Lokführer-Streik Was Bahn-Reisende jetzt wissen müssen

Wo erhält man aktuelle Informationen? Bekommen Reisende eine Entschädigung? Welche Alternativen gibt es zur Bahn? Die wichtigsten Fakten zum Mega-Streik der Lokführer.
Leere Gleise (Archivbild aus Berlin): Ab Mittwoch wird erneut gestreikt

Leere Gleise (Archivbild aus Berlin): Ab Mittwoch wird erneut gestreikt

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Zwei Dinge stehen schon fest. Erstens: Der Mega-Streik der Lokführer beginnt im Personenverkehr am Dienstag um 2 Uhr. Und zweitens: Er soll bis Sonntag um 9 Uhr dauern. Den Güterverkehr wollen die Lokführer sogar schon ab Montag bestreiken. Damit ist klar: Der Ausstand wird der bisher größte im aktuellen Tarifkonflikt, zumindest nach den Plänen der Gewerkschaft GDL.

Aber was heißt das für die Reisenden? Details stehen noch nicht fest, da die Lokführer den Streik erst am Sonntagabend angekündigt haben. Einen Ersatzfahrplan hat die Bahn noch nicht veröffentlicht. Dennoch gibt es Dinge, die Bahnfahrer schon jetzt wissen sollten. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Streik:

Wo gibt die Bahn Meldungen zu Ausfällen und Verspätungen bekannt?

Online werden auf der Webseite der Bahn  ständig Informationen zu Beeinträchtigungen aktualisiert. Ein Live-Auskunft finden Sie hier , auch ein Notfallfahrplan soll veröffentlicht werden. Weitere Informationen erhalten Reisende bei der Hotline der Deutschen Bahn unter 0180-699 66 33.

Ab welcher Verspätung bekommen Bahnpassagiere eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast wegen des Streiks mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Der Aufpreis für den ICE-Sprinter wird schon ab 30 Minuten Verspätung erstattet.

Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahn die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Die Deutsche Bahn kann sich bei einem Streik nicht auf höhere Gewalt berufen, wie der Europäische Gerichtshof im September 2013 entschied (Rechtssache C-509/11).

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwerts erstattet.

Die Bahn zahlt Entschädigungen aber erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten.

Können Bahnfahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Das Beschwerdeformular ist in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet erhältlich (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen einreichen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Service-Center Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen muss die Bahn auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahn muss Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Berlin gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Welche Alternativen stehen zur Verfügung?

Neben Inlandsflügen und dem eigenen Auto sind in vielen Fällen Fernbusse ein geeigneter Ersatz für Bahnreisen. Die Firmen haben seit längerem Erfahrung mit Streiks der Lokführergewerkschaft und stellen in der Regel zusätzliche Kapazitäten bereit.

Die Busbranche kann zwar ohne Genehmigung keine zusätzliche Linie einrichten. Stattdessen setzen die Firmen aber Doppeldecker oder mehrere Busse auf einmal ein.

Mietwagen lassen sich in der Regel unkompliziert online buchen. Bei einer Buchung über Internetportale ist üblicherweise eine Stornierung bis 24 Stunden vor Mietbeginn möglich, falls das Auto am Ende doch nicht gebraucht wird. "Wer die Bestätigung über die Buchung bekommt, dem steht der Mietwagen auch zu", sagt Falk Murko von der Stiftung Warentest. Allerdings müssen Reisende während des Streiks mit Überlastung und Wartezeiten bei den Anbietern rechnen.

Wem das zu teuer ist, dem empfehlen sich Mitfahrzentralen im Internet: Die Preise sind oft günstig, Reisende können außerdem neue Leute kennenlernen.

Was tun, wenn Sie warten müssen?

Ein paar Tipps, wie Sie sich beim Warten die Zeit vertreiben können, finden Sie hier im Survival-Kit für Bahnreisende!

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