Mythische Monster Mein Nachbar, der Wolpertinger

Burgen, Schlösser und Heimatmuseen haben Sie genug gesehen? Dann schauen Sie sich doch mal an, wo die Anderen wohnen - Yeti oder Bigfoot, Trolle oder Vampire. Dass sie auch daheim sind, kann aber keiner garantieren.

Stephan Jansen/TMN

Das angesagteste Fabelwesen dieser Tage ist ohne Zweifel das Taschenmonster Pokémon. Was es von anderen Vertretern seiner monströsen Zunft unterscheidet, ist, dass man es an allen möglichen Orten tatsächlich findet.

Seine älteren Kollegen rund um den Globus sind da meist deutlich anders gestrickt. Viele von ihnen kennen wir Menschen schon seit Jahrtausenden. Und doch gibt es von den meisten mythischen Monstern nur kryptische Spuren, undeutliche Beweisaufnahmen sowie mehr oder minder glaubwürdige Zeugenaussagen.

Obwohl wir wissen, wo sie hausen, bleiben sie flüchtige Eindrücke, geflüsterte Gerüchte, Schatten im Halbdunkel und Geschichten, die man sich am Kamin erzählt. Noch niemand hat - zumindest in moderner Zeit - ein wirklich klares Nessie-Foto geschossen, einen Yeti gefangen, mit Bigfoot gefrühstückt oder dem Leprechaun den Goldtopf entrissen.

Aber vielleicht haben Sie ja mehr Glück?

Bigfoot, USA und Yeti, Himalaya

Beide sind mächtige, aufrecht gehende Tiere mit Riesenfüßen. Die Bigfoot Field Researchers Organization nimmt an, bei Bigfoot handele es sich um einen Primaten - womöglich um einen bisher nicht bekannten Menschenaffen. Wissenschaftler sehen in ihm eher ein kulturelles Phänomen: Im Kern eine Sage werde er durch Verwechselung mit anderen Tieren, Wunschdenken und auch gefälschte "Beweise" am Leben gehalten.

Das sagt man auch vom Yeti alias Schneemensch des Himalaya. Europas bekanntester Kraxel-Extremist Reinhold Messner - Spezialist für die Bewegung in so dünner Luft, dass normale Menschen schon Halluzinieren vor dem Kollabieren - hatte sogar das Glück, seine Spuren zu finden (er schrieb ein Buch darüber).

Warnhinweise: Falls Ihnen in den Rocky Mountains ein aufrecht gehender Fellberg begegnen sollte, bitten Sie den nicht gleich um ein Autogramm. Könnte auch ein Grizzly sein. Und sollten Sie im Himalaya auf die Suche gehen, beachten Sie: Halluzinationen sind Symptome der Höhenkrankheit. Da wird der Nachweis jeder Sichtung natürlich schwierig.
AP

Warnhinweise: Falls Ihnen in den Rocky Mountains ein aufrecht gehender Fellberg begegnen sollte, bitten Sie den nicht gleich um ein Autogramm. Könnte auch ein Grizzly sein. Und sollten Sie im Himalaya auf die Suche gehen, beachten Sie: Halluzinationen sind Symptome der Höhenkrankheit. Da wird der Nachweis jeder Sichtung natürlich schwierig.

Troll, Skandinavien

Die herausragende mythische Kreatur Nordeuropas ist der Troll: bucklig, langnasig, plump. Wer so aussieht, hat natürlich auch charakterlich deutliche Defizite. Das lässt sich nutzen, um beispielsweise aus einer Wanderung mit Kindern ("Laaangweilig! Wann sind wir dahaaa?") eine richtig spannende Sache zu machen ("Was war das? Hast du das gehört?").

Trolle findet man zur Belohnung übrigens auch an den Souvenirständen zwischen Hammerfest und Malmö oder auf Island und in Dänemark. Dass die norwegische Wanderregion Trollheimen nach einem Kinder stehlenden Unhold benannt ist, verschweigt man je nach Alter der Mitwandernden vielleicht besser. Stattdessen erklärt man mit dem Troll alles Unerklärbare: Wer war's? Der Troll war's! So erlernen schon kleine Kinder den Wert eines guten Alibis.

Trolle im Hunderfossen-Park, Norwegen
VisitNorway.com/TMN

Trolle im Hunderfossen-Park, Norwegen

Nessie, Schottland

Eines der - wenn auch erfolglos - besterforschten Fabelwesen ist Nessie. Das Ungeheuer von Loch Ness soll eine riesige Seeschlange sein. Das legen angebliche Sichtungen nahe, die bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Alles Irrtümer, sagen die meisten Wissenschaftler, die nicht an absichtliche Falschmeldungen glauben.

So oder so: Rund um Loch Ness gibt es jede Menge Gegend, in der absolut nichts los wäre, wenn es nicht das Monster gäbe. So ein Glück, denn deshalb bekommt man an Schottlands beliebtester Touristenattraktion überall was Warmes zu trinken, wenn man mal wieder zu lang im Nieselregen auf das Wasser gestarrt hat. Denn vielleicht klappt es ja doch: Mann, was würden Sie berühmt!

Meerjungfrau, Dänemark

Meerjungfrauen sind ungeheuer geheimnisvoll. Wir alle wissen, wie sie aussehen: oben Mensch, unten Fisch. Dafür sorgten das Märchen "Die kleine Meerjungfrau" und später Disney. Die eine steht heute im Hafen von Kopenhagen, verewigt in Bronze, die andere läuft in Wiederholung im TV.

Die kleine Meerjungfrau, Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.
DPA

Die kleine Meerjungfrau, Wahrzeichen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.

Bittersüße Legenden und Sagen über Meerjungfrauen, Nixen und ähnliche Wesen gibt es in vielen Ländern und Gegenden. Eine Sonderform sind die Selkies in Schottland und Irland: Im Wasser Seehunde, an Land wunderschöne Menschen. Im Herzen aber bleiben sie Seehunde, und wenn man ihr Fell nicht versteckt, kehren sie ins Meer zurück. Man ahnt: Das hat schon so manches Fischers Herz gebrochen.

Skinwalker, USA

Skinwalker sind der wandelnde Albtraum der Navajo-Indianer: Böse Menschen, die sich in beliebige Tiere wie Kojoten, Füchse oder Wölfe verwandeln können - oder sogar in andere Menschen. Wer mehr erfahren will, hat Pech: Über "den, der auf allen Vieren geht", redet der Navajo mit Fremden für gewöhnlich nicht. Wer jetzt "Werwolf?" denkt, liegt richtig: Legenden über Gestaltwandler gibt es in allen Kulturen.

Antelope Canyon, Arizona: Sieht cool aus, aber Vorsicht wegen der Skinwalker!
Arizona Office of Tourism/TMN

Antelope Canyon, Arizona: Sieht cool aus, aber Vorsicht wegen der Skinwalker!

Kappa, Japan

Dieser niedliche Kobold ist genauso süß wie heimtückisch und in Japan eine große Nummer. Die Mischgestalt - ein Affe mit Schildkrötenpanzer und Schwimmhäuten - lebt dem Volksglauben nach in Gewässern und zieht andere unter Wasser.

Die größte Schwäche des Kappa ist sein eigentümlichstes Merkmal: Er hat eine Delle in der Schädeldecke, die stets mit Wasser gefüllt sein muss, sonst verliert der Dämon seine Kraft. Was heißt das für Reisende? Sie müssen sich nur vor dem Kappa verbeugen, worauf sich dieser freundlich wie alle Japaner ebenfalls verbeugt und ...

Drop Bear, Australien

Dieses Beuteltier soll sich von oben herab auf den Kopf seiner Opfer fallen lassen. Daher der Name: Drop Bear, Fallbär. Das Wesen sieht dem Koala ähnlich und kann auf vielerlei Art abgeschreckt werden, beispielsweise durch Zahncreme hinter den Ohren.

Aufgepasst: Touristen werden angeblich häufiger Opfer des Drop Bears als Menschen mit australischem Akzent. Kinder sollten die Umgebung deshalb ganz besonders aufmerksam beobachten!

Könnte ein Koala sein, aber weiß man das sicher?
Tourism Australia/Julie Fletcher/TMN

Könnte ein Koala sein, aber weiß man das sicher?

Vampir, Südosteuropa

Sein Mythos geht auf den Aberglauben zurück, dass das Trinken von Blut neues Leben spendet. Der "Untote" ist eine Art lebender Leichnam, und der Star unter ihnen ist Dracula. Ein Vampir ist quasi unsterblich - es sei denn, man schlägt ihm einen Holzpflock mitten durchs Herz oder köpft ihn. Auch mit Weihwasser, Knoblauch und einem Kruzifix sind schreckhafte Reisende in Transsilvanien, Bulgarien oder Albanien gut ausgerüstet - das ist bei Verkehrskontrollen leichter zu erklären als Axt und spitze Holzpflöcke.

Vampir: Vorsicht, bissig!
AP/ Universal Pictures

Vampir: Vorsicht, bissig!

Wolpertinger, Bayern

Beweise dafür, dass es den Wolpertinger wirklich gibt, sind in vielen bayerischen Wirtshäusern zu sehen - ausgestopft und prominent ausgestellt. Jeder Wolpertinger scheint einzigartig, er ist eine Art Bio-Kollage: Oft hat er einen gehörnten Hasenkopf und Flügel statt Vorderläufe. Einen echten, lebenden Wolpertinger können allerdings nur junge, hübsche Frauen bei Vollmond erblicken, wenn sie von einem Mannsbild in den Wald begleitet werden. So macht man das in Bayern.

Leprechaun, Irland

Leprechauns sind tatsächlich häufig. Was nicht heißt, dass man ihr Gold auch bekommt.
AFP

Leprechauns sind tatsächlich häufig. Was nicht heißt, dass man ihr Gold auch bekommt.

Am Ende des Regenbogens, behaupten irische Märchen, sitze ein Leprechaun auf einem Topf voller Gold. Den kann man ihm abnehmen, wenn man es schafft, ihn an den Schultern festzuhalten. Auch, wenn man das kleine grüngekleidete Männchen in freier Wildbahn erwischt, hat man den Jackpot gewonnen: Dann muss der Leprechaun seinen Fänger zum Goldschatz führen.

Nur aus den Augen lassen sollte man ihn nicht, dann löst er sich in Luft auf. Was auch der Grund ist, dass so viele Iren zeitweilig sehr, sehr reich wurden, ohne das jetzt mit Gold belegen zu können. Ehrlich.

Oliver Kauer-Berk, dpa/Frank Patalong

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