Welt viel zu große Bedeutung beigemessen. Je ärmer eine Gesellschaft, desto größer der Glaube. Mehr ist eben nicht geblieben. Jeder moderne Mensch weiß, dass alles erklärbar ist und daher kein Platz für Übersinnliches da ist. Physik, Mathematik und Chemie sind die Erklärungen für alles. Einfach traurig, das so etwas im 21. Jahrhundert tatsächlich passiert. Gebt den Felsen frei. Er gehört uns allen.
Zitat: "Aber unsere Gesellschaft nimmt immer mehr Rücksicht auf irgendwelche Andersdenkende." Wenn die Menschen viel mehr Rücksicht nehmen würden, wäre es kein Problem wenn manchmal eine kleine Gruppe den Berg besteigt, aber gleich dreimal und dann sich beschweren? Und wenn dann noch die eigene Kirche, das eigene Denken angezweifelt wird, was ist dann?
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