Billigflieger-Boom Flugreisen ins Ausland nehmen enorm zu

In den vergangenen 16 Jahren hat sich die Zahl der Flugreisen von Deutschland ins Ausland mehr als verdoppelt. Vor allem die Billigfluglinien sind für den enormen Anstieg verantwortlich –Umweltschützer warnen vor Konsequenzen und fordern höhere Abgaben.


Wiesbaden - Der Boom der Billigflieger hat die Zahl der Flugreisen ins Ausland in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten nach oben schnellen lassen. Im vergangenen Jahr reisten 65,7 Millionen Passagiere von deutschen Flughäfen aus in andere Länder, das waren 41,4 Millionen mehr als noch 1990 (24,2 Millionen), wie das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden mitteilte. Damit stieg die Zahl in dem Zeitraum um das Zweieinhalbfache.

Landendes Flugzeug in Frankfurt: Massiver Anstieg in den vergangenen 16 Jahren
DDP

Landendes Flugzeug in Frankfurt: Massiver Anstieg in den vergangenen 16 Jahren

Dabei nahm neben den Reisen nach Asien vor allem die Zahl der Kurzstrecken-Flüge innerhalb Europas zu. Der Verkehrsclub Deutschland forderte, den Flugverkehr zu besteuern. Nur so werde weniger geflogen und klimaschädliches CO2 verringert.

Die Zahl der Passagiere, die ins europäische Ausland starteten, verdreifachte sich seit dem Jahr 1990 auf rund 51 Millionen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. 77,5 Prozent aller Passagiere auf Auslandsflügen steuerten damit europäische Ziele an. 1999 hatte der Anteil demnach bei 73,7 Prozent gelegen. Die meisten der zusätzlichen Passagiere starteten von Flughäfen mit Billigflug-Schwerpunkt wie Hahn, Dortmund, Paderborn/Lippstadt, Friedrichshafen oder Lübeck. Von solchen Flughäfen flogen im vergangenen Jahr rund vier Millionen Passagiere. Allein zwischen 2005 und 2006 wuchs die Zahl dieser Flüge um 11,3 Prozent.

Asiatische und arabische Ziele im Trend

Aber auch die Flüge nach Asien verdreifachten sich und trugen zum Hochschnellen der Flugzahlen seit 1990 bei. So flogen im vergangenen Jahr jeweils 16 mal mehr Menschen nach China, 17 mal mehr Menschen und in die Vereinigten Arabischen Emirate und 64 mal mehr Passagiere in das Wüstenemirat Katar. China hatte sich in den neunziger Jahren für den Tourismus geöffnet, auch die arabischen Emirate entdeckten den Fremdenverkehr in dieser Zeit als lukratives Standbein. Bei Flügen nach Amerika und nach Afrika verdoppelten sich die Passagierzahlen. Die Passagier-Anteile der beiden Kontinente sanken aber leicht auf 4,1 Prozent und 5,2 Prozent. Dafür stieg der Anteil von Asien von 7,1 Prozent auf 8,7 Prozent.

VCD-Bundesvorstand Monika Ganseforth forderte die Einführung einer Kerosinsteuer. Die Bahn müsse derzeit schon Mehrwert-, Mineralöl- und Ökosteuer bezahlen. Von diesen Steuern sei der "vielfach klimaschädlichere Flugverkehr" befreit, erklärte der ökologisch ausgerichtete Verkehrsverband. Mit einer Kerosinsteuer würde der Bau von sparsameren Flugzeugen beschleunigt. Außerdem würden die Ticketpreise steigen. Dies sei "unabdingbar, da allein durch technische Maßnahmen erreichte CO2-Einsparungen sonst durch das enorme Wachstum des Flugverkehrs wieder aufgefressen würden", erklärte Ganseforth.

Als erster Schritt solle eine nationale Ticketabgabe eingeführt werden. Mit den Einnahmen könnten Entwicklungsländer bei ihren Bemühungen zur Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden. Die Zusicherungen der Branche, sparsamere Flugzeuge zu bauen, führe nicht zum Ziel. "Das Beispiel der Autohersteller hat gezeigt, dass Versprechen der Industrie kein Ersatz für gesetzliche Regelungen sein können", erklärte VCD-Flugexperte Gerald Meyer.

sto/AFP



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