Toiletten-Wettbewerb in den USA Paradiese für Sitzenbleiber

Ornamentale Spiegel, gerundete Wände - und im Waschraum werden Drinks serviert: Die schönste Toilette der USA besitzt das Varsity Theater in Minneapolis, entschied eine Online-Abstimmung. Deren Ausrichter will auch auf den weltweiten Toilettenbedarf hinweisen.

Courtesy of Cintas

Man kennt das, zumindest als Frau. Ob eine Reise rundum gelungen ist, hängt auch von der Toilettenlage ab. Gibt es öffentliche Klos am Reiseziel, und wenn ja, sind sie benutzbar? Wenn nicht, wie hoch ist die Dichte der Fast-Food-Ketten, in deren Edelstahlkabinen man sich rettet - nicht selten zum Preis einer Zwischenmahlzeit?

Welch Glücksmoment, wenn man dann während der Theaterpause oder beim Restaurantbesuch auf wahrhaft königliche Örtlichkeiten trifft. Gäste schätzen diese Art von Aufmerksamkeit, gute Toiletten können wahre Begeisterung entfachen. Hoteliers, Restaurant-, Theater- und Flughafenbetreiber, die das bedenken, sammeln mächtig Punkte.

Den stärksten Beifall geerntet hat jetzt das Varsity Theater in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Seine Gästetoiletten landeten auf dem ersten Platz beim US-weiten "Best Restroom"-Wettbewerb. Gerundete, schiefe, mäandernde Backsteinwände, ornamental gestaltete Spiegel, Fußpedale, die die Wasserhähne in Gang setzen - Besucher fühlen sich wie Alice in einer Wunderland-Grotte.

Abgestimmt wurde per Internet, ausgerichtet hat den Wettbewerb die amerikanische Firma Cintas, die Hotels, Restaurants und Flughäfen mit Hygieneartikeln beliefert. Vor zwölf Jahren rief sie den Wettbewerb ins Leben, um klarzumachen: "Ein Toilettenbesuch sollte unvergesslich sein. Wie ein Geschäft seine Toiletten pflegt, zeigt, wie viel ihm an seinen Kunden liegt." Auf seiner Homepage bittet Cintas um Hinweise auf herausragende Fazilitäten und ruft zur Online-Abstimmung auf. Zehn Toiletten kommen jeweils in die Endauswahl.

VIP-Gefühl für alle

Die Örtlichkeiten im Varsity Theater seien halb Toilette, halb Lounge. In Letzterer treffen sich Männlein und Weiblein. Sie hören und sehen, was auf der Bühne des Vaudeville-Theaters vor sich geht, und - VIP-Gefühl für alle - selbst Getränke werden dort serviert. Kellner reichen sie über die Rückwand der Bar direkt herein.

Noch mehr Öffentlichkeit stellt das Café Sloan's Icecream in West Palm Beach in Florida her. Der Gast blickt durch die gläserne Kabinentür nach draußen - zu sehen sei er drinnen aber nicht, versprechen die Betreiber. Elegant im Art-déco-Stil gehalten ist die Damentoilette im Hotel Waldorf Astoria New York: Marmor, Zierleisten, eine Servicekraft, Kabinen mit eigenem Spiegel, Handwaschbecken aus Porzellan und Luxuskosmetik bieten den absoluten Luxus.

Dass 2,5 Milliarden Menschen weltweit gar keinen Zugang zu Toiletten haben, die den Namen verdienen, darauf will Cintas auch aufmerksam machen. Das Abstimmungsergebnis wurde zum Welttoilettentag am 19. November bekannt gegeben. Seit 2001 wird dieser 2001 von der Welttoilettenorganisation begangen, in diesem Jahr haben sich die Vereinten Nationen angeschlossen.

Ein Ort der Reinigung und Innenschau

Ihr Ziel sei es, Tabus zu brechen und dem Ausbau sanitärer Anlagen weltweit Priorität zu verleihen, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Tatsächlich sterben weltweit mehr Menschen an den Folgen mangelnder Sanitärhygiene als an Aids, Malaria und Masern zusammengenommen.

Auch die Nonprofit-Organisation der Toilet Hackers setzt sich dafür ein, weltweit mehr Toiletten zu installieren. Im südkoreanischen Suwon eröffnete 2009 das Mr. Toilet House, ein zweistöckiger futuristischer Bau, als Museum für Klokultur. Sein Erbauer, der mittlerweile verstorbene Koreaner Sim Jae Duck, pflegte ein reges Interesse an Toiletten und wurde Mr. Toilet genannt. Er gründete die World Toilet Association General Assembly. "Die Toilette ist ein Ort der Entspannung und Reinigung, der Innenschau", sagte er. "Deshalb ist sie ein zentraler Lebensraum - und besitzt eine eigene Kultur."

bon

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insgesamt 9 Beiträge
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zerr-spiegel 21.11.2013
1. Direkt nach putzen fotografiert
Da war der Fotograf aber unmittelbar nach der Putzfrau drin. Wenn erstmal eine Herde "Damen" über die Örtlichkeit hergefallen ist, dann dürfte es kaum noch so einladend sein, dass man dort einen Drink nehmen möchte.
spon-facebook-10000523851 21.11.2013
2. Also, um das zu schlagen
gehoert dann noch Sushi serviert. Warum da ein derartiger Ueberfluss an Unnoetigem stattfindet ist mir ein Raetsel. Sauber, zweckmaessig und ansprechend sollte es sein, aber ein Klo zu einer Scheisserlebniswelt umzubauen geht mir zu weit. Werden Haeufchen nun auch schon verherrlicht ? Rein und raus ist fuer mich massgebend und nicht, dass da Leute rumhocken die Lulu gehen mussen, oder noch dicker. Mir waere da ein Handzwangsreiniger beim Ausgang wesentlich lieber.
susiwolf 21.11.2013
3. Gedächtnisschwund ...
Bei diesen Luxusorgien während der 'Geschäfts'-Zeit kann es durchaus passieren, dass vor lauter Ablenkung ganz vergessen wird, weswegen man in diese Räumlichkeiten gekommen ist ... Ist mir passiert in Minnesota - im 'best-restroom' for ladies ! Die reinigenden Geister waren 'happily amused' als sie mich schon das 3. Mal erkannten. Wie heisst es so schön ? "Ein gutes Essen in einem hervorragenden Restaurant erkennst Du an der Qualität der Toilette" ... Es soll in dem 'weiblichen rest-rooms' schon vorgekommen sein, dass ladies dort mehr Zeit verbrachten, als im eigentlichen Restaurant ... Guten Appetit immerdar und trotzdem.
susiwolf 21.11.2013
4. Vom 'Lulu' machen ...
Zitat von spon-facebook-10000523851gehoert dann noch Sushi serviert. Warum da ein derartiger Ueberfluss an Unnoetigem stattfindet ist mir ein Raetsel. Sauber, zweckmaessig und ansprechend sollte es sein, aber ein Klo zu einer Scheisserlebniswelt umzubauen geht mir zu weit. Werden Haeufchen nun auch schon verherrlicht ? Rein und raus ist fuer mich massgebend und nicht, dass da Leute rumhocken die Lulu gehen mussen, oder noch dicker. Mir waere da ein Handzwangsreiniger beim Ausgang wesentlich lieber.
Sie verkennen hier etwas @spon- Es ist nicht (mehr) das Klo im Theater - sondern das Theater im Klo. Was machen Sie häufiger ... Häufchen oder Theaterbesuche ? Also ... ?
bikerrolf 21.11.2013
5. Ich sag' nur
China, China, China!
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