Balearen Ökosteuer für Mallorca-Urlauber

Auf Mallorca und den übrigen Baleareninseln müssen Urlauber künftig eine Ökosteuer bezahlen: im Durchschnitt knapp zwei Mark pro Person und Tag für die Umwelt.


Mallorca: Bald soll jeder Urlauber eine Ökosteuer bezahlen
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Mallorca: Bald soll jeder Urlauber eine Ökosteuer bezahlen

Palma de Mallorca - Urlauber auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln müssen künftig tiefer in die Tasche greifen. Ungeachtet der Proteste aus der Reisebranche hat das Regionalparlament in Palma am Dienstag die Einführung einer so genannten Ökosteuer beschlossen - mit den Stimmen der regierenden rot-grünen Koalition. Die konservative Volkspartei (PP) votierte dagegen.

Start in einem halben Jahr

Die Ökosteuer - im Durchschnitt ein Euro (knapp zwei Mark) pro Person und Tag - soll nur von den Urlaubern in den Hotels eingezogen werden. Start ist in einem halben Jahr. Die Mehreinnahmen von jährlich rund 140 Millionen Mark sollen dem Umweltschutz und der Verbesserung bestehender Ferienanlagen zugute kommen.

Der balearische Hotelverband, der seit zwei Jahren gegen das Vorhaben Sturm läuft, kündigte eine Klage vor dem Verfassungsgericht an. Die konservative Regierung in Madrid signalisierte noch am Dienstag ihre Unterstützung für diesen Schritt. Nach Ansicht der Branche ist die Abgabe diskriminierend, weil bis zu 40 Prozent der Touristen gar nicht in registrierten Hotels, sondern in Privatwohnungen oder illegalen Unterkünften übernachteten.

Verzerrter Wettbewerb

"Diese Urlauber kommen um die Zahlung der Abgabe herum", schimpfte der Präsident des Hotelverbandes, Pere Canellas. Das verzerre den Wettbewerb und öffne der Schwarzwirtschaft Tür und Tor. Der balearische Reisebüroverband kritisierte, das Urlaubsziel Mallorca werde noch mehr verteuert. Schon jetzt habe man mit der preiswerteren Konkurrenz etwa in der Türkei zu kämpfen.

Bei jährlich elf Millionen Touristen, die Hälfte davon aus Deutschland, sieht die Rechnung der Regierung in Palma dagegen ganz anders aus: "Es ist Zeit, dass die gut verdienende Reisebranche sich beim Umweltschutz solidarisch zeigt", sagte der sozialistische Regierungschef Francesc Antich. Die Einführung der Ökosteuer markiere die Abkehr vom langjährigen Modell des Massentourismus. Dieser habe den 760.000 Einwohnern von Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera zwar großen Wohlstand gebracht, der Natur aber geschadet.

Weg vom Massentourismus

Das Bild von überfüllten Stränden, hässlichen Betonburgen und Touristen, die schon mit der Bierkiste unter dem Arm aus der Charter-Maschine steigen, hatte bei den Insulanern für zunehmenden Unmut gesorgt. Deshalb hatte Mallorca nach dem Motto "Klasse statt Masse" bereits 1999 mit einem Baustopp für neue Hotels ein Zeichen gesetzt. Mit Blick auf die Ökosteuer meinte der balearische Finanzminister Joan Mesquida deshalb: "Wenn ein Tourist für einen durchschnittlichen Mallorca-Urlaub von einer Woche nicht bereit ist, 1000 Peseten (12 Mark) mehr zu zahlen, dann soll er eben weg bleiben."

Die Höhe der Abgabe, die auch von spanischen Urlaubern gezahlt werden muss, richtet sich nach der Kategorie der Unterkünfte: In einem einfachen Hotel sind mindestens 0,25 Euro (knapp 50 Pfennig) pro Person und Tag zu zahlen, in einem Fünf-Sterne-Haus maximal zwei Euro (knapp vier Mark). Die Ökotaxe gilt auch für Übernachtungen in Ferienwohnungen und auf Campingplätzen. Ausgenommen sind Kinder bis zwölf Jahre.



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