Bahnausfälle im Winter Frost legte mehr als 100 Züge täglich lahm

Hohe Ausfallquote durch schlechtes Wetter: Bei der Deutschen Bahn fielen im vergangenen Winter drei Mal mehr Fernzüge aus als im Vorjahr. Die SPD kritisierte das Unternehmen heftig - eine solche Zahl sei "nicht hinnehmbar".

Steckengebliebener Zug bei Anklam: Der Winter sorgte für zahlreiche Ausfälle
DPA

Steckengebliebener Zug bei Anklam: Der Winter sorgte für zahlreiche Ausfälle


Berlin - Der strenge Frost hat in diesem Winter pro Tag durchschnittlich 114 Züge teilweise oder ganz lahmgelegt. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine SPD-Anfrage hervor. Danach lag die Ausfallquote im Regionalverkehr mit einem Prozent zwar nicht höher als in den vergangenen fünf Jahren. Im Fernverkehr hingegen verdreifachte sich die Zahl auf 30 Ausfälle.

"Dieser massive Zugausfall ist nicht hinnehmbar", sagte der SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer der "Bild"-Zeitung vom Freitag. "Aber der Bundesverkehrsminister schaut tatenlos zu." Im Winter 2009/2010 kam es "auf Grund witterungsbedingter Einflüsse" im Schnitt zu 39 Totalausfällen und 45 Teilausfällen bei Regionalzügen pro Tag. Dies liegt laut Bahn nicht über dem langjährigen Mittelwert.

Bei Fernverbindungen dagegen war eine deutliche Verschlechterung zu verzeichnen: Im Schnitt mussten 30 Fernzüge pro Tag zum Teil oder ganz gestrichen werden. Das sind drei Mal so viel wie im Winter davor und sogar sechs Mal so viel wie im Winter 2007/2008. Gezählt wurden dabei alle ausgefallen Fernzüge, für die kein Ersatz gestellt werden konnte.

Ein Sprecher der Bahn wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE die genauen Zahlen nicht bestätigen. Es seien aber tatsächlich erheblich mehr Fernzüge als im Vorjahr ausgefallen, was auch an den Ultraschall-Untersuchungen an den Achsen von ICE-Zügen liege. "Es gab sehr große Schneeanhaftungen an den Zügen, die mussten erst abgetaut werden." Dadurch habe sich die Wartungszeit um mehrere Stunden erhöht, mehrfach seien Fahrzeuge deshalb morgens, wenn sie auf die Strecke sollten, noch nicht einsatzbereit gewesen. Der Bahnsprecher betonte, dass das Unternehmen im Internet über sämtliche Ausfälle informiert habe.

Auf deutschen Flughäfen sorgten nach Angaben der Bundesregierung Eis und Schnee in diesem Winter für zwei Unfälle und Störungen. In den vergangenen fünf Jahren wurden insgesamt nur fünf Einschränkungen dieser Art gezählt. Zu den aktuellen Unfallzahlen auf den Straßen und den durch Frost entstandenen Schäden hat die Regierung noch keine Angaben.

"Die Bundesregierung ist dabei, zusammen mit den Ländern das Ausmaß der Schäden an den Bundesfernstraßen abzuschätzen", heißt es in der Antwort, die der Agentur DAPD vorliegt. Für das Jahr 2010 seien für die Bundesfernstraßen "Erhaltungsmittel" von rund 2,1 Milliarden Euro vorgesehen. Hinzu kämen noch nicht verplante Mittel aus dem Konjunkturprogramm II, die unter anderem auch für die Beseitigung von Winterschäden zur Verfügung stünden.

sto/apn/AFP



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