Autofahrt nach Italien Tirol sperrt Landstraßen für Urlauber

Viele Reisende auf dem Weg nach Italien nutzen österreichische Landstraßen, um Maut und Staus auf den Autobahnen zu vermeiden. Jetzt sperrt Tirol am Wochenende die Ausweichstrecken - Bayern hält dies für Schikane.
Europabrücke auf der A13: Dörfer leiden unter dem Durchgangsverkehr

Europabrücke auf der A13: Dörfer leiden unter dem Durchgangsverkehr

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Autofahrer mit Ziel Italien müssen umplanen - auf sie kommen während der Ferienzeit im österreichischen Bundesland Tirol erhebliche Einschränkungen zu. Seit Donnerstag gilt ein Fahrverbot auf Landstraßen, die von Urlaubern zur Umfahrung der Staus oder zur Vermeidung der Maut auf den österreichischen Autobahnen genutzt werden.

Daher sollen auch die Autobahnabfahrten im Großraum Innsbruck für den Durchgangsverkehr gesperrt werden, wie der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA sagte. Vor allem die vom Transitverkehr betroffenen Dörfer auf der Strecke zwischen Deutschland und Italien sollen so entlastet werden.

"Drastische Situationen verlangen drastische Maßnahmen", sagte Platter laut der "Tiroler Tageszeitung". Wenn auf Tirols Straßen an besonders reiseintensiven Wochenenden "nichts mehr geht", sei Handeln gefragt. Navigationsgeräte hätten Urlauber auf die Landesstraßen gelotst, um Staus auf der Autobahn zu umfahren - in Folge sei es mehrfach zu Staus auf sämtlichen Ausweichrouten abseits der Inntal- und Brennerautobahn gekommen.

Polizei will Mautflüchtlinge aufhalten

Die Maßnahme soll an allen Wochenenden von Samstag um 7 Uhr bis Sonntag um 19 Uhr und auch an verlängerten Wochenenden gelten - und zwar bis Mitte September. Nicht betroffen sind Autofahrer, die direkt nach Innsbruck oder in die umliegenden Dörfer wollen, sagte Platter. Die Fahrverbote gelten für den gesamten Verkehr, ob Auto, Lkw oder Motorrad.

Betroffen sind

  • die Ausfahrten zwischen Hall und Zirl auf der Inntalautobahn (A12)
  • sowie bei Patsch und bei Gries am Brenner auf der Brennerautobahn (A13).
  • Die Brennerbundesstraße selbst ist von den Verboten nicht betroffen.

Elektronische Anzeigetafeln sollen auf die Fahrverbote aufmerksam machen. Auch sind inzwischen Vorkehrungen getroffen worden, dass die Navigationsgeräte die Umfahrungen nicht mehr anzeigen. Dazu seien den Navi-Betreibern die aktuellen Verkehrsdaten in Zusammenhang mit dem Verbot zur Verfügung gestellt worden, zitierte APA den Leiter der Tiroler Verkehrspolizei, Markus Widmann. Da aber nicht sicher sei, dass die Navi-Anbieter die neuen Daten auch einspeisen, sollten bereits am Donnerstag an den gesperrten Ausweichrouten auch Polizeistreifen kontrollieren.

Wer versuche, die Maut zu sparen oder Staus zu umgehen, werde kurz nach der Ausfahrt von der Polizei angehalten, sagte Widmann laut dem Bayerischen Rundfunk. Wenn die Beamten feststellten, dass man zum Brenner oder Richtung Deutschland will, würden sie die Fahrer wieder zurück auf die Autobahn lotsen. Wie die Beamten allerdings Mautflüchtlinge erkennen wollen, läge in ihrem Ermessen.

Bayern will Gegenmaßnahmen ergreifen

Bayerns Staatsregierung reagierte mit Empörung und Unverständnis auf die Ankündigung. "Das Tiroler Verhalten ist unsäglich und reine Schikane", sagte Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU). Außerdem sei das Verhalten des Nachbarlandes rechtswidrig. "Ich erwarte, dass die EU-Kommission dieses Verhalten sehr schnell unterbindet und für freien Reiseverkehr in Europa sorgt."

Reichhart stellte auch Gegenmaßnahmen in Aussicht: "Sollte die EU-Kommission dieses Verhalten durchgehen lassen, dann muss es auch für die stark belasteten bayerischen Autobahnen und Landstraßen in der Grenzregion gelten." Mit Tirol seien Gespräche vereinbart. Von deren Ausgang wolle man Bayerns Reaktion abhängig machen.

abl/dpa