Reiserecht BGH stärkt Fluggastentschädigung bei Umsteigeverbindungen

Den Anschlussflug verpasst und Stunden zu spät am Ziel? Den Passagieren steht auch dann eine Entschädigung zu, wenn an der Verbindung eine Nicht-EU-Fluglinie beteiligt ist, urteilt der BGH - unter einer Bedingung.

Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe:
Christoph Schmidt/DPA

Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe:


In der EU gilt: Wenn eine Fluglinie ihre Passagiere zu spät ans Ziel bringt, steht ihnen je nach Verzögerung eine Entschädigung zu. Doch ganz so einfach ist die Rechtslage oft nicht. Jetzt sorgt der Bundesgerichtshof (BGH) für Klarheit in einem weiteren Fall - die Frage war: Gilt der Anspruch auch, wenn außerhalb Europas in eine Nicht-EU-Fluglinie umgestiegen wird?

Zunächst bekräftigten die Karlsruher Richter in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil: Der Anspruch bestehe auch, wenn der in der EU gestartete Ausgangsflug nur gering verspätet war, dadurch aber der Anschluss an einem außerhalb der EU gelegenen Drehkreuz verpasst wird. Bei einer einheitlichen Buchung gilt dies danach selbst dann, wenn für den Anschlussflug eine Nicht-EU-Fluglinie verantwortlich war.

Die Kläger wollten von Stuttgart nach Sri Lanka. Mit Air Serbia flogen sie zunächst nach Belgrad. Von dort sollte es mit einer nichteuropäischen Fluglinie über Abu Dhabi nach Colombo gehen. Weil der Ausgangsflug mit 53 Minuten Verspätung in Belgrad landete, wurde der Anschluss dort nicht erreicht. In Colombo kamen die Passagiere dann erst mit neunstündiger Verspätung an.

Der BGH bekräftigte zunächst, dass die Kläger in Deutschland vor Gericht ziehen konnten, auch wenn hier keine deutsche Fluglinie beteiligt war. Der Start des Flugs in Deutschland reiche aus.

Maßgeblich für die Entschädigung ist eine Verspätung von mehr als drei Stunden am Zielort. Im Anschluss an die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg hatte der BGH schon 2013 entschieden, dass dies auch für Umsteigeverbindungen gilt.

Im damaligen Fall wurden allerdings alle Flüge von der spanischen Fluggesellschaft Iberia angeboten. Nach dem neuen Urteil ändert sich die Rechtslage nicht, wenn eine Nicht-EU-Fluglinie die Anschlüsse übernimmt. Voraussetzung ist danach lediglich, dass die Verbindung einheitlich gebucht wurde und die Verspätung am Zielort durch die Verspätung eines in der EU gestarteten Flugs entstand.

Vor zwei Wochen fällte der Europäische Gerichtshof in einem ähnlichen Fall ein Urteil. In der Verbindung von Prag über Abu Dhabi nach Bangkok war der erste Flug einer tschechischen Airline pünktlich, erst der Anschlussflug einer arabischen Gesellschaft kam mehr als acht Stunden zu spät. Auch hier sprachen die Richter den Klägern eine Entschädigung zu.

BGH, Aktenzeichen X ZR 93/18

abl/AFP



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