Behörde zu ICE-Unglück Lebensgefahr für eine "Vielzahl von Menschen"

Die ICE-Entgleisung im Kölner Hauptbahnhof hätte in einer Katastrophe enden können: Nur dank des Schritttempos wurde ein Unglück wie in Eschede verhindert - zu diesem Urteil kommt die zuständige Aufsichtsbehörde.

Erfurt/Köln - Nach Einschätzung des Eisenbahnbundesamts sind die Passagiere des notgebremsten ICE in Köln nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ursache für die Entgleisung des ICE auf der Kölner Hohenzollernbrücke war nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen eine defekte Radsatzwelle.

Eine Sprecherin der Behörde bestätigte am Donnerstag den Wortlaut des Schreibens, das am vergangenen Freitag der Bahn zugesandt worden war. Darin wurde angeordnet, die ICE-3-Züge aus dem Betrieb zu nehmen und zu überprüfen. Ein unveränderter Weiterbetrieb der Triebzüge der Baureihen 403/406 sei "mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben verbunden".

Wäre die Radsatzwelle des Zuges bei der normalen Streckengeschwindigkeit bis zu 300 Kilometern pro Stunde gebrochen, "hätte sich mit nicht unerheblicher Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe wie zum Beispiel in Eschede ereignen können", heißt es in einem Bescheid der Aufsichtsbehörde an die Bahn.

Der Bruch einer Radsatzwelle führe unweigerlich zum Entgleisen des Zuges, schrieb das Eisenbahnbundesamt weiter: "Das Leben einer Vielzahl von Menschen ist unmittelbar in äußerster Gefahr." Am vergangenen Mittwoch war ein ICE 518 bei der Abfahrt am Kölner Hauptbahnhof wegen einer defekten Radsatzwelle entgleist.

Der ICE 3 ist die modernste Baureihe der deutschen Hochgeschwindigkeitszüge. Die Radsatzwelle wird nun von einem unabhängigen Gutachter untersucht.

reh/amz/dpa/AP

Verwandte Artikel