Berlin, Innenministerium Die Sicherheitszukunft


August Hanning, der Staatssekretär, hat jahrelang den Bundesnachrichtendienst geleitet; wenn einer gelernt hat, mit Risiken umzugehen, dann er. Allerdings ist Hanning damit auch ein Mann, der in der Tradition der konventionellen Gefahrenabwehr steht: lieber auf Nummer sicher gehen, doppelt genäht hält besser. Und nie vergessen: Politiker stürzen, weil sie zu viel riskieren, nicht zu wenig.

August Hanning: "Bis wir Fluggäste bis auf die Unterhose ausziehen, haben wir noch einen großen Handlungsspielraum"
DPA

August Hanning: "Bis wir Fluggäste bis auf die Unterhose ausziehen, haben wir noch einen großen Handlungsspielraum"

Geht es nach Hanning, wird alles so weiterlaufen wie bisher: "Bis wir Fluggäste bis auf die Unterhose ausziehen, haben wir noch einen großen Handlungsspielraum." Für ihn steht fest: Was der Staat tut, hängt allein von den Bedrohungsszenarien ab. Und weil dies ein ständiger Wettlauf mit den Terroristen sei, die ständig nach neuen Lücken im System suchten, könne natürlich auch der Tag kommen, an dem "Fluggäste auf das Handy und den Laptop im Handgepäck verzichten müssen und das Handgepäck noch kleiner wird". Vielleicht müsste sich jeder Passagier vor dem Flug sogar eine Sicherheitsüberprüfung gefallen lassen.

"Die Menschen", versucht Hanning die Bundesbürger schon mal schonend vorzubereiten, "müssen sich eben umstellen, wenn sie weiterfliegen wollen." Entsprechend wenig hält Hanning von einer neuen Sicherheitsphilosophie, von einer Kontrolle der zwei Geschwindigkeiten. "Rein rational mag ja einiges für Trusted-Passenger-Programme sprechen, aber wo wollen Sie die Grenze ziehen? Alle Muslime ausschließen?"

Müssen Passagiere in 20 Jahren weiße Overalls tragen?

Genau an dieser Frage wird nun also in Brüssel gearbeitet, auch die Lufthansa hat noch keine genaue Vorstellung, wie es gehen könnte. Befürworter solcher Programme argumentieren damit, dass der Staat in anderen Bereichen auch nicht alle Menschen gleich behandelt. Ob bei Alkoholkontrollen der Polizei oder bei Steuerprüfungen des Finanzamtes, auch dort werde nach Verdachts- oder Gefährdungslagen ausgesiebt.

Und selbst am Flughafen gebe es doch Ausnahmen: Die Bundespolizisten am Frankfurter Airport müssen sich nicht bei Dienstbeginn flöhen lassen, weil natürlich keiner ernsthaft glaubt, dass einer von ihnen Terroristen hilft. Aber glaubt man das bei Lufthansa-Kapitänen? Die Gegner fragen allerdings, wie man zum Beispiel Deutsche mit arabischen Wurzeln ausschließen wolle. Und wenn nicht sie, wen dann. Vor allem: wie gerichtsfest? Und was, wenn man dann gar keinen ausschließen dürfe: Wachse dann nicht das Risiko, dass ein Attentäter als registrierter Passagier besonders einfach an sein Ziel gelangen könnte?

Noch hat keiner darauf eine Antwort. Auf die Frage, ob man in 20 Jahren ohne Handgepäck fliegt, nach Bekleidungsvorschriften des Bundesinnenministeriums oder gar im weißen Overall der Fluggesellschaft, allerdings auch nicht.

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Seite 1
Paolo, 31.01.2007
1.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- Wir haben zwar eine Zweiklassengesellschaft, was die "Unterbringung der Passagiere im Flieger angeht. Aber das jetzt eine Zweiklassengesellschaft eingeführt wird, die nach dem Prinzip des Nasenfaktors läuft - denn was anderes ist ja wohl das "Vertrauenswürdige" wohl kaum - setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Oder besser: Turban. Denn diese Passagiere dürften ab sofort nur noch im Anhänger mitfliegen...
fx33 31.01.2007
2.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- Welche Terrorbedrohung? Über diese ach so gefähliche Bande von islamistischen Flüssigsprengstoffmixern hat man nie wieder etwas gehört. Experten haben das ohnehin für Humbug gehalten, daß an Bord eines Flugzeugs Sprengstoff zusammengemixt werden kann. Es geht darum, die Terror*angst* am Köcheln zu halten, weil sich so für die Staaten der westlichen Welt, die ja über gewisse Freiheitsrechte für ihre Bürger verfügen, ein Überwachungsinstrumentarium zurechtbasteln können, was Sie ohne diese Angst nie im Leben gegen ihre Bevölkerung durchsetzen könnten. Diese Regelung mit den Flüssigkeiten an Bord ist absoluter Quatsch und soll nur die Aufmerksamkeit davon ablenken, daß im Hintergrund noch ganz andere Sachen passieren.
takeo_ischi 31.01.2007
3.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- Wenn die letzten Jahre des Terrorismus eines gezeigt haben ist es, daß niemand als absolut vertrauenswürdig eingestuft werden kann. Gelte ich als vertrauenswürdig wenn ich regelmäßig die gleiche Strecke fliege und bei allen bisherigen Kontrollen nichts Verdächtiges dabei hatte? Das würde nicht funktionieren. Ein Terrorist kann auch erst 20-mal mit einem 'falschen Hasen' einchecken und beim 21sten Mal dann, wenn er durchgewunken wird die Bombe dabei haben. Oder ist der automatisch vertrauenswürdig, der wichtige Fürsprecher hat, oder im Auftrag rennomierter Unternehmen unterwegs ist? Auch das würde nicht Funktionieren, da er ebenso käuflich sein könnte. Oder bin ich vertrauenswürdig wenn ich kein bärtiger Moslem bin? Das wäre noch absurder, außerdem diskriminierend und nicht grundgesetzkonform. Die einzige Variante die nicht bloße Augenwischerei und Scheinsicherheit wäre, ist die zusätzliche Anstellung von Sicherheitspersonal und die Ausweitung der Parallelabfertigung. Wobei dies dann wieder durch 'Ticketpreisanpassungen' auf den Kunden zurückfallen würde. Da würde dann erst das richtige Gezeter losgehen. Ich sehe gerade keine bessere Lösung als die Situation zu ertragen. Obwohl, eventuell könnte man separate 'Premium-Nutzer-Schalter' einführen. Deren Benutzung dann zwar teurer, aber dafür express wäre. Wenn sowieso die Firma des unter Zeitdruck Handlungsreisenden den Sonderkontrolleur finanziert wäre das doch eine feine Sache. Nachteil wäre eine sichtbare Zweiklassengesellschaft, die zum Unmut der Pauschalreisenden führen könnte. Aber dies wäre dann z.B. organisatorisch oder baulich zu lösen.
Reziprozität 31.01.2007
4.
---Zitat von sysop--- Die Terrorbedrohung hat zu immer schärferen Sicherheitskontrollen auf Flughäfen geführt. Viele Passagiere klagen über die zeitaufwändigen Prozeduren. Sollten vertrauenswürdige Fluggäste bevorzugt abgefertigt werden? Welche anderen Alternativen gibt es? ---Zitatende--- "Vertrauenswuerdige" Flugpassagiere, mit welchen Kriterien soll denn da eine Kategorisierung vorgenommen werden? Da sich die bis dato aus diversen Datanbankcocktails verquirlten Informationen ueber den "gruenen", "gelben" oder gar "roten" Status eines Passagiers (man erinnere sich an Cat Stevens und Edward Kennedy) allzuoft als grob falsch erwiesen haben, scheint es mir fuer potentielle Anschlagstaeter ein Leichtes zu sein sich den V-VIP-Status zuzulegen. Im Ergebnis waere das eine signifikante Verschlechterung der Flugsicherheit. @fx33: Sie haben vollkommen Recht! Nun muesste man den Verantwortlichen nur noch stecken, dass man bspw. aus Schiessbaumwolle Papier oder gar Stoffe, vulgo Buchseiten, herstellen kann, dann stehen bald alle im Eva-/Adamskostuem im Jet, denn den Sitzbezuegen kann man ja dann auch nicht mehr trauen... :-o
Marquis d`Anjou, 31.01.2007
5.
Orwells Vision u.Utopie hat uns mit erschreckender Wirklichkeit nicht einge- sondern bereits überholt. Was vor 9/11 bereits in den Köpfen derer schlummerte, die sich Sicherheits-Experten, Heimat-Schützer, Geheim-Dienstler, Daten-Verantwortlicher, Anti-Terror- Spezialisten etc...etc..nennen, haben in einer Art Blitz-Krieg der zivilisierten Welt ihr Sicherheits-Konzept übergestülpt und demontieren unter den Namen des Terrors die Freiheit. Anscheinend ist es noch wahrlich wenigen Menschen bewusst das jene Freiheit-1789- kein Kolateral-Schaden ist? Wir verlieren jene Freiheit an eine abstrakte Sicherheit die uns tagtäglich auf eine besondere paranoide Art und Weise in die Gehirne gehämmert wird. Freiheit, jene höchste Errungenschaft der zivilisierten Menschheit,ist in höchster Gefahr auszusterben.
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