Bahn-Chaos Tamilen legen Frankfurter Hauptbahnhof lahm

Hunderte Tamilen haben am Sonntag am Frankfurter Hauptbahnhof stundenlang Gleise blockiert. Im Fern- und Regionalverkehr kam es zu massiven Behinderungen, die sich bis in die Nacht fortsetzen.


Frankfurt am Main - Zwei lange Stunden ging nichts mehr am Frankfurter Hauptbahnhof. Hunderte Demonstranten legten den Sackbahnhof lahm, der ein zentraler Knoten im europäischen Bahnsystem ist. Laut einem Bahn-Sprecher waren die Demonstranten auf das Gleisvorfeld gelaufen und hatten sich dort auf die mehr als 20 Gleise verteilt.

Hunderte Tamilen auf den Gleisen im Hauptbahnhof Frankfurt
DPA

Hunderte Tamilen auf den Gleisen im Hauptbahnhof Frankfurt

Die für den Bahnverkehr zuständige Bundespolizei forderte Hilfe des Landes Hessen an, nach etwa zwei Stunden beendeten die Demonstranten die Blockade. Die Bahn rechnet aber mit Behinderungen bis in die Nacht.

Die Bahn musste Fernzüge in Notfallprogrammen umleiten, auch der gesamte S-Bahn-Verkehr im Rhein-Main-Gebiet war gestört. Reisende mit dem Fahrtziel Frankfurt mussten an kleineren Bahnhöfen im Stadtgebiet aussteigen. Die Bahn ließ die S-Bahnen jeweils hin- und herpendeln.

Auf den Transparenten der Demonstranten war zu lesen: "Krieg ohne Zeugen auf Sri Lanka - Stoppt das Massaker an den Tamilen." In Sprechchören riefen die Asiaten: "Deutschland, Deutschland, hilf uns, hilf uns" oder auch "Wir wollen Frieden. Wir wollen einen eigenen Staat". Unter den Protest-Teilnehmern waren viele Familien mit kleinen Kindern.

Anschließend zogen die Tamilen, deren Zahl die Polizei am Abend mit bis zu 600 angab, dann vom Bahnhof weiter durch das Bahnhofsviertel in Richtung Frankfurter Innenstadt. Dort fand an der Hauptwache eine Abschlusskundgebung statt, die den Einsatzkräften zufolge gegen 19 Uhr beendet war. Ausschreitungen gab es laut Polizei nicht, in lediglich einem Fall wurden die Personalien festgestellt.

Auch in anderen Städten kam es zu ähnlichen Protestaktionen, so musste die Polizei die Autobahn 52 zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet von Demonstranten räumen.

Bereits am Samstagnachmittag war der Bahnverkehr im Düsseldorfer Hauptbahnhof von Demonstranten fast eine Stunde lang massiv behindert worden. Wie die Polizei am Abend mitteilte, blockierten sie zunächst einen ICE, indem sie vor dem Zug auf die Gleise liefen. Anschließend setzten sie sich auf mehreren Gleisen nieder. Die Bundespolizei sperrte alle Gleise des Bahnhofs. Nach mehreren Gesprächen setzten die Demonstranten ihren Protest gegen die Kämpfe in ihrer Heimat Sri Lanka außerhalb des Bahnhofs fort.

In Sri Lanka haben die Befreiungstiger von Tamil Eelam an diesem Sonntag angesichts der Übermacht der Regierungstruppen ihre Waffen gestreckt. Die Rebellen kämpften seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Tamilen-Staat. Nach einer monatelangen Großoffensive des Militärs gaben sie nun auf.

jul/ore/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.