WLAN, Sitze, Toiletten Bahn investiert 48 Millionen Euro in Intercity-Züge

Die Bahn möbelt ihre Intercity-Züge mit neuen Sitzen auf - und rüstet sie endlich auch mit kostenlosem WLAN aus.

Intercity-Zug:
DPA

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Kostenloses WLAN, frische Sitzbezüge, neue Toiletten: Die Deutsche Bahn investiert 48 Millionen Euro in die Ausstattung ihrer Intercity-Züge. Das teilte der Konzern in Berlin mit. 30 Millionen Euro fließen demnach allein in die Ausstattung der Waggons mit kabellosem Internetzugang.

Weitere 18 Millionen Euro gibt der Konzern für neue Sitzpolster und -bezüge sowie neue Toiletten in den älteren Intercity-1-Zügen aus. Alle Maßnahmen sollen bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Rundum modernisiert wurden die ICs laut Bahn schon einmal in den Jahren 2011 bis 2014, und zwar Innenraum, Sitze und Technik. Die aktuelle Erneuerung, die zum Teil schon im vergangenen Jahr begonnen habe, sei eine Nummer kleiner.

Vor allem das WLAN ist ein Dauerthema für viele Bahnkunden. Bisher gab es nur in den ICEs kostenlosen Internetzugang für alle Fahrgäste. Künftig sollen alle IC-Züge die gleiche Internet-Technik bekommen, die jetzt schon in den ICEs verbaut ist. "Das versteht eigentlich kein Kunde mehr, dass er in einem weißen Zug WLAN hat und in einem anderen nicht", sagt Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. Dass nun auch IC-Fahrgäste kostenlos ins Internet kommen sollen, sei längst überfällig.

Zu wenig Mobilfunkmasten an den Strecken

Bereits seit Mitte März sind einige IC-Züge testweise mit kostenlosem WLAN unterwegs. Ab Mitte 2019 rüste der Konzern rund drei Jahre lang etwa tausend Intercity-Wagen nach. Dafür nutze die Bahn eine Technik der schwedischen Firma Icomera. Dieses sogenannte Multiprovider-System greift auf die Netze der drei großen Betreiber zu: Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2).

In den ICEs allerdings, in denen die Technik schon länger verbaut ist, sei die Verbindung häufig schlecht, kritisiert Naumann. "Das ist schon eine wichtige Sache. Aber das Problem ist das Netz draußen." Dafür könne die Bahn nichts. Entlang der Bahntrassen stünden zu wenige Mobilfunkmasten. Eine flächendeckende Abdeckung sei so nicht gesichert.

Die Bahn bestätigt, dass die "Ausleuchtung an den Bahnstrecken" sehr unterschiedlich sei. "Aber klar ist, dass erst mal für die Mobilfunkversorgung an der Strecke die Telekommunikationsunternehmen die sind, die zuständig sind", sagte eine Bahn-Sprecherin. Man sei darüber mit den Netzbetreibern in Gesprächen.

Hörbücher per Entertainmentportal

Im überregionalen Verkehr übernehmen die ICs neben kostenlosem WLAN ein weiteres Gimmick von den ICEs: Auch das sogenannte Informations- und Entertainmentportal der Bahn - eine im Bahnnetz erreichbare Website mit unter anderem Hörbüchern, Zeitungen und Spielen - sei ab Anfang 2020 in IC-Wagen mit WLAN erreichbar. Zudem tut sich etwas beim Design: Die Symbole für Sonderbereiche wie die 1. Klasse, den Fahrrad-, Ruhe- oder Rollstuhlbereich werden größer, die Kleinkindabteile und Familienbereiche bekommen neue Wandmotive.

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Und im Regionalverkehr? Im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) - wie der Regioverkehr im Fachjargon heißt - seien bereits bis Ende 2018 mehr als tausend Nahverkehrszüge mit WLAN ausgestattet gewesen, sagte eine Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft SPNV der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt gebe es 7000 Züge im SPNV. Bis Ende 2019, so der Plan heute, solle die Zahl noch einmal um mehr als 350 steigen.

Johanna Uchtmann, dpa/abl



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Seite 1
kaiser_luftkühlung 26.03.2019
1.
Endlich im Jahr 2010 angekommen
dasoe 26.03.2019
2. Virtuell Hurraa
Verspätungen, längere Fahrten, das alles kann (für mich) nicht den Vorteil der Bequemlichkeit (ich bin recht lang gewachsen) und des unvergleichlich angenehmen Reisens zerstören. Während der Fahrt gemütlich essen, wenn der Zug sich leert in ein Abteil umziehen und das Licht dimmen... Ich persönlich ziehe seit ich denken kann die Bahn jedem anderen Verkehrsmittel vor. Weil ich sie meist angenehm und immer wieder magisch und wunderschön finde. Die neuen ICEs haben nun aber die mit Abstand schlechtesten Sitze aller Fernzüge seit ich denken kann - und zudem plötzlich deutlich weniger Platz - obwohl die jungen Leute nach wie vor immer größer werden. Dafür gibt es dann viele Bildschirme, die vielleicht praktisch sind, aber sicher nicht die Atmosphäre (angenehmes Reisen) verbessern. Werbung. Im Zug. Seufz. Und WLAN, ja das unglaublich wichtige WLAN... Vielleicht bin ich hoffnungslos altmodisch, wenn ich mir wünsche, dass Virtuelles weniger wichtig genommen wird als Reales. Ich aber würde jederzeit einen guten Sitz dem WLAN vorziehen (und das obwohl ich selbst gern im Zug arbeite und dafür zwingend Netz brauche) und ich habe durchaus Angst vor der Entwicklung. Ich hoffe also, dass die Verbesserungen an den Sitzpolstern von denen die Rede ist, nicht plötzlich und heimlich auch 10cm weniger Beinfreiheit bedeuten. Ansonsten verliert die Bahn mehr und mehr Ihr Alleinstellungsmerkmal. Und liefert stattdessen WLAN und Bildschirme. Als hätten wir davon nicht schon genug.
Athlonpower 26.03.2019
3. Modernisierung bei der Bahn läßt Verschlechterung befürchten
Na wenn diese Modernisierung das gleiche - wieder schlechte - Ergebnis hervorbringt wie die letzte, dann Gute Nacht, was die Bahn in der 1. Modernisierung an Verschlechterung in allen Möglichkeiten hervorbrachte, hätte ich mir vorher nicht mal in meinen schlechtesten Träumen vorstellen können, alleine die absolute Unfähigkeit die Zwischentüren so einzustellen, daß nicht bei jeder Kurve bzw. Weichenüberfahrt die Tür sofort auf geht und dann meist erst gar nicht mehr richtig zu geht, so daß im Verbund mit den meist festgesperrten offenen Wagenübergängen einstetiger Luftzug im Verbund mit hohem Lärmpegel den Fahrgast erfreut, oder meist nicht, seltsamerweise funktionierten die Türen vor der Modernisierung ganz hervorragend, übrigens das gleiche katastrophale ERgebnis bei den Klimaanlagen, im Sommer fahren mehr Wagen mit defekter als mit funktinoierender Klimaanlage und daß durchgehend seit Jahren, von den desolaten Sitzen der ICE4-Zügen muß ich als 192 cm großer Mensch ja gar nicht erst anfangen, übrigens beim ÖBB-Paradepferd Railjet das gleiche Elend mit den Sitzen, die ÖBB-Abteilwagen aus den 70er Jahren sind da komfortmäßig um Lichtjahre besser, besonders für Menschen ab 180 cm Körpergröße und das sollen ja nicht wenige sein.
enfield 26.03.2019
4. Hmm
Also ich staune ja über diese IC's. Manchmal gönne ich mir eine kurze Regionalstrecke per IC zu nehmen (ja, ich darf das). Das ist für mich immer exakt wie ein Trip in die Kindheit. Wie in einer Zeitmaschine. Ich will nicht motzen, aber frage mich auch manchmal nach dem Sinn warum so ein Ding direkt aus den 80ern irre lange Strecken durch unser schönes Land in herrlicher Langsamkeit zurücklegt. Ich müsste mal jemanden fragen, der da beispielsweise von Frankfurt bis Hamburg 8 Stunden oder so verbringt...das kann doch nicht (nur) der Preis sein...
112211 26.03.2019
5. Weniger Wlan
In unserer heutigen Zeit mit immer mehr Wlan ist es doch ein kleiner Segen, wenn es auch mal eine Pause gibt. Eine Verbesserung durch Integration von Wlan in ICs kann ich nicht erkennen. Anders sieht es natürlich bei Sitzen und Toiletten aus. Wenn die besser gestaltet sind, ist das ein echtes Plus.
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