BGH-Urteil Reisebüro muss nicht über Reiseabbruchversicherung aufklären

Zwei Frauen aus Düsseldorf wollten in die USA reisen, doch schon in München erkrankte eine der beiden. Ihr Reisebüro hatte sie nicht auf die Möglichkeit einer Reiseabbruchversicherung hingewiesen. Dagegen klagte die verhinderte Urlauberin bis zum Bundesgerichtshof.


Karlsruhe - Reisebüros müssen ihren Kunden selbst dann nicht den Abschluss einer Reiseabbruchversicherung empfehlen, wenn sie ihnen eine mehrmonatige Individualreise verkaufen. Dies entschied der Bundesgerichtshof (BGH) heute in Karlsruhe. Damit siegte in letzter Instanz ein Reisebüro, das Kundinnen nicht über den Unterschied zwischen einer Reiserücktritt- und einer Reiseabbruchversicherung aufgeklärt hatte.

Eine der beiden Frauen war noch auf dem Zubringerflug erkrankt und hatte von dem Reisebüro 4000 Euro Schadenersatz wegen mangelhafter Beratung gefordert. Der BGH wies nun die Klage mit der Begründung ab, das Reisebüro brauche nicht ungefragt auf die Möglichkeit einer Abbruchversicherung hinweisen.

In der mündlichen Verhandlung hieß es, dass "die beiden Damen nicht die Jüngsten" waren. Sie wollten aber gleichwohl mit einem Wohnmobil drei Monate auf eigene Faust durch die USA reisen. Weil eine der beiden aber bereits auf dem Zubringerflug von Düsseldorf nach München schwächelte und der Flughafenarzt ihr dort von der Weiterreise abriet, fiel das Abenteuer ins Wasser, noch bevor es begonnen hatte.

Reisebüro muss auf Reiserücktrittskostenversicherung hinweisen

Die Reiserücktrittversicherung, die die beiden unternehmungslustigen Frauen auf Anraten des Reisebüros abgeschlossen hatten, wollte den entstandenen Schaden allerdings nicht übernehmen. Begründung: Die Reise habe mit dem Weg zum Flughafen bereits begonnen. Die Frauen hätten deshalb zusätzlich eine Reiseabbruchversicherung benötigt.

Der Anwalt der Klägerin hatte vor dem BGH argumentiert, ein Kunde glaube normalerweise, er könne von einer Reise zurücktreten, sobald er sie angetreten habe. Niemand habe seiner Mandantin gesagt, dass die Rücktrittsversicherung nur einen "begrenzten Versicherungsschutz" beinhalte und nur bis zum Tag des Abflugs gelte. Gerade wegen der Dauer der Reise hätte das Reisebüro auch auf die Abbruchversicherung hinweisen müssen. In den Buchungsunterlagen sei der Unterschied zwischen Rücktritts- und Abbruchversicherung unklar gewesen.

Dies wies der Anwalt des Reisebüros zurück. Es gehe hier um ein "allgemeines Lebensrisiko des Reisenden". Darüber müsse sich der Kunde selbst unterrichten und daher die Vertragsbedingungen lesen. Das Reisebüro sei nicht verpflichtet, auf weitere Versicherungen hinzuweisen. Der BGH urteilte, dass das Reisebüro zwar nicht auf die Möglichkeit einer Abbruchversicherung hinweisen muss, jedoch auf die einer Reiserücktrittskosten- und einer Rücktransportkostenversicherung.

Bundesgerichtshof, Aktenzeichen X ZR 182/05

abl/AFP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.