SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. Mai 2011, 17:10 Uhr

Bei Flugausfall wegen Aschewolke

Keine Ausgleichszahlungen für Reisende

Erst Eyjafjallajökull, dann Grímsvötn: Wenn in Island Vulkane ausbrechen, kann das den europäischen Flugverkehr lahmlegen. Ein Gericht hat nun über die Rechte von Passagieren entschieden, die wegen einer Aschewolke stranden. Der Kläger wollte mehr als nur den Flugpreis erstattet haben.

Köln - Reisende haben bei Flugausfällen aufgrund einer Vulkanaschewolke über die Rückzahlung des Ticketpreises hinaus keinen Anspruch auf weitergehende Entschädigungen. Das entschied das Amtsgericht Köln in einem am Freitag veröffentlichten Urteil. Die Klage bezieht sich nicht auf die jüngsten Flugausfälle, sondern stammt bereits aus dem vergangenen Jahr, als der Luftraum nach einem Vulkanausbruch in Island schon einmal gesperrt worden war.

Der Kläger hatte bei einer großen deutschen Fluggesellschaft für den 21. April 2010 einen Flug gebucht. Am Abend vor dem geplanten Reisetermin wurde dieser von der Airline annulliert. Anlass waren die Luftraumsperrungen wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull.

Wegen des stornierten Flugs forderte der Reisende eine Ausgleichsleistung der Airline und bezog sich dabei auf die EU-Fluggastrechteverordnung: Für sich und zwei Mitreisende verlangte er jeweils 250 Euro. Die beklagte Fluggesellschaft erstattete jedoch lediglich den Preis für das Ticket und lehnte weitergehende Entschädigungen ab.

Die Kölner Amtsrichterin wies nun die Klage des Fluggastes ab, obwohl der Luftraum am Morgen des geplanten Reisetages bereits wieder freigegeben worden war. Die Fluggesellschaft sei von Ausgleichszahlungen befreit, weil die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgehe, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären. Das Phänomen der Aschewolke sei mit extremen Wetterbedingungen zu vergleichen.

Bei Bewertung des "außergewöhnlichen Umstandes" zähle zudem nur der Zeitpunkt der Annullierungsentscheidung. Die Entscheidung am Vorabend des Fluges sei nach vernünftigem Ermessen erfolgt. Die Airline habe davon ausgehen dürfen, dass die Durchführung des Flugs nicht möglich sein würde.

Ein Gerichtssprecher erklärte zu dem Urteil: "Bei einem Flugausfall wegen Vulkanasche kann der Fluggast die Rückerstattung des Flugpreises oder eine kostenlose anderweitige Beförderung, beispielsweise durch Umbuchung auf einen späteren Flug, verlangen."

Daneben seien Betreuungsleistungen wie Verpflegung oder kostenlose Kommunikationsmöglichkeiten zu erbringen: "Ansprüche auf zusätzliche Ausgleichsleistungen nach der Fluggastrechteverordnung scheiden jedoch in aller Regel aus."

Amtsgericht Köln: Aktenzeichen 132 C 314/10

jus/dapd/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung