Ab 30 Grad Celsius Hitzefrei für Berlins Kutschpferde

Sonnenstich, Schmerzen, Kreislaufversagen: Kutschpferde sind ernsten Gesundheitsrisiken ausgesetzt - vor allem bei hohen Temperaturen. In Berlin gelten nun neue Regeln für ihren Einsatz.

Andreas Gora/ imago images

Brandenburger Tor, Unter den Linden, Rotes Rathaus, Gendarmenmarkt: Eine Kutschfahrt ist für viele Hauptstadttouristen ein besonderes Erlebnis. Doch gerade im Sommer kann so eine Fahrt eine Tortur sein - zumindest für die Pferde. Um sie zu schützen, gibt es nun eine neue Richtlinie für Berliner Pferdekutschbetriebe, wie die Senatsverwaltung für Justiz mitteilt. Demnach dürften ab 30 Grad Celsius im Schatten künftig keine Pferdekutschen mehr fahren.

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Pferdekutschen in Berlin: Fahrverbot bei Sommerhitze

Bei solch hohen Temperaturen könne es bei den Tieren zu "erheblichen Schmerzen" und Schäden wie Kreislaufversagen bis hin zum Sonnenstich kommen, heißt es.

Zudem müsse den Pferden außerhalb des Einsatzes täglich zwei Stunden freie Bewegung auf unbefestigtem Boden eines genügend großen Auslaufs gewährt werden. "Kutschfahrten in einer Millionenmetropole bedeuten enormen Stress für die Pferde", erklärte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Im Sinne des Tierschutzes sei es daher erforderlich, klare Vorgaben zum Tierwohl zu machen.

Schwere Verstöße gegen oder die mehrfache Nichtbeachtung der Kutschenleitlinien können für Fuhrbetriebe zum Entzug der tierschutzrechtlichen Erlaubnis führen.

Wie Rom die Pferde schützt

In Berlin wird seit Langem über die bei Touristen beliebten Pferdekutschen diskutiert. In ihrem Koalitionsvertrag hatten SPD, Linke und Grüne vereinbart, dass in der Innenstadt keine Pferdekutschen mehr fahren sollen. Zehntausende Menschen unterschrieben zudem eine Onlinepetition gegen Kutschen. Laut der Tierschutzorganisation Peta gibt es in Berlin mindestens zehn Kutschfahrt-Anbieter, die mehr als hundert Tiere für sich arbeiten lassen.

Ein vom Bezirksamt Mitte Ende 2017 verhängtes Fahrverbot für Pferdegespanne vor dem Brandenburger Tor hob das Verwaltungsgericht vor gut einem Jahr allerdings wieder auf. Auf eine Beschwerde gegen diese Entscheidung verzichtete das Bezirksamt.

Auch in anderen Städten gibt es Debatten über den Umgang mit Pferdekutschen. Rom wollte sie vor einiger Zeit durch elektronische Fahrzeuge ersetzen - doch das ist bisher nicht geschehen. Allerdings gibt es in Italiens Hauptstadt neue Regeln, nach denen Kutschen nur noch in Parks und nicht mehr im Zentrum verkehren dürfen. Zudem wurde die Dauer einer Tour auf 45 Minuten begrenzt und der Einsatz eines Pferdes pro Tag auf sechs Stunden.

jus/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
karlsiegfried 13.05.2019
1. Vollkommen richtig
Sollen die Kutscher mal bei 30 Grad im Schatten ihre Kutschen selber ziehen. Dann wissen auch die, was das beduetet.
goodcharlotte 13.05.2019
2. Pferde gehören nicht in die Stadt
Ich finde Rad fahren in Berlin schon mörderisch, aber ich mache das freiwillig. Oder die PKW kommen raus. In Berlin fahen definitiv zu viele Autos. Siehe das spanische Pontevedra, Europas erste autofreie Stadt.
1019 13.05.2019
3. O mei.
Wenn das 40 Grad waeren, ok. Aber bei 30? Zu meiner Schulzeit gab es einen netten Spruch: '26 Grad im Schatten, wir schwitzen wie die Ratten. Die Schule ist 'ne Schweinerei, wir wollen alle Hitzefrei. Das war for Kreta.
Einhorn 13.05.2019
4. Wie wird kontrolliert?
Wie wird der Nachweis geführt, wie viele Stunden das Tier gearbeitet hat und wie viel Freizeit es auf der Weide verbringt? Fahrtenbücher? Eindeutige Kennzeichnung? Wie viel Personal ist für die Kontrolle im Sommer abgestellt? Hier in Stuttgart ist wie überall in Deutschland das Parken im Kreuzungsbereich verboten. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder andere an eine kreative Protestaktion, bei der falsch geparkte Fahrzeuge zahlreich als Weihnachtspakete verpackt wurden. Effekt? Genau: 0. Kurzes Medienecho, kurze Empörung über "angefasste" Autos (jaja, die Schwaben :-) ) - und nichts weiter.
carnicle 13.05.2019
5. Unglaublich
Wie kann man das erlauben.Pferde gehören überhaupt nicht in die Stadt. Alles nur Geldmacherei. Unsere Politik ist nicht fähig etwas für Tiefschutz zu tun.
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