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Norddeutschland: Aufräumen nach dem Orkan

Foto: Daniel Friederichs/ dpa

Verspätung wegen Sturm Zehntausende Bahn-Fahrer bekommen Geld zurück

Passagiere mussten im ICE übernachten, einige Strecken bleiben bis Mittwoch gesperrt. Die Folgen des Orkans "Christian" sorgen noch immer für Behinderungen im Schienenverkehr. Selbst wenn die Bahn nicht schuld ist am Unwetter - für Verspätungen muss sie Entschädigung zahlen.

Hamburg/Berlin - Der Höhepunkt des Orkans "Christian" liegt rund 24 Stunden zurück, doch noch immer sind die Folgen des Unwetters zu spüren. Bis Mittwoch sollen viele Bahnstrecken gesperrt bleiben, weil Mitarbeiter sie von umgestürzten Bäumen befreien müssen.

Am Montag waren wegen des Orkans "Christian" Zehntausende Reisende und Pendler in Norddeutschland verspätet oder gar nicht ans Ziel gekommen. In Hamburg und Berlin mussten gestrandete Fahrgäste in je zwei ICE-Zügen übernachten. In Bremen stellte die Bahn einen Intercity eigens zum Schlafen zur Verfügung, das DRK stellte eine Notunterkunft. In der Nacht auf Dienstag setzte die Bahn noch einen zusätzlichen Zug von Hamburg nach Hannover ein. Erst am Dienstagmorgen nahmen die Züge auf einigen Strecken ihren Dienst wieder auf.

All jenen, die durch das Verkehrschaos Verspätungen in Kauf nehmen mussten, steht eine Teilerstattung des Ticketpreises zu. So sieht es das europäische Recht vor. 25 Prozent des Fahrpreises gibt es ab 60 Minuten Verspätung, 50 Prozent ab 120 Minuten.

Die Höhe des Sachschadens und die genaue Zahl der Betroffenen könne man noch nicht angeben, sagte ein Bahn-Sprecher. Das Unternehmen versicherte, alle von den Verspätungen betroffenen Fahrgäste erhielten die Entschädigung, die ihnen laut den Fahrgastrechten zustünde.

Zugreisende haben seit Juli 2009 Anspruch darauf, dass ein Viertel des Fahrpreises erstattet wird, wenn ein Zug am Zielort mindestens 60 Minuten Verspätung hat. Unter bestimmten Umständen werden auch Taxikosten bis maximal 80 Euro erstattet - etwa dann, wenn ein Fahrgast wegen einer Verspätung anders nicht mehr an seinen Zielort käme. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hatte Ende September entschieden, dass auch bei höherer Gewalt - wozu Unwetter zählen - Bahnunternehmen Entschädigungen zahlen müssen (Rechtssache C-509/11).

Ein ganzer Wald auf den Schienen

Aus Sicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn haben sich die Deutsche Bahn und ihre Konkurrenzunternehmen bei Zugausfällen nach Unwettern "bisher weitgehend korrekt verhalten". Die Bahn habe sich in solchen Fällen auch selten auf höhere Gewalt berufen, sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff. Zum aktuellen Umgang mit Fahrgästen, die wegen des Herbststurms am Montag verspätet oder gar nicht ans Ziel kamen, habe der Verband noch keine Informationen.

Frühestens am Mittwoch sollten Reisende wieder mit der Bahn von Hamburg in Richtung Kiel, Flensburg, Dänemark und an die Nordseeküste fahren können, sagte ein Bahn-Sprecher. Bereits am Montagabend wurden die unterbrochenen Linien Hamburg-Berlin, Hannover-Hamburg, Hannover-Bremen und Hamburg-Lübeck wieder in Betrieb genommen.

Im Fernverkehr fuhren auch am Dienstag auf den Strecken Hamburg-Niebüll-Sylt, Hamburg-Flensburg sowie Hamburg-Kiel keine Züge. Nur einzelne Fernzüge wurden auf den Verbindungen Bremen-Hannover, Bremen-Oldenburg-Leer, Rheine-Leer-Emden eingesetzt. Fahrgäste mussten Regionalzüge benutzen.

Der Herbststurm hatte in Schleswig-Holstein besonders schwer gewütet. Bahn-Mitarbeiter waren am Dienstag damit beschäftigt, beschädigte Oberleitungen zu reparieren und umgestürzte Bäume von den Gleisen zu holen. "Bei Owschlag liegen 20 Bäume an einer Stelle", berichtet der Bahn-Sprecher. Ähnlich sei das Bild an der Nordseeküste, "zwischen Wilster in Dithmarschen und Husum soll ein ganzer Wald auf den Schienen liegen".

bon/dpa
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