Fahrplanwechsel Bahn erhöht Ticketpreise im Fernverkehr

Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember wird die Bahn die Ticketpreise für Fahrten mit ICE und IC anheben - um durchschnittlich 1,3 Prozent. Teurer wird auch die BahnCard 100.

ICE am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main
DPA

ICE am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main


Für Kunden der Deutschen Bahn (DB) gibt es erstmals seit drei Jahren wieder Fahrpreis-Erhöhungen im Fernverkehr. Die Tarife steigen zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember durchschnittlich um 1,3 Prozent. Das teilte das Unternehmen am Freitag in Berlin mit. Die Anhebung betrifft Reisen in der 1. und 2. Klasse

Die Flexpreise ohne Zugbindung - früher Normalpreise - sollen um 1,9 Prozent zulegen. Streckenzeitkarten werden um 3,9 Prozent teurer.

Die BahnCard 100 wird künftig 4190 Euro in der 2. Klasse und 7090 Euro in der 1. Klasse kosten. Das entspricht einer Preiserhöhung von 2,4 Prozent in der 2. Klasse und von 2,9 Prozent in der 1. Klasse. Die Preise für die BahnCard 25 und die Bahncard 50 bleiben für Privatkunden dagegen unverändert.

Erst im August hatte die Bahn ihre Ticketpreise überprüft und zum Teil heruntergesetzt. Vor allem BahnCard- und Sparpreisnutzer profitierten. Ab dem Fahrplanwechsel werden Kunden die günstigen Sparpreise früher buchen können als bisher. Die Bahn weitet die Vorkaufsfrist im Internet und im DB Navigator von 90 auf 180 Tage aus. Bislang war die sechsmonatige Vorausbuchung nur in den Reisezentren, in DB-Agenturen und telefonisch möglich.

Nicht nur der Fernverkehr, auch der Regionalverkehr soll teurer werden. Wie die "Stuttgarter Zeitung" in der vergangenen Woche berichtete, würden sich die Preise in den roten Nahverkehrszügen im Schnitt um 1,9 Prozent erhöhen. Auch Sparangebote wie einige Ländertickets sollten teurer werden. Höhere Preise sollen sich auch durch eine künftige Abrechnung nach Kilometern statt in Stufen ergeben. Die Zeitung bezog sich auf interne Informationen der Deutschen Bahn für den Vertrieb.

Die Bahn spricht von einer "moderaten" Anpassung. "Die Zeit der großen Preiserhöhungen ist vorbei", sagte Vorstandschef Rüdiger Grube dem "Handelsblatt". Die Kunden seien heute "deutlich preissensibler" als früher.

Bahn will Preise der Nachfrage anpassen

Dennoch erwägt die Bahn derzeit, ihr Preissystem künftig stärker an der Nachfrage nach der jeweiligen Verbindung anpassen. "Das könnte die Tickets dann etwas teurer machen, wenn alle fahren wollen, und billiger, wenn viele Plätze frei bleiben", sagte Grube. "Wir arbeiten daran, eine gleichmäßigere Auslastung der Züge zu erreichen."

Konkrete Pläne für den Start eines derart flexiblen Preissystems, das bei Flügen schon lange Standard ist, gibt es zwar noch nicht. Aber auf bestimmten Strecken testet sie Bahn bereits seit August sogenannte Flexpreise, die sich tageweise in der Höhe leicht unterscheiden. Die Strecke Frankfurt am Main-München kostet beispielsweise regulär 103 Euro, an beliebten Tagen 106 Euro und an weniger begehrten 100 Euro.

Man wolle herausfinden, ob durch unterschiedliche Preise mehr Fahrgäste gewonnen "und eine bessere Lenkung der Nachfrage" erreicht werden könne. Diesen Versuch weitet die Bahn nun auf andere Strecken in Deutschland und bis Ende 2017 aus.

Die Bahn hatte 2002 bereits versucht, ihr Preissystem nach dem Vorbild der Airlines konsequent auf die Auslastung der Züge auszurichten. Die Passagierzahlen gingen zurück, das System wurde nach wenigen Monaten wieder aufgegeben und die zuständigen Vorstände mussten das Unternehmen verlassen.

WLAN und Schnäppchenaktionen

Der Konzern bemüht sich derzeit mit dem im Dezember gestarteten Konzept "Zukunft Bahn" angesichts der Konkurrenz durch Fernbusse und Billig-Airlines, wieder mehr Kunden zu gewinnen und zu halten. Dabei soll unter anderem mehr Service, kostenloses WLAN auch in der zweiten Klasse und eine höhere Pünktlichkeit helfen.

"In den kommenden Jahren investieren wir massiv in eine bessere Qualität für unsere Kunden - in neue Fahrzeuge und attraktive Serviceangebote", sagt Birgit Bohle, Fernverkehrschefin der Bahn. Allein für den ICE 4 betrage das Investitionsvolumen 5,3 Milliarden Euro. (Lesen Sie hier mehr über die neue Generation des Hochgeschwindigkeitszugs.)

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Deutsche Bahn: So sieht es aus im ICE 4

Vor Kurzem feierte die Bahn einen Anstieg der Reisenden. Im ersten Halbjahr 2016 waren mit 66,7 Millionen Passagieren 10,6 Prozent mehr mit dem Unternehmen unterwegs als im Vorjahreszeitrau. Der Grund: die Sonderangebote im Fernverkehr für 19 oder 29 Euro, von denen seit Jahresbeginn 3,25 Millionen verkauft worden waren. Auch hatte sich der Konzern in den vergangenen Jahren mit Preiserhöhungen im Fernverkehr zurückgehalten. "Wir holen Kunden aus dem Fernbus zurück", sagte Bahnchef Rüdiger Grube dem Sender HR-Info.

Die Bahn hat angekündigt, sich wegen Verlusten weitgehend aus dem Fernbusgeschäft zurückzuziehen. Bis Ende 2016 soll die Marke BerlinLinienBus vom Markt verschwinden und nur einen kleinen Teil der Strecken an die Konzernschwester IC Bus abgeben.

jus/dpa/Reuters



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zuperzoom 30.09.2016
1. Ernsthaft?
Ist das noch eine Meldung wert? Gefühlt passiert das doch jedes Jahr, gleichzeitig werden die Züge enger gebaut (ICE), die Kinderabteile abfgeschafft und in der Handyzone "Familienbereiche" geschaffen (ICE) und Pendler stehen sich, trotzt bekannter Kapazitäten, auf einigen Strecken die Füsse in den Bauch (Sie ahnen es, ICE). Verspätungen von 10 min. gelten zudem ja mittlerweile als Pünktlich... Ach Bahn
Inspektor Columbo 30.09.2016
2. Auf der Strecke ...
... Tübingen-Stuttgart beweist die Bahn regelmäßig und häufig, wie wenig sie ihren Job beherrscht. "Fällt heute aus". Ich hab nicht mitgezählt, wie oft ich diesen Satz in diesem Jahr schon gehört habe. Gestern wurden nur zwei Wagen bereitgestellt, wo sonst 6 fahren, die stets gut voll sind. "Dispositionsfehler". Aber jedes! Jahr die Preise erhöhen, das funktioniert genauso, wie das leere Schönwettergerede von Kundenbindung und -service.
dr_nutschie 30.09.2016
3. Die Bahn ist schon lange keine Option mehr...
Nürnberg - Berlin mit der Bahn die schnellste Verbindung 5 Std. falls pünktlich..:-)..und damit sollte man nicht rechnen....Preislich ebenfalls nicht mehr konkurrenzfähig.......Good Night DB.....für mich der schlimmste Saftladen aller Zeiten.....
quark2@mailinator.com 30.09.2016
4.
Yup, die Privatisierung der Bahn hat sich für den kleinen Mann echt gelohnt ... die Preise haben sich vervielfacht, die Modellpflege der Züge ist unglaublich ins Stocken geraten und unzählige vernünftig bezahlte einfache Jobs sind perdu. Ach ja, weil das jetzt alles so schön unter verschiedene Unternehmen aufgeteilt ist, kann man nicht mehr überall und immer ne Fahrkarte kriegen, z.B. ne Fahrkarte im Zug oder über die Bahn-Website, wenn man 90km weit fährt, etc. Sorry, aber ich will die Staatsbahn zurück.
Plasmabruzzler 30.09.2016
5. Inflation & Lohnentwicklung
Es erscheint schon seltsam, dass die Preise für Mobilität (insbesondere ÖPNV und Fernverkehr der DB) pro Jahr prozentual höher ausfallen als die jeweilige Inflationsrate und auch höher als die allgemeine Lohnentwicklung. Neulich las ich auch, dass der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) seine Preise für 2016 um 2,8 Prozent erhöht. Nun zum eigentlichen Mysterium: die Mobilität nimmt immer weiter zu, die Züge wie Busse sind ausgelasteter. Das bedeutet: mehr zahlende Kunden. Eigentlich sollten die Preise dann eher fallen statt steigen, weil pro Fahrzeug im Schnitt mehr Umsatz erzielt wird. Im Umkehrschluss müsste man bei der derzeitigen Preisentwicklung die Frage stellen, ob bei noch weniger Kundschaft die Preise fallen werden? Ich glaube nicht!
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