Boutiquehotels Schlafen ist Geschmackssache

In einer Hängematte auf dem Dach die Nacht von Manhattan anhimmeln oder lieber gleich im Bett durchs All fliegen? Boutiquehotels bieten ihren Gästen ungewöhnliche Erlebnisse. Manche Zimmer sind wahre Design-Unikate, andere ähneln einem Schmuckkästchen - auch was die Größe angeht.

Hotel 40 Winks

Waren Sie schon einmal in einem Boutiquehotel? Nein? Dann wird es höchste Zeit. Was vor knapp 20 Jahren in New York seinen Ursprung hatte, ist heute eine oft und gern genutzte Marketingnische für die ästhetisch hochambitionierte Hotellerie. Und weil klare Richtlinien fehlen, haben die Betreiber freies Schaffen. Ein Boutiquehotel ist ausgefallen, persönlicher Service oberste Pflicht, und Design spielt eine entscheidende Rolle. Ob es sich dabei um ein Zweizimmerjuwel oder ein 800-Zimmer-Hochhaus handelt, ist einzig und allein eine Frage des Geschmacks.

Das Wort "Boutique" schreiben sich Hoteliers wohl an die Tür, weil Wandfarben, Möbel und Accessoires oft so sorgfältig ausgewählt sind wie die Kleidungsstücke in einer Luxusboutique. Mal sind Architektur und Einrichtung modern und avantgardistisch, mal verspielt und romantisch, mal klassisch. Doch niemals sind sie alltäglich.

Oft hat jedes Zimmer eine persönliche Note, immer gibt es eine Lounge oder Lobby, die wohnzimmergleich Platz lässt für das Ankommen, Verweilen und für das heimelige Gefühl. Und Wireless-Lan, MP3-Player und Flatscreen-Fernseher gehören meist auch zum Standard.

New Yorker Pionier

Am besten beginnt man eine Aufzählung der Bekanntesten ihrer Art mit dem ersten "offiziellen" Boutiquehotel. Ian Schrager, Mitgründer des berühmten New Yorker Musikclubs Studio 54, eröffnete 1984 das Morgans an der Madison Avenue in Manhattan. Die angesehene französische Designerin Andrée Putman verwandelte die gut 100 Zimmer in einzigartige Design-Unikate. Schnell wurde die Idee von anderen Hoteliers aufgegriffen und in viele Richtungen weiterentwickelt: Von groß bis gemütlich ist alles dabei.

Eins der kleinsten Etablissements - so exklusiv und intim wie eine Modeboutique - ist das 40 Winks im angesagten Londoner Osten. Das vierstöckige Queen-Anne-Gebäude stammt aus dem Jahr 1717 und gehört dem berühmten Innenarchitekten David Carter, der das Haus schon seit vielen Jahren für Fotoproduktionen zur Verfügung stellt. Die zwei hellen Hotelzimmer sind ein Mix aus antiken und modernen Möbeln, das Bad pompös, mit silberner Badewanne vor goldener Wandmalerei.

Ursprünglich renovierte Carter die Zimmer, um Fotografen, Designern und Models eine außergewöhnliche Unterkunft nahe des Londoner Szenelebens zu bieten. Gemütliche, elegante Gemeinschaftsräume wie das Grüne Zimmer und ein schnuckeliger Garten vervollständigen die private Atmosphäre.

Urbanes Abenteuer

Doch Boutiquehotels können auch modern und groß sein. Ein gutes Beispiel ist das Hudson Hotel in Manhattan. In einer Metropole wie New York überrascht es nicht unbedingt, dass ein Hotel mehr als 800 Zimmer hat, dafür umso mehr, dass man bei dieser Größe eine so kontrastreiche, aber dennoch stimmige Inneneinrichtung schaffen kann.

Das Hudson verspricht seinen Gästen in einer Selbstbeschreibung ein "urbanes Abenteuer" - und meint damit wohl auch die nicht selten mit lauter Musik beschallte Hotelhalle, deren Merkmale ein bombastischer Kronleuchter und eine mit grüngelbem Acryl überdachte Rolltreppe sind. Das vorwiegend junge Publikum fühlt sich im Hudson sehr wohl und stört sich nicht an den zwar fein gestylten, aber recht kleinen Zimmern. Dafür gehört einem der gesamte New Yorker Himmel, wenn man auf der Dachterrasse in einer gehäkelten Hängematte schaukelt.

Ein Beispiel dafür, wie hoch die Wertschätzung ist, die dem Gast in einem Boutiquehotel zuteil wird, ist das Aurelio in Lech am Arlberg. Gering sind die Kapazitäten mit nur 19 Zimmern, riesig dagegen ist die Fläche: drei große Chalets mit Zimmern und Suiten von 110 bis 200 Quadratmetern. Das Spa alleine misst 1000 Quadratmeter. Elegante, zeitlose Möbel und viel Holz, dazwischen finden sich immer wieder alpine Accessoires wie ein enormes Hirschgeweih, Felldecken und knisternde Kaminfeuer. Für den geselligen Rückzug gibt es die "Licca Lounge" oder den "Club Aurelio". Geführt wird das Haus vom Lecher Gastronom Alex Pfefferkorn.

Null-Energie, dafür voll familienfreundlich

Ganz grundsätzlich gilt: Boutiquehotels sind auf die Bedürfnisse von Erwachsenen ausgerichtet. Doch in einigen sind Familien nicht nur willkommen, sondern auch bestens aufgehoben. Das Hotel Stadthalle in Wien zum Beispiel ist nicht nur bekannt, weil es dank Grundwasserwärmepumpen, Photovoltaik-, Solar- und Windkraftnutzung genau so viel Energie erzeugt wie es verbraucht - sondern weil es auch besonders schöne Familienzimmer hat.

Wenn im Sommer der Lavendel blüht, können die Eltern im grünen Innenhof in Ruhe frühstücken und die Kinder dort sicher spielen und toben. Wer mit dem Zug oder dem Fahrrad anreist, der bekommt zehn Prozent Rabatt auf den Zimmerpreis, es gibt eine E-Bike-Tankstelle und für die Stadtrundfahrt kann man sich E-Scooter ausleihen.

Oft widmen sich Boutiquehotels auch einem bestimmten Thema - so wie das Pariser Five Hotel, das sich der Verführung fünf verschiedener Sinne verschrieben hat. Die Nase wird im Zimmer mit einem Duft verwöhnt, den man bei der Ankunft selbst auswählt. Optisch äußerst beeindruckend ist die psychedelische Inneneinrichtung. Der Geschmackssinn kommt bei mehr als nur einem Croissant zum Frühstück voll auf seine Kosten, und die Ohren freuen sich über die ruhige Lage des Hotels.

Wer es besonders spacig mag, der bucht übrigens gleich gegenüber das zum Hotel gehörende "One by the Five", ein Appartment mit Kitchenette, in dem man glaubt, im Bett durchs All zu fliegen.

Daniela Di Maggio-Opdahl, SRT

Weitere Informationen
"40 Winks Hotel", Stepney Green, 109 Mile End Road, London E14UJ, Tel. 0044/20/77900259, www.40winks.org, EZ/DZ ab 105/160 Euro.

"Hudson Hotel", 356 West 58th Street, 10019 New York, Tel. 001/212/5546000, www.hudsonhotel.com, DZ im "Sommerspezial" ab 144 Euro.

"Aurelio", Tannberg 130, A-6764 Lech am Arlberg, Tel. 0043/5583/2214, www.aureliolech.com, DZ mit HP ab 550 Euro.

"The Five Hotel", 3 Rue Flatters, F-75005 Paris, Tel. 0033/1/43317421, www.thefivehotel.com, DZ ab 116 Euro.

"Boutiquehotel Stadthalle", Hackengasse 20, A-1150 Wien, Tel. 0043/1/9824272, www.hotelstadthalle.at, DZ ab 158 Euro inkl. Frühstück.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
bunterepublik 13.07.2011
1. ....
Es gibt schöne Boutique-Hotels und weniger schöne... Schön sind die Boutique-Hotels, die Bautraditionen aufgreifen und Baudenkmäler liebevoll und originalgetreu restaurieren, wie die schönen Riad-Hotels in Marrakech oder Fez oder auch einige schönen Hotels in der Türkei, insbesondere in Istanbul und Kappadokien, oder in Indien in Rajasthan etc.... Unbrauchbar und nur ein sinnloser hipper Trend sind Boutique-Hotels, in denen selbsternannte Künstler oder Designer versuchen sich zu verewigen.
Ambermoon 13.07.2011
2. Willkommen, Ambermoon.
Zitat von bunterepublikEs gibt schöne Boutique-Hotels und weniger schöne... Schön sind die Boutique-Hotels, die Bautraditionen aufgreifen und Baudenkmäler liebevoll und originalgetreu restaurieren, wie die schönen Riad-Hotels in Marrakech oder Fez oder auch einige schönen Hotels in der Türkei, insbesondere in Istanbul und Kappadokien, oder in Indien in Rajasthan etc.... Unbrauchbar und nur ein sinnloser hipper Trend sind Boutique-Hotels, in denen selbsternannte Künstler oder Designer versuchen sich zu verewigen.
Sagt wer? Ich persönlich mag's z.B. modern und minimalistisch, gern auch in radikalem Design. Das ist... falsch, nehme ich an? Ich sitze da bloß einem sinnlosen hippen Trend auf? Oder sind sie etwa einer von denen, die ihre persönliche Meinung der ganzen Welt aufzwingen wollen? Dann hoffe ich mal, dass Sie keine Kinder haben, denn die würden Sie dann bestimmt zu Kopien Ihrer selbst erziehen wollen...
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