Bahnpanne in Bayern Fahrgäste schieben liegengebliebenen Zug an

Mit eigener Kraft haben Passagiere in Bayern einen Zug wieder flottgemacht. Der Triebwagen war auf der Strecke zwischen Kufstein und München liegengeblieben.

Zug der Oberlandbahn (Archivbild): Aus eigener Kraft wieder zum Laufen gebracht
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Zug der Oberlandbahn (Archivbild): Aus eigener Kraft wieder zum Laufen gebracht


Holzkirchen - Wenn ein Zug eine Panne hat, dauert es manchmal Stunden, bis die Fahrt weitergeht. Bahnreisende in Bayern wollten diese Geduld offenbar nicht aufbringen - sie stiegen aus und packten kurzerhand selbst an.

Der nagelneue Triebwagen vom Typ "Flirt", den sie gemeinsam durch Anschieben wieder zum Laufen brachten, war bereits am Montag auf der Strecke von Kufstein nach München nahe der österreichisch-bayerischen Grenze liegengeblieben, wie jetzt bekannt wurde. Der Betreiber Meridian, ein Tochterunternehmen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), bestätigte den Vorfall. Zu weiteren Details wollte eine Sprecherin sich nicht äußern, da die Untersuchungen zu dem Fall noch nicht abgeschlossen seien.

Offenbar hatte der Lokführer des Zuges nicht auf eine Diesellok warten wollen, die den tonnenschweren Zug hätte zu einer Oberleitung schieben können. Stattdessen bat daraufhin das Begleitpersonal die Fahrgäste zum Einsatz, wie auch ein Video der Tageszeitung "Münchener Merkur" zeigt. Mit vereinten Kräften gelang es ihnen tatsächlich, das Pannengefährt so weit in Schwung zu bringen, bis es aus eigenem Antrieb wieder fahrbereit war.

Die Elektronik hatte auf einem sogenannten Streckentrenner gestreikt. Das ist ein kurzer Gleisabschnitt ohne Stromversorgung. An Grenzen gebe es diese, wenn nationale Streckennetze unterschiedliche Grundspannungen haben, hieß es. Mehrere Fahrgäste berichteten allerdings, dass es schon kurz vor der Abfahrt in Kufstein einen Stromausfall gegeben habe.

Der Lokführer muss nun möglicherweise mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Eigentlich dürfen Passagiere auf offener Strecke keinesfalls die Gleise betreten.

emt/dpa

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insgesamt 67 Beiträge
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Anton 100 21.02.2014
1. Der große Unterschied
Das ist eben der Unterschied zwischen einer Behördenbahn und einer privaten Bahngesellschaft. Das Heranführen einer Diesellok (DB-Methode) hätte vermutlich Stunden gedauert, aber so war das Ganze offensichtlich eine Angelegenheit von rund 10 Minuten. Als nächstes werden Pedale im Wagenboden des Meridian-"Flirt" eingebaut, dafür gibt es, so sich Fahrgäste für solche Plätze entscheiden, Fahrpreisermäßigung. Ein Hoch dem privatisierten Bahnbetrieb und dem marktkapitalistischen Unternehmergeist, der hinter alledem dahintersteckt!
news@adam-hg.de 21.02.2014
2. Typisch deutsch...
Ein Zug bleibt liegen. Zugführer und Fahrgäste zeigen Zivilcourage und bringen den Zug aus eigener Kraft wieder zum Laufen. In kaum einem anderen Land der Erde wäre das eine Erwähnung wert gewesen; dort ist so etwas an der Tagesordnung. Nicht aber in Deutschland. Hier muss der Zugführer nun mit "strafrechtlichen Konsequenzen" rechnen, weil er gegen eines von tausenden überkommenen deutschen Gesetzen verstoßen hat. Lächerlich!
Vito.Andolini 21.02.2014
3. Gleich einsperren?
Strafrechtliche Konsequenzen? Freilich, den Lokführer müßte man am besten gleich einsperren. Nur weil er mal etwas pragmatisch gedacht hat, anstatt den ganzen Zug stundenlang in der Schutzstrecke herumstehen zu lassen. Übrigens dürfte die Gefährdung der Fahrgäste wohl überschaubar gewesen sein, weil es ja nur ein Gleis gibt und kein anderer Zug kommen kann...
spon-1280943165745 21.02.2014
4. Eigeninitiative
Ich gehe davon aus das der Zugführer wusste das keine Gefahr für die Passagiere auf den Gleisen besteht. Wenn das der Fall ist sollte man den Mann evtl. ermahnen und ansonsten lieber überprüfen wie es zu dem Stillstand gekommen ist. Den Schiebern sollte man vielleicht eine Monatskarte schenken.
augu1941 21.02.2014
5.
Zitat von sysopDPAMit eigener Kraft haben Passagiere in Bayern einen Zug wieder flottgemacht. Der Triebwagen war auf der Strecke zwischen Kufstein und München liegengeblieben. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/bahnpanne-in-bayern-fahrgaeste-schieben-zug-selber-an-a-954931.html
Einen Zug hab ich noch nie angeschoben, aber als unsere Straßenbahn früher (vor 50 jahren) noch hoch in den Stadtwald fuhr und im Winter vollbesetzt mit Skiausflüglern war, war diese Anschubhilfe bei der Abfahrt von einer Haltestelle öfters notwendig. Die Bayern packen auch lieber selbst an, statt auf Hilfe zu warten.
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