Folgen des Lokführer-Ausstands Großstreik bei der Bahn - Mietwagen werden knapp

Ausnahmezustand bei der Bahn: Der unbefristete Lokführer-Streik trifft Millionen Pendler und Pfingsturlauber. Das Geschäft mit Fernbussen brummt, Mietwagenfirmen können die Nachfrage kaum bedienen - und Autofahrern drohen Super-Staus.

DPA

Auf den Bahnsteigen im Nahverkehr drängten sich die Pendler, im Berufsverkehr haben sich Angestellte und Arbeiter zu Fahrgemeinschaften zusammengeschlossen. Seit 2 Uhr in der Früh sind die Lokführer der Deutschen Bahn zum neunten Mal in diesem Arbeitskampf in den Streik getreten. Diesmal unbefristet. Voraussichtlich ist daher auch das anstehende Pfingstwochenende, das zu den verkehrsstärksten im ganzen Jahr gehört, vom Ausstand betroffen.

Für die Kunden der Bahn bedeutet der Arbeitskampf starke Einschränkungen. So werden voraussichtlich etwa zwei Drittel der Fernzüge ausfallen und je nach Region 40 bis 85 Prozent der Nahverkehrszüge. Auch die S-Bahnen fahren nur eingeschränkt. Die Bahn hat Ersatzfahrpläne für den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr für Mittwoch und Donnerstag (bisher nur Fernverkehr) veröffentlicht.

Ersatzverkehr am Mittwoch: Geplante Züge
Deutsche Bahn

Ersatzverkehr am Mittwoch: Geplante Züge

Die Fernbusanbieter zählen zu den Gewinnern des Konflikts. "Seit Bekanntgabe des Streiks haben wir viermal so viele Buchungen wie sonst", sagt Magdalena Hauser, Sprecherin des Münchener Unternehmens Mein Fernbus FlixBus. Im Vergleich zum letzten Streik habe sich die Nachfrage sogar verdoppelt.

"Das hängt sicherlich mit Pfingsten zusammen", sagt Hauser. Zu den besonders beliebten Strecken gehört unter anderem die Route Berlin-Warnemünde. Die nun buchenden Kunden seien aber nicht nur Ausflügler, die ein schönes Wochenende an der See verbringen wollen. Auch Pendler würden vermehrt auf Fernbusse zurückgreifen. "Das sehen wir an nun viel gebuchten Kurzstrecken wie Augsburg-München."

Bis zu drei Zusatzbusse setzt Mein Fernbus FlixBus auf solch stark nachgefragten Verbindungen nun ein, teilweise werden die Kapazitäten mit Doppelstockbussen erhöht. Fernbustickets waren zwar beim letzten Streik teurer als sonst. "Aber wer nicht auf feste Zeiten festgelegt ist, findet mit Glück noch einen Sparpreis", sagt Hauser. Die gebe es prinzipiell auch bei den zusätzlichen Bussen.

Im Video: Die GDL streikt schon wieder

Mehr Buchungen verzeichnet auch das Internetportal billiger-mietwagen.de - diese Woche sind es 160 Prozent mehr als im Vorjahr. "Wir haben Anfragen ohne Ende und werden davon völlig überrannt", sagt Unternehmenssprecher Frieder Bechtel. "Leider ist es kaum möglich, alle Kundenwünsche zu erfüllen."

Das liege vor allem an einem für die Autovermieter ungünstigen Zeitpunkt, an dem der neunte GDL-Streik nun stattfindet. In der vorigen Woche hätten die Anbieter deutlich mehr Kapazitäten gehabt, sagt Bechtel und beruft sich auf ein Gespräch mit dem Vermieter Avis. "Viele Geschäftskunden hatten um Himmelfahrt frei, dadurch standen mehr Wagen für Privatleute zur Verfügung." Diese Woche sind viele Vermieter ausgebucht und können die sprunghaft gestiegene Nachfrage nicht bedienen. "Die GDL hat sich einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht."

GDL-Chef Weselsky im Video: "Unser Verkehrsminister muss Rechenschaft ablegen!"

Hoffnung besteht laut Bechtel jedoch wieder für das Pfingstwochenende. "Da kommen die für Dienstreisen genutzten Wagen wieder zurück." Ein Problem bleibe jedoch die Logistik: "Die Vermieter haben mit den geringen Abstellmöglichkeiten an Bahnhöfen zu kämpfen, die für die vom Streik betroffenen Bahnkunden nötig sind." Es entstünden hohe Kosten, etwa für zusätzliche Fahrer und Autotransporter, um die logistische Herausforderung zu meistern. Einwegmieten, Autos umparken, die Wagen zu den Kunden bringen - "das ist wie Tetris spielen".

Vom "großen Reibach", den die Mietwagenfirmen angeblich bei einem Bahnstreik machen, kann laut Bechtel keine Rede sein. "Es ist ein Mythos, dass sich die Vermieter nun die Taschen vollmachen", sagt der Unternehmenssprecher. Die Preise seien zwar derzeit höher als sonst. "Aber bei einer so spontanen Aktion können auch die Autovermieter das Problem nicht im vollen Maße abfedern." Beim vergangenen Bahnstreik waren Mietwagen um dreizehn Prozent teurer als sonst. An Bahnhöfen und in Großstädten stieg der Preis teils sogar um 100 Prozent.

Anders als bei den bisherigen acht Streikrunden hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) das Ende diesmal offen gelassen. Sollte es keine Annäherung geben, werde der Streik "etwas länger" dauern als Anfang Mai, hatte GDL-Chef Claus Weselsky angekündigt. Damals waren es knapp sechs Tage. Das Enddatum soll 48 Stunden im Voraus mitgeteilt werden.

Drohende Staurekorde auf den Straßen

Mit den Bahnstreiks drohen nach Einschätzung von Verkehrsexperten am Freitag vor Pfingsten Staurekorde auf den Straßen. "Alle Zutaten dafür sind da", sagte Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen.

Der drohende Stillstand auf vielen Zugstrecken trifft die Autofahrer zu einem besonders ungünstigen Termin: Der Freitag vor dem langen Pfingstwochenende ist laut Schreckenberg üblicherweise der staureichste Tag des Jahres. Die meisten Urlauber starteten dann in einen Kurztrip, weil es sich sonst nicht lohne, erklärte Schreckenberg. "Die haben keine andere Wahl." In den Sommerferien gebe es mehr Ausweichmöglichkeiten.

Am Nachmittag setze der Berufsverkehr ein, zudem sei der Freitag eh der Wochentag mit dem höchsten Verkehrsaufkommen. Auf die Autofahrer komme ein Szenario zu, das "wir so noch nie hatten". Schreckenberg rechnet mit besonders langen Staus rund um Köln, Frankfurt, München und Hamburg.

Außer bei einer Sperrung ist es nach seiner Einschätzung meist besser, auf der Autobahn zu bleiben, selbst wenn der Verkehr stockt. "Wenn nur zehn Prozent der Autos abfahren, sind die Nebenstrecken meist schon überlastet", warnt der Forscher. "Mit der Verbreitung von Navis sind die Ausweichrouten noch schneller voll."

Im Stau bei jeder Lücke die Spur zu wechseln, um vermeintlich schneller voranzukommen - das verursache nur neue Stauwellen. Wären die Menschen kooperativer, ließen sich nach seiner Einschätzung viele Staus verhindern. Denn allen Spurwechseln zum Trotz: "Nach einer halben Stunde sind doch eh immer noch die gleichen Autos neben einem."

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jus/abl

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insgesamt 198 Beiträge
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Seite 1
Gegendenstrom 20.05.2015
1. Nix wie hin
vielleicht macht man ja im Megastau noch die ein oder andere nette Zufallsbekanntschaft...
Wassup 20.05.2015
2. Fernbusse: Niedergang des Schienenverkehrs in vielen Ländern
Auch in anderen Ländern konnte die Bahn nicht mit der Konkurrenz der Fernbusse mithalten. Auch in Deutschland sind die Busse sind zuverlässiger, sauberer - und billiger. Vielleicht haben wir in 10 Jahren schon keine dt. Bahn mehr, nur noch Fernbusse.
hanfiey 20.05.2015
3. super Idee
Ich finde den Streik riichtig, da kommt es nun mal zu Ausfällen. Das hat jeder gewusst und trotzdem muss in der Gegend rumgefahren werden wie blöd, ein Luxusproblem.
bobby_d. 20.05.2015
4. Solidarität der Bevölkerung?
Die GdL erwartet Solidarität der Bevölkerung, Medien und Politik werden beschuldigt der Gewerkschaft den schwarzen Peter zuzuspielen. Aber mittlerweile wird selbst der hartgesottenste Streikbefürworter doch mal merken das die GdL ganz klar versucht ihre Interessen durch zu setzen indem die Bevölkerung getroffen wird. Wenn Familien ihren Kurzurlaub auf der Autobahn verbringen, Eltern oder Großeltern nicht besucht werden können und eines der beliebtesten Wochenende ruiniert wird kann man wirklich nicht mehr allzu viel Solidarität erwarten. Und man sollte nicht vergessen, es ist die Bevölkerung die die Politiker wählt die dann Gesetze erlassen damit sowas nicht wieder vorkommt....
!einer_von_vielen 20.05.2015
5. Wär alles kein Problem
wenn die Bahn denn nachgeben würde. Hier wird zu sehr auf das "arme" Unternehmen geschaut. Ich hör immer nur die Lokführer. Die Bahn ist genauso teil des Tarifstreits.
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