Sparzimmer bei Reiseveranstaltern Besserer Preis, gleiche Qualität?

Sie heißen Best-Price- oder Super-Sparzimmer - und versprechen Sommerferien zum Schnäppchenpreis. Im besten Fall sind sie völlig gleichwertig mit teureren Unterkünften. Ein Überblick über die Angebote der Reiseveranstalter.
Katalogstudium: Woran wird beim Sparzimmer gespart?

Katalogstudium: Woran wird beim Sparzimmer gespart?

Foto: Andreas Thomas/Thomas Cook/picture alliance / dpa

Die Sommerferien stehen vor der Tür - und das hektische Katalogblättern, online wie offline, beginnt. Mit Glück lässt sich noch ein Last-minute-Schnäppchen machen. Aber Reiseveranstalter verstecken inzwischen auch in ihren regulären Angeboten welche zum Minimaltarif. Damit lassen sich einige Hundert Euro sparen. Doch auf wie viel Luxus oder Bequemlichkeit muss man dann verzichten?

Beim Reisekonzern TUI und seiner Preiswertmarke 1-2-Fly heißen die Discount-Unterkünfte "Best-Price-Zimmer". Es gibt sie in mehreren Hundert Hotels an allen wichtigen Küsten von Antalya bis zur Algarve. Verschämt werden sie nicht im Hauptkatalog beworben, zu finden sind sie aber im Preisteil und natürlich in den Buchungssystemen der Reisebüros.

Sparen lässt sich so durchaus, im Schnitt sind es 10 bis 15 Prozent auf den Hotelpreis. Dabei geht der Urlauber kein großes Risiko ein: Auch die Best-Price-Zimmer erfüllen die TUI-Standards. Das Meer ist von den Günstigzimmern aus in der Regel allerdings nicht zu sehen. Manche befinden sich in der Nähe des Parkplatzes oder neben dem Aufzug. Und beeilen muss man sich auch, denn das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei den Billigfliegern: Wer zuerst kommt, reist am günstigsten. Das Angebot ist kontingentiert.

Roulette beim Buchen

Auch Alltours offeriert sogenannte Best-Price-Zimmer - unübersehbar rot markiert im Preisteil des Reisekatalogs. Der besondere Pfiff: Hier wird eine begrenzte Anzahl der exakt gleichen Zimmer zu reduzierten Preisen angeboten. "Der Kunde erhält die volle Leistung, spart aber erheblich", verspricht der Katalog.

Hintergrund: Alltours versucht, auf diese Weise Gäste zum frühen Buchen zu bewegen. Und das kann sich lohnen: So kostet ein zweiwöchiger All-inclusive-Urlaub im 4,5-Sterne-Hotel Borneo auf Mallorca in der Hochsaison 799 statt 911 Euro. Das entspricht einer Ersparnis von 112 Euro.

Solange der Vorrat reicht, heißt es auch bei der neuen Rewe-Marke Travelix für "Economy Zimmer". Die Billigzimmer kosten zum Beispiel im Hotel Albatros Garden Resort in Hurghada bei 14 Tagen Aufenthalt mit All-inclusive-Verpflegung und Anreise am 2. August nur 671 statt 780 Euro im komfortableren Standard-Doppelzimmer.

Allerdings sagt die Ausschreibung auch klipp und klar, dass die Economy-Zimmer etwas einfacher ausgestattet sind. Im genannten Fall fehlt der Stehbalkon. Anderswo sind die Zimmer kleiner, sie liegen über der Lobby oder zur Straßenseite. Oft gibt es auch nur eine Dusche statt einer Badewanne.

Bis zu 25 Prozent Ersparnis verspricht Neckermann Reisen Urlaubern, die sich ein "Sparzimmer" aus dem Katalog aussuchen. Dabei handelt es sich um ein kleines Kontingent ganz normaler Standardzimmer. Wer bei dieser modernen Art des Roulettespiels mitmacht, der zahlt zum Beispiel im Viersterne-plus-Hotel Alhambra Thalasso in Tunesien für eine Woche Flug und Halbpension ab 8. August nur 509 statt 561 Euro.

Der Clou dabei: Niemand muss befürchten, in der Besenkammer zu landen. Ein gutes Standard-Doppelzimmer ist dem Gast garantiert, mit ein bisschen Glück kommt eine Junior-Suite dabei heraus. Denn die Spartipp-Angebote sind reine Buchungsanreize für Schnäppchenjäger.

"T" oder "M" im Katalog machen den Unterschied

Bei Schauinsland Reisen heißen die Discount-Unterkünfte "Super-Sparzimmer" beziehungsweise "Super-Sparapartment". Sie sind im Katalog ausgeschrieben und in der Hotelpreis-Spalte separat ausgewiesen, werden aber nicht extra beworben. Im Hotel Platja Daurada in Can Picafort auf Mallorca ergibt sich so in der Hochsaison ein Preisunterschied von 15 Euro pro Person und Nacht. Bei einem 14-tägigen Aufenthalt mit zwei Personen macht das eine Ersparnis von über 400 Euro zum "normalen" Doppelzimmer.

Eine Leistungseinschränkung ist mit der Ersparnis normalerweise nicht verbunden. "Es handelt sich um ein Zimmerkontingent, für das mit dem Hotelier ein besserer Preis ausgehandelt wurde", erklärt Schauinsland-Sprecherin Sarah Bousard. Wo das Zimmer tatsächlich zum Beispiel einen kleineren Balkon hat, wird im Text extra darauf hingewiesen. Auch hier geht es eigentlich um einen zusätzlichen Anreiz für Frühbucher.

Mal "Economy", mal "Low Cost": Bei FTI laufen preisreduzierte Zimmer unter unterschiedlichen Namen. Erkennbar sind die Low-Cost-Doppelzimmer in den Preistabellen durch ein "T" im Buchungscode DZT. Auf Economy-Angebote weist der Buchstabe "M" hin. Im Hochsommer zahlt man zum Beispiel so für eine Nacht im Hotel Marti La Perla in Marmaris/Türkei für das Low-Cost-Doppelzimmer 82 Euro - das sind 15 Euro weniger als fürs komplett identische Doppelzimmer mit seitlichem Meerblick.

Low-Cost-Zimmer haben in der Regel keinerlei Leistungseinschränkungen gegenüber Standard-Doppelzimmern. Bei Economy-Zimmern muss sich der Kunde auf kleinere Einschränkungen einstellen - beispielsweise hat das Economy-Doppelzimmer im Marti Resort nur einen französischen statt eines "richtigen" Balkons.

Hans-Werner Rodrian/srt/abl
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