Verkehr Bahn will zwischen Hamburg und Berlin Halbstundentakt einführen

Zwei Züge pro Stunde statt nur einem: Auf der Strecke zwischen Hamburg und der Hauptstadt will die Bahn ihre Taktung erhöhen. Die Änderung soll einem Medienbericht zufolge ab dem Fahrplanwechsel 2021/22 gelten.

ICE auf der Trasse Berlin-Hamburg
Tobias Kleinschmidt/ DPA

ICE auf der Trasse Berlin-Hamburg


Auf der Strecke zwischen Hamburg und Berlin sollen ab Dezember 2021 doppelt so oft Züge verkehren wie bisher. Statt einer stündlichen Abfahrt wird es dann einen Halbstundentakt geben, wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" unter Berufung auf Bahnkreise berichtet.

Durch die Aufstockung könne die Bahn rund 20 Prozent mehr Passagiere auf der Strecke befördern, heißt es in dem Bericht. Die Bahn bestätigt die Meldung bisher nicht.

Sollte das Unternehmen das Angebot auf der ICE-Strecke tatsächlich aufstocken, würde es damit sicher viele Pendler erfreuen. Hamburg-Berlin ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken des Landes. An der Fahrtzeit von 1 Stunde und 40 Minuten würde sich nichts ändern.

Die Neuerung soll laut "Capital" zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021/22 gelten. Im vergangenen Jahr hieß es noch, ein halbstündiger Takt auf der Strecke Hamburg-Berlin solle bereits 2019 eingeführt werden.

Die Erweiterung ist dem Medienbericht nach "ein Vorgeschmack auf den Deutschlandtakt", der in ein paar Jahren den deutschen Fernverkehr prägen soll. Außerdem sei es der Versuch der Bahn, ihr schlechtes Image zu verbessern. Wegen Unpünktlichkeit und schlechten Baustellenmanagements ist die Bahn immer wieder in der Kritik.

Die Umsetzung des geplanten Deutschlandtakts ist ein zentraler Punkt, um die Schiene zu stärken. Für Bahnkunden soll in den nächsten Jahren ein grundlegend neues System mit besser abgestimmten Umsteigeverbindungen aufgebaut werden. Das Zugfahren soll so pünktlicher und schneller werden, das Erreichen der Anschlüsse direkter und verlässlicher. Die Bundesregierung strebt an, die engere Verzahnung von Nah- und Fernverkehr bis 2030 umzusetzen.

Geringere Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets

Am Dienstagabend findet im Verkehrsministerium in Berlin ein "Schienengipfel" mit Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) sowie Vertretern von Branchenverbänden statt. Auch der Chef der Deutschen Bahn, Richard Lutz, wird erwartet. Ein "Zukunftsbündnis Schiene" hatte im Oktober 2018 seine Arbeit aufgenommen.

Es wird dabei auch um die Finanzierung von Bahnprojekten durch den Bund gehen. Diese halte nicht Schritt mit den bahnpolitischen Versprechen der Regierung, sagte Dirk Flege, Geschäftsführer des Verbandes Allianz pro Schiene. Dabei gehe es zum Beispiel darum, die Schieneninfrastruktur zu stärken, einschließlich einer weiteren Elektrifizierung von Strecken. Zum anderen müsse für den Fernverkehr die Mehrwertsteuer gesenkt werden. Dafür hatte sich auch Scheuer ausgesprochen.

Die Koalition hatte angekündigt, bis 2030 die Zahl der Fahrgäste zu verdoppeln und mehr Güter auf die Schiene zu holen. Besonders beim Güterverkehr hat Deutschland im internationalen Vergleich großen Nachholbedarf. Dafür sind Milliardeninvestitionen notwendig. Die Schiene soll auch deshalb gestärkt werden, um einen Beitrag für mehr Klimaschutz zu leisten. Daneben geht es in dem Bündnis darum, mit leiseren Zügen Lärmemissionen zu senken.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es unter Berufung auf die Zeitschrift "Capital", der Halbstundentakt zwischen Hamburg und Berlin solle ab Dezember 2020 gelten. Dies ist nicht korrekt. Die Bahn will ihr Angebot erst ab Dezember 2021 aufstocken. Wir haben dies korrigiert und bitten um Verständnis.

jus/dpa



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
orca20095 07.05.2019
1. Na ja,
wenn man mit dem doppelten Takt 20 Prozent mehr Fahrgäste befördern will, dann heißt das für einen Insider, dass nicht mehr die langen ICE zum Einsatz kommen, sondern nur noch die kurzen. Damit dürfte sich die Sardinenbüchsen-Beförderung zu den Hauptverkehrszeiten nicht ändern. Ob das Konzept beim aktuellen Mangel an Lokführern überhaupt umsetzbar ist, darf man anzweifeln.
mullertomas989 07.05.2019
2. Das zeigt aber deutlich, dass die Bürger eine gute Bahn wollen!!
Wenn es ein so exzellentes Angebot wie zwischen Hamburg und Berlin gibt (1:40 h, nonstop), fahren viele Leute einfach sehr gerne Bahn! Hier ist der Beweis! Die Autofahrt ist hier außen vor, denn sie dauert länger und beinhaltet vor Berlin und Hamburg oft Stau. Die Politik (BMVI, Hallo Herr Scheuer!) sollte endlich FLÄCHENDECKEND für eine gute Bahn sorgen. Mehr Strecken/Gleise bauen - in Knotenpunkten und auch hin zu Kleinstädten. Auch auf anderen Strecken braucht es mehr Züge - so ließen sich dann auch viel mehr Sprinter durchsetzen!
chrunchip 07.05.2019
3. Preis
Die Bahn sollte lieber einen vernünftigen und bezahlbaren Preis einführen.
MatthiasPetersbach 07.05.2019
4.
Zitat von mullertomas989Wenn es ein so exzellentes Angebot wie zwischen Hamburg und Berlin gibt (1:40 h, nonstop), fahren viele Leute einfach sehr gerne Bahn! Hier ist der Beweis! Die Autofahrt ist hier außen vor, denn sie dauert länger und beinhaltet vor Berlin und Hamburg oft Stau. Die Politik (BMVI, Hallo Herr Scheuer!) sollte endlich FLÄCHENDECKEND für eine gute Bahn sorgen. Mehr Strecken/Gleise bauen - in Knotenpunkten und auch hin zu Kleinstädten. Auch auf anderen Strecken braucht es mehr Züge - so ließen sich dann auch viel mehr Sprinter durchsetzen!
Das ist der Beweis dafür, daß die Leute einen an der Klatsche haben. Warum soll man regelmäßig von Berlin nach Hamburg fahren (müssen)? So wichtig ist kein Mensch. Wir müssten die Fahrzeiten eigentlich verlängern statt verkürzen. Verkürzen bedeutet nur, daß sich NOCH mehr Leute überlegen, umweltfeindlich über NOCh weitere Strecken zu pendeln. Wegen 200 Euro mehr, Karriere oder anderem Quatsch. Wir sollten endlich weg von dieser "Fernziel"onanie - hin zum flächendeckenden kostengünstigen Verkehr nach überallhin in der nähereren Umgebung. In akzeptabler Zeit in den Umkreis von 50 km - DAS wäre erstrebenswerter.
abcd63 07.05.2019
5.
Wo nehmen denn die tollen Manager die Züge, die Lokführer und Zugbegleiter her?
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