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09. Januar 2013, 12:19 Uhr

Problemserie bei Boeings "Dreamliner"

Drei Pannen in drei Tagen

Jetzt waren es die Bremsen: Wegen technischer Probleme musste der Flug eines Boeing-"Dreamliner" in Japan gestrichen werden. Der Defekt reiht sich ein in eine Pannenserie - zuvor war es in Boston zu einem Feuer an Bord und zu einem Treibstoffproblem gekommen.

Tokio - Es ist die dritte Boeing-Panne in drei Tagen: In Japan ist am Mittwoch ein geplanter Flug einer "Dreamliner"-Maschine gestrichen worden. Als Grund nannte die Fluggesellschaft All Nippon Airways Probleme mit dem Computer, der die Bremsen steuert. Eine schnelle Reparatur sei wegen eines fehlenden Ersatzteils nicht möglich gewesen. Der Flug des Boeing-Flaggschiffs sollte von Yamaguchi im Westen Japans nach Tokio gehen.

Damit setzt sich die jüngste Pannenserie beim "Dreamliner" fort. Zuletzt war in einer "Dreamliner"-Maschine am Bostoner Flughafen ein Brand ausgebrochen. Zudem trat bei einer weiteren Maschine Treibstoff aus.

Der Grund des Spritverlusts blieb zunächst unklar. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte im Dezember vor möglicherweise undichten Treibstoffleitungen beim Dreamliner gewarnt und angeordnet, dass die bislang ausgelieferten Maschinen auf falsch montierte Kupplungsstücke hin überprüft werden. Als Brandherd des Feuers vom Montag wird die Batterie einer Hilfsturbine im Bauch des Fliegers vermutet.

Der erst 2011 in Dienst gestellte zweimotorige Mittelklassejet ist das anspruchsvollste Modell des Airbus-Konkurrenten. Die Maschine ist zu großen Teilen aus leichten Karbonfasern gebaut und gilt daher als sparsam im Spritverbrauch. Allerdings kam es schon vor der Premiere immer wieder zu technischen Problemen.

So wurden 2012 bei einigen Modellen des Flugzeugs Reparaturarbeiten am Heck nötig. Abstandhalter zwischen der Außenhaut und der tragenden Konstruktion des Flugzeugs waren mangelhaft. Während die meisten Langstreckenflugzeuge eine Außenhaut aus Aluminium haben, ist die Hülle des "Dreamliner" fast vollständig aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.

49 ausgelieferte Maschinen

Ebenfalls 2012 fielen einem Bericht der Zeitung "The Post and Courier" in Charleston zufolge bei den Vorbereitungen für einen "Dreamliner"-Start im US-Staat South Carolina Triebwerksteile auf die Startbahn, die das angrenzende Gras in Brand setzten. Im Dezember wurde ein 787-Flug von Houston nach Newark wegen Problemen mit der Elektrik umgeleitet. 2010 musste ein Testflugzeug nach einem Feuer an Bord notlanden.

Der mittelgroße Dreamliner 787 soll hauptsächlich auf Langstreckenflügen eingesetzt werden. Nach denen besteht zwar eine kontinuierliche Nachfrage, auf vielen Routen jedoch nicht in ausreichend hohem Umfang für größere Maschinen.

Das Flugzeug könnte damit die bisherige Organisation von Langstreckenflügen aushebeln: Heute bringen kleine Jets die Passagiere zu zentralen Umsteigeflughäfen (Hubs), von wo sie Riesenjets wie die Boeing 747 oder der Airbus A380 nach Übersee befördern. Der Dreamliner würde viel mehr direkte Verbindungen von Stadt zu Stadt möglich machen. Boeing hat bisher 49 Exemplare ausgeliefert und 800 Bestellungen vorliegen.

sto/Reuters/dapd

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