Billigflieger-Strategie Ryanair will Sitze statt Toiletten

Michael O'Leary setzt auf aggressive Preispolitik: Um Tickets günstiger zu machen, will der Ryanair-Chef in seinen Flugzeugen die Zahl der Toiletten reduzieren. Zudem stellt er Bedingungen für den Ausbau der deutschen Strecken.

Hahn/Dublin - Für Ryanair-Fluggäste könnte der Gang zur Bordtoilette bald schwieriger werden: Der irische Billigflieger hat die Pläne bekräftigt, die Toilettenzahl von drei auf eine zu senken. Die Benutzung soll aber entgegen früherer Überlegungen kostenfrei bleiben.

"Die Idee ist, die hinteren Toiletten auszubauen. Da könnte eine komplette Sitzreihe neu eingebaut werden", sagte Marketing-Managerin Henrike Schmidt am Freitag und bestätigte damit Äußerungen von Ryanair-Chef Michael O'Leary in britischen Medien.

Der Zeitung "The Independent" hatte er gesagt, der Toilettenausbau zu Gunsten von sechs zusätzlichen Sitzen würde "die Ticketpreise für alle Passagiere um rund fünf Prozent senken". Nur sehr selten würden alle drei Toiletten genutzt. Ryanair wolle Boeing bewegen, ihre 737-800 für eine Höchstzahl von 195 Passagieren zertifizieren zu lassen. Bisher sind 189 Fluggäste zugelassen. Eine konkrete Umsetzung des Plans sei noch offen, sagte Schmidt. Dagegen sei die Idee, für die Toilettenbenutzung beispielsweise einen Euro zu nehmen, fallen gelassen worden.

Mehr Strecken ab Flughafen Hahn

Am Donnerstag hatte Michael O'Leary neue Routen von Deutschland für 2012 in Aussicht gestellt - macht dies aber auch abhängig von einem Aus für die Luftverkehrssteuer. Der Ryanair-Chef begrüßte zwar die Absicht der Bundesregierung, die Steuer senken zu wollen. Aber: "Das reicht nicht", sagte O'Leary am Donnerstag auf dem Hunsrück-Flughafen Hahn der Nachrichtenagentur dpa. Für den Flughafen Hahn kündete er nach Streichungen im Winter neue Routen für das kommende Jahr an. "Je mehr die Steuer gesenkt wird, desto mehr neue Flugrouten wird es in Frankfurt-Hahn im nächsten Sommer geben."

Der irische Billigflieger will 2012 in Deutschland bei den Passagierzahlen eine Trendwende schaffen, denn nach zehn Millionen Fluggästen 2010 fliegen in diesem Jahr nur noch etwa acht Millionen mit Ryanair. Das Unternehmen führt dies auf die Ticketabgabe zurück. "Wir hoffen, das etwas umkehren zu können", sagte Marketing-Managerin Schmidt. Ob der neue Berliner Flughafen von Ryanair angeflogen wird, ist nach ihren Angaben noch offen. Sie verwies auch auf den neuen Standort Leipzig.

Der Flughafen Hahn ist Deutschlands größtes Drehkreuz von Ryanair, und die Airline wiederum ist mit Abstand wichtigste Fluggesellschaft am Hunsrück-Airport. Wegen der Luftverkehrssteuer hat Ryanair im Winterflugplan 13 Flugziele - darunter Palma und Faro - gestrichen und bietet noch 31 Routen an. Seit dem 1. Januar müssen Fluggäste eine Abgabe von acht Euro für Kurzstreckenflüge, 25 Euro für mittlere Strecken und 45 Euro für Langstreckenflüge zahlen.

Die Bundesregierung plant, die umstrittene Steuer ab kommenden Jahr zu senken als Ausgleich zu den Mehrkosten, die den Fluggesellschaften entstehen, weil sie von 2012 an in den Handel mit CO2-Verschmutzungszertifikate in der EU einbezogen werden.

abl/dpa

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