Bundeskartellamt gegen Booking.com Worum es im Streit um die Bestpreisklauseln geht

Am Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt der Kartellsenat heute über die Bestpreisklauseln des Hotelportals Booking.com. Wettbewerbshüter wollen die umstrittenen Geschäftspraxis unterbinden.

Screenshot von Booking.com
booking.com

Screenshot von Booking.com


Für Reisende ist es verlockend: Über die Website Booking.com lassen sich Hotelzimmer auf der ganzen Welt reservieren - meistens mit großzügigen Stornierungsfristen und immer zu vergleichsweise günstigen Preisen. Die größte Onlineplattform für Hotelbuchungen wirbt mit der sogenannten Bestpreisgarantie, nach der nicht mal das Hotel selbst eine billigere Übernachtungsrate anbieten darf.

Ein schwelender Rechtsstreit um genau diese Praxis geht heute vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf in die nächste Runde. Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten zur Auseinandersetzung.

Worum geht es in dem Streit?

Im Mittelpunkt stehen die Bestpreisklauseln, mit denen sich viele Portale in der Vergangenheit bei ihren Hotelpartnern optimale Konditionen sicherten. Das Bundeskartellamt sieht darin eine Einschränkung des Wettbewerbs und verpflichtete Marktführer Booking.com im Dezember 2015, eine entsprechende Klausel aus allen Verträgen mit Hotels in Deutschland zu entfernen. Dagegen hat das Unternehmen Beschwerde eingelegt.

Was genau stand in den Verträgen von Booking.com?

Es handelte sich um eine enge Bestpreisklausel: Die Hotels durften ihre Zimmer laut Vertrag auf der eigenen Hotel-Website nicht günstiger anbieten als bei Booking.com. In der weiten Klausel müssen sich die Hotels verpflichten, dem Portal ohne Ausnahme den niedrigsten Zimmerpreis, die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die günstigsten Buchungsbedingungen zu garantieren.

Was stört das Bundeskartellamt an der Regelung?

Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde sind die Bestpreisklauseln generell nur auf den ersten Blick vorteilhaft für den Verbraucher, in Wirklichkeit jedoch nachteilig. "Letztlich verhindern die Klauseln, dass an anderer Stelle niedrigere Hotelpreise angeboten werden können", warnt Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Aber macht die Vertragsklausel wirklich so viel aus?

Ja, meint das Bundeskartellamt. Denn kaum ein Hotel wolle auf der eigenen Homepage höhere Preise offerieren als auf einem Hotelportal. Schließlich würde dies den eigenen Onlinevertrieb empfindlich schwächen. Die Auswirkungen der Booking.com-Regelung seien deshalb letztlich ähnlich wie bei der weiten Bestpreisklausel.

Was sagt Booking.com dazu?

Das Onlineportal sieht die Sache natürlich anders. Eine Sprecherin verteidigt die umstrittene Vertragsklausel: "Die Raten-Parität, also gleiche Preise auf Booking.com und der Hotel-Website, ist von 27 Wettbewerbsbehörden weltweit akzeptiert worden. Sie ist auch in den meisten europäischen Ländern in Kraft und garantiert den Verbrauchern einen transparenten und einheitlichen Preisvergleich."

Und was sagen die Hotelbetreiber?

Der Hotelverband Deutschland steht voll hinter dem Bundeskartellamt. Hauptgeschäftsführer Markus Luthe erhofft sich von dem Düsseldorfer Verfahren ein "Ende des Paritätenregimes in Deutschland". Für Luthe steht fest, "dass enge wie weite Meistbegünstigungsklauseln generell aus dem Geschäftsverkehr zu verbannen sind".

Ist das Verfahren gegen Booking.com ein Einzelfall?

Nein, im Gegenteil. Vor dem Verfahren gegen Booking.com hatte das Bundeskartellamt bereits dem Hotelportal HRS die Verwendung einer weiten Bestpreisklausel untersagt und dafür auch Rückendeckung des Oberlandesgerichts Düsseldorf erhalten. Außerdem läuft bei der Behörde ein Verfahren gegen das Reiseportal Expedia.

Müssen die Verbraucher befürchten, dass die Hotelportale deswegen bald die Bestpreisgarantien für Kunden streichen?

Eher nicht. Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen einer gerichtlichen Niederlage betonte die Booking.com-Sprecherin: "Wenn ein Kunde im Internet einen besseren Preis findet, werden wir auch weiterhin die Differenz erstatten. Das wird sich nie ändern." Auch der Konkurrent HRS bietet weiter eine Bestpreisgarantie für seine Kunden, obwohl er auf Druck des Kartellamtes die Bestpreisklauseln in seinen Verträgen mit den Hotels streichen musste.

Erich Reimann/dpa/jus

insgesamt 39 Beiträge
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BettyB. 08.02.2017
1. Seltsam
Wer will hier wen schützen? Wohl keiner die Kunden vor irgendwelchen Mondpreisen. Das erinnert irgendwie an die Hotelierbevorzugung durch die FDP, aber die Hotels müssen doch ihre Zimmer nicht auf Internetportalen anbieten, ja sie können dort bei Bedarf auch auf höheren Preisen bestehen. Seltsam, seltsam...
veyrol75 08.02.2017
2. übliche Abzocke der Großkonzerne
booking.com reiht sich ein in die Riege der skrupellosen Großunternehmen (wie groß die sind weiß ich nicht, interessiert mich aber auch nicht. Verhalten tun die sich wie jeder x-beliebige anonyme Internetkonzern). Es gibt ohne Frage viele gute und auch günstige Angebote, aber wehe man fällt auf die Nase wie ich letztes Jahr mit der "Ganghausresidenz Lübeck Altstadt". Gebucht für 4 Personen, in der Wohnung waren 2 (!) Betten und einen widerlicheren Dreck haben wir in unserem gesamten Leben noch nirgens gesehen (selbst in der 80er-Jahren in Algerien war es sauberer), Klo und Badewanne waren überzogen mit einem braunen (!) Flaum, der Eigentümer (Kettenraucher, entsprechend roch es in der Wohnung) haust selbst darin und vermietet die Whg immer wieder an dumme Touristen, wodurch er vermutl. keiner geregelten Arbeit nachgehen muss. Mehrfache und ausführliche Reklamation bei booking.com blieb vollständig ohne Reaktion. Ich habe die Fa. darauf hingewiesen, dass der Anbieter Geld für 4 Betten kassiert, aber nur 2 (Einzel-) Betten izur Verfügung stellt (=Betrug). Interessiert die nicht. Für mich ein weiterer Konzern, der mit allen Mitteln versucht seine Konkurrenten mit unsauberen Methoden auszustechen. Mein ausführlicher Kommentar auf der entsprechenden Seite wurde erst gar nicht veröffentlicht. Die Kommentare die bei der Siff-Bude zu finden sind, sind mMn fake. Ok, das ist EIN schlechtes Beispiel, aber zeigt in diesem Fall wie die Fa. mit Reklamationen umgeht: sie zeigen dir kurz den Mittelfinger und tschüss. Wenn ich nun diesen Bericht hier lese, passt alles perfekt ins Bild.
Sibylle1969 08.02.2017
3.
Booking.com verlangt als Provision bis zu 20% des Zimmerpreises. D.h. bei einer Buchung über Booking.com oder andere Hotelbuchungsportale verdienen die Hotels weniger als bei einer Direktbuchung. Da die Hotels günstigere Preise nicht online anbieten können, kann man bei manchen Hotels aber bei telefonischer Buchung eine günstigere Rate als online bekommen. Da haben einige Hotels auch mehr oder weniger direkt beim Check-in hingewiesen. Für den Kunden ist Booking.com recht bequem: die Auswahl ist gut, die Informationen zum Hotel sind recht übersichtlich aufbereitet, der Buchungsprozess ist einfach und schnell. Allerdings nervt Booking.com, indem es ständig eine Zimmerknappheit vorgaukelt, um einen zur Buchung zu bewegen ("Heute schon 6x gebucht", "6 Personen sehen sich gerade dieses Hotel an", "nur noch 1 Zimmer bei Booking.com"). Viele Hotels machen einem eine direkte Online-Buchung auch nicht leicht: häufig gibt es außer einem Kontakt-Anfrage-Formular gar keine Online-Buchungsmöglichkeit, oder die Online-Buchung ist zu umständlich (für eine Hotelbuchung erst einen Account mit Username und Passwort anlegen zu müssen, ist ein No-Go), oder die Online-Buchung funktioniert gar nicht usw.
toledo 08.02.2017
4. also ich habe auf meiner letzten Reise durch Florida
nur gute Erfahrungen mit Booking.com gemacht morgens nach dem Frühstück das Motel oder Hotel für den nächsten Abend gebucht und es hat immer eine preiswerte Unterkunft gehabt.
MartinHa 08.02.2017
5. Erklärung des Sachverhalts
Der Vorwurf des Bundeskartellamts ist, dass den Hotels verboten wird, ihr Hotel günstiger auf ihrer eigenen Webseite anzubieten, als auf booking.com, obwohl sie sich die hohe Kommission sparen (habe es einmal zufällig auf einem Dokument gesehen an einer Hotelrezeption - 17 von 65 Euro meiner Buchung gingen an booking.com). Booking.com hält dagegen, dass die Buchenden sich sonst das beste Hotel bei booking.com raussuchen, und dann günstiger auf der Hotelwebseite buchen. Dies würde für booking.com das Ende bedeuten, und alle Buchenden wären letztendlich schlechter dran, weil es keine Hotelvergleichsseiten mehr gibt.
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