Bahn-Pannen Auch ICE-2-Züge hatten Risse

Der Vorzeigezug der Bahn AG kommt nicht aus den Schlagzeilen. Als Konsequenz aus schadhaften Schweißnähten beim ICE-1 hat das Unternehmen nun auch alle Züge der zweiten Generation unter die Lupe genommen.


Frankfurt/Berlin - Wie Bahnvorstand Karl-Dietrich Reemtsema am Mittwoch mitteilte, seien bei den 44 untersuchten Hochgeschwindigkeitszügen keine Mängel entdeckt worden. Allerdings habe die Bahn, wie Reemtsema einräumte, bereits

Immer wieder der ICE: Aus Sicherheitsgründen hat die Bahn alle Züge der ersten und zweiten Generation auf defekte Schweißnähte untersucht
DPA

Immer wieder der ICE: Aus Sicherheitsgründen hat die Bahn alle Züge der ersten und zweiten Generation auf defekte Schweißnähte untersucht

vor zwei Jahren bei den ICE-2 Anrisse an Schweißnähten festgestellt - in unmittelbarer Nähe der jetzt betroffenen Stelle. Das für die Technik zuständige Vorstandsmitglied betonte, in keinem Fall habe eine Gefahr für die Sicherheit der Fahrgäste bestanden.

Die Bahn habe das Problem "völlig im Griff", versicherte Reemtsema. Vielleicht sei es sogar überzogen gewesen, die 13 ICE-1 vorsorglich aus dem Verkehr zu ziehen, doch sei das Unternehmen in Puncto Sicherheit "extrem sensibel".

Die Bahn habe auf Risiken reagiert, "die eigentlich nicht da sind". Reemtsema sagte: "Die Gefahr eines Bruchs bestand nicht." Selbst wenn eine Schweißnaht geplatzt wäre, hätte eine Fangeinrichtung am Drehgestell des Triebkopfes einen Unfall verhindert.

Unterstützung bekommt Reemtsema vom Berliner Bahnexperten Erich Preuß. "Es war weder eine Entgleisung noch ein beträchtlich längerer Bremsweg oder sonst ein schwerer Schaden zu befürchten."

Das Einzige, was bei einem Wegbrechen der betroffenen Zugdruckstangen passieren könnte, sei eine weniger optimale Beschleunigung und ein nicht nennenswert längerer Bremsweg. "Hier handelt es sich um kein Sicherheitsproblem".

Anders als Preuß, der von "Verschleißerscheinungen" spricht, geht Reemtsema nicht von einem Materialfehler aus. Vielmehr seien die Schweißnähte von Anfang an nicht richtig ausgeführt gewesen. Ein ähnliches Problem sei 1998 bei einigen ICE-2 aufgetaucht. Damals seien die betreffenden Schweißnähte an allen Hochgeschwindigkeitszügen der zweiten Generation saniert worden. Die Triebköpfe von ICE-1 und ICE-2 sind weitgehend baugleich.

Allein die Reparatur aller ICE-1-Züge kostet die Bahn, so Reemtsema, knapp sechs Millionen Mark. Die aufwendigen Arbeiten dauerten für jeden Triebkopf drei Tage. So müsse jeweils der rund acht Tonnen schwere Trafo ausgebaut werden.



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