14 Giganten in sechs Monaten Nepalese bricht Achttausender-Rekord

Noch niemand hat die höchsten Berge der Welt so schnell bestiegen: Nirmal Purja brauchte nur gut sechs Monate für alle 14 Achttausender - laut Reinhold Messner eine "einzigartige Leistung".

NIRMAL PURJA/ BREMONT PROJECT POSSIBLE/ AFP

Der Nepalese Nirmal Purja hat einen Rekord für die schnellste Besteigung aller 14 Achttausender aufgestellt. Der 36-jährige ehemalige Elitesoldat brauchte insgesamt sechs Monate und sechs Tage für seine Mission, wie er auf Facebook bekannt gab. Der Bergsteigerklub Nepal Mountaineering Association hat mit dem Shishapangma (8027 Meter) in Tibet Purjas 14. Gipfelstürmung bestätigt.

Alle Achttausender der Welt besteigen - für eine solche Mission haben sich die Vorgänger Purjas wie der Bergsteiger Jerzy Kukuczka aus Polen oder Kim Chang Ho aus Südkorea deshalb zuvor knapp acht Jahre Zeit gelassen und waren damit die Schnellsten mit diesem Vorhaben.

"Mission erfüllt", schrieb Purja auf Facebook nach der Besteigung des 8027 Meter hohen Shishapangma in China. Purja hatte im April mit seinem ehrgeizigen "Project Possible" begonnen und binnen einem Monat bereits sechs Achttausender bestiegen, darunter auch den Mount Everest.

Auf dem Gipfel des Gasherbrum II
NIRMAL PURJA/ BREMONT PROJECT POSSIBLE/ AFP

Auf dem Gipfel des Gasherbrum II

Als er erstmals von seinen Plänen berichtet habe, hätten alle über ihn gelacht, sagte Purja damals der Nachrichtenagentur AFP. Dabei gehe es nur darum, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und die "positive Einstellung" nicht zu verlieren, wenn etwas schiefgehe.

Damit hat der Nepalese selbst die Bergsteigerlegende Reinhold Messner beeindruckt. Purjas Rekord sei eine "einzigartige bergsteigerische Leistung", lobte Messner in einer Erklärung an die AFP. Messner rühmte Purja für die "logistische Vorbereitung" und Umsetzung seines Projekts. Der 75-jährige Italiener Messner war der erste Mensch, der 1986 die komplette Achttausender-Reihe geschafft hatte.

Mit seinem Rekord wolle er vor allem die jüngere Bergsteigergeneration in Nepal dazu anregen, ihm nachzueifern, sagte Purja. Denn viele sogenannte Sherpas, die nepalesischen Bergführer bei internationalen Expeditionen, gehörten zu den besten Bergsteigern der Welt, bekämen aber nicht so viel Aufmerksamkeit wie ihre Auftraggeber.

Nirmal Purja hat schon zuvor zwei Einträge im Guinness-Buch der Rekorde erhalten. 2017 kletterte er von der Everest-Spitze zum Gipfel des benachbarten Achttausenders Lhotse - in zehn Stunden und 15 Minuten. Zudem erreichte er anschließend die Spitze eines dritten Achttausenders in insgesamt etwas mehr als fünf Tagen - auch dies eine Leistung, die die Rekordrichter als einmalig ansahen.

Das Schwierigste: die Finanzierung

In der Bergsteigerszene sind Purjas Methoden aber nicht unumstritten: Bei seinen Guinness-Rekorden und der späteren Achttausender-Mission setzte er angesichts der Höhenluft auf Sauerstoffflaschen. Als "sehr nahe am Doping" bezeichnet das etwa Ulrich Limper vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Profi-Bergsteiger kletterten heute üblicherweise ohne künstlichen Sauerstoff auf die Giganten, sagt er. Purja ärgern solche Vorwürfe, wie er auf Instagram schreibt und auch Journalisten immer wieder sagt.

Um seine Reise zu finanzieren, habe er sein Haus verkauft und Freunde und Bekannte um Unterstützung gebeten, sagt er. Über die Crowdfunding-Plattform GoFundMe sammelte Purja bis zum Ende der Reise rund 40.000 Euro ein. Überhaupt sei das der schwierigste Teil der Expedition gewesen - das Geld für sein kühnes Vorhaben zusammenzukriegen.

Denn Extrembergsteigen ist teuer: Neben der überlebenswichtigen Ausrüstung müssen Kletterer auch Gebühren zahlen, um Berge wie den Everest überhaupt besteigen zu dürfen. Mehr als 9900 Euro sind das pro Person im Falle des höchsten Berges der Erde. Doch im Laufe der Mission seien große Sponsoren dazugekommen, sagt Purja über die Finanzierung.

Für den Bergsteiger-Experten Alan Arnette ist Purjas Leistung "extrem beeindruckend" - trotz der Sauerstoffflaschen. So schnell wie der Nepalese sei noch niemand gewesen. "Für mich ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Spitzenathleten eine kurze Erholungszeit", sagte der US-Blogger. Und: "Achttausender zu besteigen ist schwer, auch wenn er es einfach erscheinen lässt."

Keine Zeit für Aussicht vom Everest

Purja meint ebenfalls, dass er die richtigen Voraussetzungen mitbringt: Er habe gemerkt, dass sein Körper sich gut erholen könne, sagt der Ex-Soldat. Auch deshalb sei er auf die Idee gekommen, die 14 Giganten quasi im Sturm zu erklimmen, sagte er. Außerdem gefalle ihm die Aussicht.

Everestgipfel am 22. Mai 2019: Nirmal Purja fotografierte die Bergsteiger - das Bild wurde berühmt
AFP / Projekt Possible

Everestgipfel am 22. Mai 2019: Nirmal Purja fotografierte die Bergsteiger - das Bild wurde berühmt

Und als ihm die Aussicht einmal nicht gefiel, machte Purja gleich internationale Schlagzeilen: Auf dem Mount Everest schoss er im Frühjahr 2019 ein Foto, das Bergsteiger zeigt, die Schlange stehen. Das Bild ging um die Welt - und löste eine Debatte darüber aus, ob sich zu viele und zu viele schlecht vorbereitete Menschen am Aufstieg versuchen.

Purja würde das bestätigen - denn für ihn bedeutete der Andrang, was wohl alle Rekordjäger fürchten: Zeitverlust. "Ich musste stundenlang warten, und ich schoss das Bild nur, um einen Beweis dafür zu haben."

Korrektur der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, der Pole Jerzy Kukuczka sei bisheriger Rekordhalter für die schnellste Besteigung aller 14 Achttausender - mit sieben Jahren und elf Monaten. Der Südkoreaner Kim Chang Ho war allerdings acht Tage schneller. Wir haben den Text angepasst.

jki/AFP/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Stupormundifish 29.10.2019
1. Großartige Leistung
Genau deswegen "Denn viele sogenannte Sherpas, die nepalesischen Bergführer bei internationalen Expeditionen, gehörten zu den besten Bergsteigern der Welt, bekämen aber nicht so viel Aufmerksamkeit wie ihre Auftraggeber."
isi723 29.10.2019
2. was soll das?
Ich finde, dass ist eine völlig sinnlose Aktion. Berge werden zu Sportgeräten. Ich hoffe, dass er auch den ganzen Müll, den so eine Expedition generiert,wieder mit runter genommen hat.
dashuhn242 30.10.2019
3. (Bei-)Geschmäckle
"Seine Kletter-Methoden gelten unter Bergsteigern als nicht ganz stilsicher. Purja benutzte gelegentlich Hubschrauber, um die Distanz zwischen den Basislagern schneller überwinden zu können. Die Aufstiege bewältigte er zumeist auf bereits präparierten Routen und über 7500 Metern griff er stets zur Sauerstoffflasche – was unter Puristen als verpönt gilt.", schreibt die FAZ. Hubschrauber hin & her: Eine bemerkenswerte Leistung (die unsereins nicht bewältigen könnte).
quark2@mailinator.com 30.10.2019
4.
Gut! Es war eigentlich schon immer klar, daß von der rein physiologischen Seite her westliche Bergsteiger in ihrer eigenen B-Liga klettern und daß in Wirklichkeit die Sherpas jegliche Rangliste anführen würden, wenn man es denn mal messen könnte und würde. Ich finde solche Rekordläufe ja normalerweise komplett überflüssig und Bergsteigen nur "gerechtfertigt", wenn man sich dabei auch die Zeit nimmt, die Sache mental zu verarbeiten, aber hier bin ich froh, daß es nun endlich einen Datenpunkt gibt, der zeigt, wo die menschliche Leistungsfähigkeit wirklich liegt und wer diese Berge wirklich belebt. Tolle Sache. Ich habe zwar wenig Hoffnung, aber es wäre schön, wenn nun doch der eine oder andere es nicht mehr für nötig hielte, da unbedingt selbst hochzugehen.
Ralf1234 30.10.2019
5.
14 Achttausender in sechs Monaten ! Wenn ich da an die vielen Bergsteiger denke, die sich monatelang auf einen Berg vorbereiten und wenn sie es geschafft haben stolz wie Bolle sind den Berg bezwungen zu haben und dann kommt da einer her und macht mal schnell 14 Stk davon nacheinander in einem Jahr! So relativiert sich alles
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