Ruhestörung im Urlaub Baulärm vor dem Hotel mindert Reisepreis

Bagger, Raupe, Presslufthammer: Wenn Bauarbeiten vor dem Hotelzimmer den Urlaub vermiesen, können Lärmgeplagte den Reisepreis mindern - allerdings unter einer Bedingung.

Baustelle vor Hotels in Florida (Symbolfoto)
iStockphoto/ Getty Images

Baustelle vor Hotels in Florida (Symbolfoto)


Da freut man sich auf den Urlaub, auf Ruhe, Erholung und Ausschlafen - und dann das: In aller Früh kommen die Bagger und machen direkt vor dem Hotel einen ohrenbetäubenden Lärm. So einen Ärger müssen Reisende nicht einfach hinnehmen. Nach tagelangem Baulärm kann ihnen eine Entschädigung und eine deutliche Minderung des Reisepreises zustehen. Das zeigt ein Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main (Aktenzeichen 2-24 O 106/17).

In dem verhandelten Fall ging es um ein Hotel in Florida. Rund 15 Meter von den Zimmern entfernt wurde täglich - außer sonntags - ab 6.30 Uhr bis mindestens 22 Uhr auf einer Großbaustelle gearbeitet. Unter anderem lärmten Bagger, Raupen, Presslufthämmer und Kipplader. Außerdem war das Leitungswasser während der ersten vier Reisetage wegen eines Wasserrohrbruchs verunreinigt und nicht nutzbar.

Für die Tage mit Baulärm konnte der Kläger den Reisepreis um 50 Prozent mindern, für die mit verunreinigtem Wasser um weitere 5 Prozent. Zusätzlich sprach die Kammer eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit zu. Der massive Baulärm habe die Reise erheblich beeinträchtigt.

Weitere 10 Prozent Minderung ergaben sich dem Urteil zufolge daraus, dass der Reiseveranstalter seine Informationspflicht verletzt hat: Da er den Buchenden nicht über die Großbaustelle informiert hatte, konnten die Reisenden nicht entscheiden, ob sie die Reise unter den gegebenen Umständen antreten wollten.

Was ist ein Reisemangel - und was nicht?

Weist ein Veranstalter vor Reisebeginn jedoch auf Baulärm hin, kann der Urlauber später nicht wegen des Krachs den Reisepreis mindern. So hatte das Amtsgericht München vor einigen Jahren entschieden (Aktenzeichen: 159 C 9571/15). In dem damals verhandelten Fall hatte der Kläger einen Urlaub in Abu Dhabi gebucht. In der Buchungsbestätigung wies der Veranstalter darauf hin, dass ein Teil des Strandes saniert wird. Es könne zu "Lärm- und Sichtbelästigungen" kommen.

Woher weiß man, was ein Mangel ist und was nicht? Aus der gängigen Spruchpraxis der Gerichte lassen sich zumindest Regeln ableiten. Mehrere Organisationen beobachten die Spruchpraxis im Reiserecht und tragen entsprechende, nur zur Orientierung dienende Listen zusammen. Die bekannteste ist die von der 24. Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts gepflegte "Frankfurter Tabelle", umfangreicher und aktueller ist aber die regelmäßig aktualisierte "Tabelle zur Reisepreisminderung" des ADAC.

jus/dpa

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