Tarifstreit Streik sorgt deutschlandweit für Ausfälle im Zugverkehr

Erst ein Schneesturm im Norden, dann noch ein Warnstreik von Bahn-Mitarbeitern: Bereits in den Morgenstunden fielen Züge in vielen Bundesländern aus, besonders auf Pendlerstrecken. Reisende müssen den ganzen Tag über mit Verspätungen rechnen.


Berlin - Zugreisende müssen zum Wochenbeginn viel Geduld aufbringen: Hunderte Beschäftigte der Deutschen Bahn sorgen mit Warnstreiks für Behinderungen im Schienenverkehr. In Berlin, Hamburg, Schleswig-Holstein, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und im Südwesten legten vor allem Mitarbeiter in Stellwerken und Werkstätten sowie Reinigungskräfte ihre Arbeit vorübergehend nieder, wie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mitteilte.

Das führte nach Angaben der Deutschen Bahn "bundesweit zu erheblichen Einschränkungen im Zugverkehr". Am Montagmorgen seien etwa 150 Züge ganz ausgefallen oder nur auf Teilstrecken gefahren. Hinzu kämen mehrere hundert verspätete Züge. Unter diesem Link lässt sich ermitteln, ob der eigene Zug nach Plan fährt.

Betroffen sind laut Bahn der Nah- und Fernverkehr, "besonders stark" Pendlerstrecken. "Bis in den Abend hinein ist weiterhin mit Beeinträchtigungen zu rechnen", heißt es in einer Erklärung des Konzerns. "Die während des Streiks aufgebauten Verspätungen lassen sich nur schrittweise abbauen."

Laut Angaben der Bahn können am Streiktag zuggebundene Fahrkarten für die nächstmögliche frühere oder spätere Reiseverbindung (auch IC-/EC- oder ICE-Züge) genutzt werden. Fahrkarten und Reservierungen, die am Streiktag gültig sind, werden kostenfrei erstattet.

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Bundesweiter Warnstreik: Ärger für Passagiere der Bahn
Die Warnstreiks wirkten sich bereits in den ersten Stunden erheblich auf den Zugverkehr aus. Viele Züge könnten nicht bereitgestellt oder am Morgen nicht gereinigt werden. Es sei zudem damit zu rechnen, dass sich die Auswirkungen über den ganzen Tag hinziehen würden, sagte der Bahnsprecher. Der Konzern kritisierte die Arbeitsniederlegungen als "unverhältnismäßig". Hintergrund der Warnstreiks ist ein Tarifkonflikt. Mit den Aktionen soll Druck auf die Tarifverhandlungen für rund 130.000 Beschäftigte bei der Deutschen Bahn ausgeübt werden. Diese werden am Montagnachmittag in Berlin fortgesetzt.

Wie die EVG mitteilte, beteiligten sich rund 1000 Mitarbeiter an den Streiks am Montag und legten bis 8 Uhr ihre Arbeit nieder. Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hatten ein Plus von 2,4 und 2,0 Prozent für die Dauer von 24 Monaten sowie eine höhere betriebliche Altersvorsorge plus Einmalzahlung von 400 Euro angeboten. Die Arbeitsniederlegungen seien eine Reaktion der Beschäftigten "auf ein bislang völlig unzureichendes Arbeitgeberangebot", sagte der Gewerkschaftssprecher.

"Wir wissen, dass wir die Reisenden treffen werden"

Gewerkschaftssprecher Michael Klein kündigte für den Tagesverlauf weitere Warnstreiks in ganz Deutschland an: "Es wird weitere Aktionen geben in allen Regionen des Landes, und es werden sich unterschiedliche Beschäftigte aus verschiedenen Bereichen an diesen befristeten Warnstreiks beteiligen." Die Gewerkschaft hatte bereits am Wochenende angekündigt, Stellwerke und Werkstätten zu bestreiken und Züge nicht fahrbereit zu machen.

Bei Pendlern und Reisenden warb Klein um Verständnis: "Wir wollen die Reisenden nicht treffen, wir wissen, dass wir die Reisenden treffen werden."

Details sind laut Bahn unter anderem erhältlich unter der Kunden-Hotline 01805 99 66 33 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz, maximal 42 Cent pro Minute aus dem Mobilfunknetz), auf der Facebook-Seite der Bahn sowie in den Reisezentren der DB.

jus/yes/Reuters/dpa



insgesamt 55 Beiträge
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Mahatschmanladen 18.03.2013
1. warum
suchen diese Leute sich nicht einen Beruf, der besser bezahlt ist und terrorisieren stattdessen ihren Wirt, den Bahnkunden?
bjuv 18.03.2013
2. Streik im Dienstleisungsland Deutschland betrifft immer
Dritte. Welcher Forist will aber in SEINEM Dienstleistungsbereich auf das grundgesetzlich gesicherte Streikrecht (Für Lohnerhöhung, bessere ARbeitsbedingungen etc) verzichten und damit seinen Kunden Ärger ersparen? Niemand? Hätte ich mir fast gedacht. (Andere können sich unter Angabe ihrer Branche gerne melden)
Plasmabruzzler 18.03.2013
3.
Ich bin für Streiks, wenn sie berechtigt sind. Allerdings fuhr auf der Eifel-Bahn (ich meine, nur den Eifel-Express gesehen zu haben) heute morgen überhaupt kein Zug und die Alternativen sind in der tiefsten Eifel rar gesäht bis nicht vorhanden. Selbst Taxen waren schwer zu bekommen - von Bussen reden wir erst gar nicht. Richtig, bei Streik muss man damit rechnen, aber ich stelle die Frage, ob man die Bahn und deren Infrastruktur nicht wieder komplett in die Hände des Staates geben sollte und die Mitarbeiter verbeamten soll.
TheBear 18.03.2013
4. Um Zuneigung werben
Zitat von sysopREUTERSEin Schneesturm im Norden, und dann noch das: Mitarbeiter der Bahn haben wegen eines Tarifstreits bundesweit mit Warnstreiks begonnen. Bereits in den Morgenstunden fielen Züge aus - Reisende müssen mit Verspätungen rechnen. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/bahnstreik-sorgt-fuer-ausfaelle-im-zugverkehr-a-889429.html
Während der Schneesturm ein Himmelsgeschenk war, das die Richtung vorgeben hat, ist der Streik jetzt eine ehrliche Anstrengung um Zuneigung unserer EU-Partner (vor allem im Süden) zu werben. Nur wenn wir so weiter machen, hört das mit dem Gelästere über Deutschland wieder auf.
frumiousobserver 18.03.2013
5. Sauerei
Ganz egal welcher Streit da zwischen der Bahn und ihren Mitarbeitern ausgetragen wird und wer im Recht ist, bei diesen Streiks machen sich beide Seiten schuldig. Hauptbetroffene sind jedesmal die Nutzer der Nahverkehrsverbindungen, sprich die Pendler. Dabei wissen auch die Streikenden, dass die Pendler überwiegend Monats- und Jahreskarten haben und auf die Züge angewiesen sind und kaum eine andere Wahl haben. Für die Bahn gibt es da keinen großen Ausfall zu verzeichnen. Somit sticht die Waffe Streik hier nicht. Für die Bahn sind die Pendler sowieso nur Cash-Cow. Während ich z.B. auf der Strecke Heidelberg-Frankfurt täglich in Zügen fahre, die älter als ich sind, redet die Bahn von der Konkurrenz mit dem Luftverkehr auf der Strecke nach London und will mit Stuttgart 21 den Orient-Express wiederauferstehen lassen. Die Pendler hat man ja sowieso am Wickel.
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