SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

04. Februar 2007, 10:02 Uhr

Berlin, Innenministerium

Die Sicherheitszukunft

August Hanning, der Staatssekretär, hat jahrelang den Bundesnachrichtendienst geleitet; wenn einer gelernt hat, mit Risiken umzugehen, dann er. Allerdings ist Hanning damit auch ein Mann, der in der Tradition der konventionellen Gefahrenabwehr steht: lieber auf Nummer sicher gehen, doppelt genäht hält besser. Und nie vergessen: Politiker stürzen, weil sie zu viel riskieren, nicht zu wenig.

August Hanning: "Bis wir Fluggäste bis auf die Unterhose ausziehen, haben wir noch einen großen Handlungsspielraum"
DPA

August Hanning: "Bis wir Fluggäste bis auf die Unterhose ausziehen, haben wir noch einen großen Handlungsspielraum"

Geht es nach Hanning, wird alles so weiterlaufen wie bisher: "Bis wir Fluggäste bis auf die Unterhose ausziehen, haben wir noch einen großen Handlungsspielraum." Für ihn steht fest: Was der Staat tut, hängt allein von den Bedrohungsszenarien ab. Und weil dies ein ständiger Wettlauf mit den Terroristen sei, die ständig nach neuen Lücken im System suchten, könne natürlich auch der Tag kommen, an dem "Fluggäste auf das Handy und den Laptop im Handgepäck verzichten müssen und das Handgepäck noch kleiner wird". Vielleicht müsste sich jeder Passagier vor dem Flug sogar eine Sicherheitsüberprüfung gefallen lassen.

"Die Menschen", versucht Hanning die Bundesbürger schon mal schonend vorzubereiten, "müssen sich eben umstellen, wenn sie weiterfliegen wollen." Entsprechend wenig hält Hanning von einer neuen Sicherheitsphilosophie, von einer Kontrolle der zwei Geschwindigkeiten. "Rein rational mag ja einiges für Trusted-Passenger-Programme sprechen, aber wo wollen Sie die Grenze ziehen? Alle Muslime ausschließen?"

Müssen Passagiere in 20 Jahren weiße Overalls tragen?

Genau an dieser Frage wird nun also in Brüssel gearbeitet, auch die Lufthansa hat noch keine genaue Vorstellung, wie es gehen könnte. Befürworter solcher Programme argumentieren damit, dass der Staat in anderen Bereichen auch nicht alle Menschen gleich behandelt. Ob bei Alkoholkontrollen der Polizei oder bei Steuerprüfungen des Finanzamtes, auch dort werde nach Verdachts- oder Gefährdungslagen ausgesiebt.

Und selbst am Flughafen gebe es doch Ausnahmen: Die Bundespolizisten am Frankfurter Airport müssen sich nicht bei Dienstbeginn flöhen lassen, weil natürlich keiner ernsthaft glaubt, dass einer von ihnen Terroristen hilft. Aber glaubt man das bei Lufthansa-Kapitänen? Die Gegner fragen allerdings, wie man zum Beispiel Deutsche mit arabischen Wurzeln ausschließen wolle. Und wenn nicht sie, wen dann. Vor allem: wie gerichtsfest? Und was, wenn man dann gar keinen ausschließen dürfe: Wachse dann nicht das Risiko, dass ein Attentäter als registrierter Passagier besonders einfach an sein Ziel gelangen könnte?

Noch hat keiner darauf eine Antwort. Auf die Frage, ob man in 20 Jahren ohne Handgepäck fliegt, nach Bekleidungsvorschriften des Bundesinnenministeriums oder gar im weißen Overall der Fluggesellschaft, allerdings auch nicht.

<b>Zurück zum Haupttext</b>

URL:



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung