Autoversicherung Wenn's im Urlaub kracht

Die schönste Zeit des Jahres hätte es werden sollen, doch dann kam der Crash im Reiseland dazwischen. Nach der Rückkehr: Nichts als Ärger mit den Versicherungen. Die Vorbereitung auf den Ernstfall schon zu Hause hätte dies vermeiden können.


Nicht ohne den Anwalt: Im Ausland gelten andere Regeln
GMS

Nicht ohne den Anwalt: Im Ausland gelten andere Regeln

Hamburg - Mitten auf der Piazza Venezia in Rom passiert es. Ein italienischer Lieferwagen ist einem deutschen Auto in die Seite gefahren. Das Touristenpaar steigt aus, betrachtet fassungslos den Schaden. Unfälle wie dieser, an denen Fahrzeuge aus verschiedenen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) beteiligt sind, ereignen sich nach Angaben der EU-Kommission mehr als 500.000-mal im Jahr. Dabei kommt es zu Problemen, an die Urlauber vor der Reise kaum denken. Doch gerade die Vorbereitung auf einen möglichen Unfall kann bei der Schadensregulierung Ärger, Kosten und Zeitverlust vermeiden.

Ins Reisegepäck gehört die so genannte Grüne Karte, die in vielen europäischen Ländern zwar nicht mehr vorgeschrieben ist, im Notfall aber gute Dienste leistet. Sie gilt als Versicherungsnachweis und weist Telefonnummern von Büros aus, die über bürokratische Hürden helfen. Auch ein Kfz-Auslandsschutzbrief kann hilfreich sein.

Nach einem Unfall sollten Name des Unfallgegners, Name und Anschrift seines Versicherers sowie Nummer des Versicherungsscheins notiert werden, rät Maximilian Maurer, Pressesprecher des ADAC in München. "Ganz wichtig ist, dass man so viele Dinge wie möglich sammelt." Betroffene sollten daher auch Zeugennamen schriftlich festhalten und Fotos von den Schäden und der Umgebung machen.

Auch Skizzen und Hinweise zum Wetter können Maurer zufolge bei der Rekonstruktion des Geschehens helfen. Rechtsanwälte hätten später einen schweren Stand, wenn ein Unfall lückenhaft dokumentiert und Zeugen nicht mehr auffindbar seien. In einigen Ländern lasse sich ein Fahrzeughalter im Nachhinein anhand des Kennzeichens nicht ermitteln. In Frankreich etwa gebe es hierfür keine zentrale Auskunftsstelle.

Die Versicherungsbranche empfiehlt, nach einem Crash in jedem Fall die Polizei zu rufen sowie einen europäischen Unfallbericht auszufüllen und von der Gegenseite unterschreiben zu lassen. Man selbst sollte dagegen nichts unterschreiben, was man nicht verstehen kann, warnt Jochen Hövekenmeier vom Automobilclub AvD in Frankfurt. Möglicherweise unterzeichne man sonst ein Schuldanerkenntnis, das sich später nicht mehr widerrufen lasse.

Der internationale Unfallbericht wird zwar in verschiedenen Sprachen ausgefertigt, enthält jedoch Felder zum Ankreuzen und ist so über Sprachgrenzen hinweg verständlich. Die Formulare gibt es bei Versicherungen und Automobilclubs. Unfallgeschädigte sollten sich zudem eine Kopie des Polizeiprotokolls aushändigen lassen und umgehend ihre eigene Versicherung informieren.

Für Reisende oft unüberschaubar sind die rechtlichen Besonderheiten im Ausland. Es gelten aber die Gesetze des Landes, in dem sich der Unfall ereignet hat. Es ist daher empfehlenswert, schon im Ausland einen Anwalt einschalten. Dies lässt sich über eine Versicherung im Heimatland oder den eigenen Automobilclub regeln. Die Clubs arbeiten mit ausländischen Partnerunternehmen und deutschsprachigen Rechtsanwälten zusammen, geben außerdem Tipps zur Reparatur und helfen beim Rücktransport des beschädigten Fahrzeugs.

Hohe finanzielle Schäden können deutschen Autofahrern im Ausland auch ohne eigenes Verschulden entstehen, denn "es gibt Länder, in denen die Mindest-Deckungssummen sehr gering sind", warnt Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) in Berlin. Schlimmstenfalls habe der Unfallgegner gar keine Versicherung und sei privat zahlungsunfähig.

Der AvD rät daher, sich in Ländern mit niedrigen Deckungssummen nicht ohne die so genannte Mallorca-Police hinters Steuer zu setzen. Dabei übernehmen die eigene Haftpflichtversicherung oder ein Schutzbrief Schäden, die mit einem Mietwagen im Ausland verursacht werden. In Spanien etwa können Betroffene AvD-Sprecher Hövekemeier zufolge sonst auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben.

GdV-Experte Brandenstein empfiehlt, sich darüber hinaus bereits vor der Reise durch weitere Zusatzversicherungen zur Haftpflicht und Kasko abzusichern. Versicherungsunternehmen regulieren den Schaden nach deutschem Recht und übernehmen auch Nutzungsausfall und Ersatzwagen, wenn diese im Ausland nicht erstattet werden. Der Versicherungsnehmer muss sich zudem nicht selbst um den Rechtsstreit im Ausland kümmern.

Etwas einfacher wird es für Autofahrer wohl im kommenden Jahr werden, denn dann wird die Vierte Kraftfahrzeughaftpflicht-Richtlinie umgesetzt, die für etwa 40 Staaten Erleichterungen schaffen soll. Dann müssen ausländische Versicherer auf Schadenersatzansprüche zügiger reagieren. Außerdem soll es Ansprechpartner in Deutschland geben, die die Regulierung nach ausländischem Recht übernehmen.

Von Stephanie Steffen, gms



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