Bahnhöfe Vom "Schmuddelkind" zum "Paradebeispiel"

Geht es nach den Plänen von Bahnchef Hartmut Mehdorn, sollen in den kommenden Jahren bundesweit mehr als 50 Bahnhöfe modernisiert werden. Der Anfang ist bereits gemacht: Köln kann sich ab sofort über einen neuen Hauptbahnhof freuen.


Köln - Nach einem dreijährigen, 200 Millionen Mark teuren Umbau ist der Bahnhof der Domstadt am Mittwoch von Bundesverkehrsminister Reinhart Klimmt, Ministerpräsident Wolfgang Clement und Bahnchef Hartmut Mehdorn neu eröffnet worden. Köln habe nun den "größten und schönsten Bahnhof Deutschlands", lobte Mehdorn den neuen Verkehrsknotenpunkt im Schatten des Doms.

Neuer Glanz im Schatten des Domes: Der Kölner Hauptbahnhof wurde komplett modernisiert
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Neuer Glanz im Schatten des Domes: Der Kölner Hauptbahnhof wurde komplett modernisiert

Der Kölner Hauptbahnhof, lange Zeit als "Schmuddelkind" verschrien, präsentiert sich nach dem Umbau mit viel Glas und Stahl - großzügiger und heller als zuvor. Die Innenwände des Bahnhofs wurden mit hellbraunem Sandstein verkleidet. Die Reisenden laufen über hellgrauen Granit aus Brasilien.

Im Bahnhof ist ein Einkaufszentrum mit 70 Fachgeschäften und fast 12.000 Quadratmetern Fläche entstanden. Neben Lebensmittelgeschäften und Gastronomiebetrieben gibt es - nach den guten Erfahrungen im bereits umgebauten Leipziger Hauptbahnhof - auch Textil- und Schuhgeschäfte. Insgesamt arbeiten in Köln weit über 1500 Menschen.

Der Umbau verlief, da der Fahrbetrieb aufrecht erhalten werden musste, nicht ohne Probleme. So mussten sich die über 200.000 Menschen, die täglich den Bahnhof nutzen, immer wieder neue Wege durch die Bauabsperrungen suchen.

In dem denkmalgeschützten, fast 150 Jahre alten Bau stießen die Arbeiter auch immer wieder auf Überraschungen, etwa einen in Vergessenheit geratenen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Als ein Bagger ein nicht verzeichnetes Elektrokabel zerriss, musste der Bahnhof wegen des entstandenen Kabelbrandes stundenlang gesperrt werden.

Nach Leipzig stellt Köln den zweiten Gesamtumbau eines Großstadt-Hauptbahnhofes der Deutschen Bahn dar. Weitere werden folgen: Mehdorn hat in Köln den Umbau von bundesweit mehr als 50 Bahnhöfen angekündigt. Derzeit würden 32 größere Bahnhöfe modernisiert. Das Erneuerungsprogramm werde jedoch auch bald kleinere Stationen erfassen.

Mehdorn räumte ein, man könne zurzeit durchaus von einem "Stau" bei der Modernisierung von Bahnhöfen sprechen. Die Bahn wolle dennoch zügig vorgehen und das Kölner Projekt als Paradebeispiel für einen runderneuerten Großstadtbahnhof betrachten, dessen Konzept auf viele andere Bahnhöfe übertragbar sei.



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