Boykott-Aufruf Stewardessen gegen "Flight Plan"

Der neue Action-Thriller mit Jodie Foster in der Hauptrolle sorgt für Aufruhr unter den Flugbegleitern in den USA. Das Vertrauen der Passagiere in die Flugzeugbesatzung werde durch "Flight Plan" erschüttert.


Los Angeles - Kaum traut sich Hollywood, nach dem Trauma des 11. September Action-Thriller mit Handlungsort Flugzeug zu drehen, hagelt es Proteste. Gleich drei US-Flugbegleiter-Verbände rufen sogar zum Boykott der neuen Disney-Produktion "Flight Plan" vom deutschen Regisseur Robert Schwentke auf. Dabei haben auch die Katastrophenfilme der Vergangenheit, in denen Beinahe-Abstürze und Flugzeugentführungen gezeigt wurden, die rapide ansteigenden Flugpassagierzahlen nicht verhindern können. Zwischen Fiktion und Wirklichkeit wird sehr wohl unterschieden.

Jodie Foster in "Flight Plan": Verzweifelte Mutter auf der Suche nach ihrer Tochter
BUENA VISTA

Jodie Foster in "Flight Plan": Verzweifelte Mutter auf der Suche nach ihrer Tochter

Doch das Vertrauen der US-amerikanischen Flugbegleiter in ihre Kunden scheint nicht sehr hoch zu sein: Sie befürchten, dass der neue Film mit Jodie Foster bei den Passagieren Misstrauen gegenüber den Stewardessen und Air Marshals erweckt. Wer sich die Spannung auf die Auflösung der Filmhandlung bewahren will, sollte allerdings hier aufhören zu lesen.

In den USA ist "Flight Plan" bereits mit großem Erfolg angelaufen, in Deutschland wird er erst am 20. Oktober starten. Darin spielt Jodie Foster eine Mutter, die an Bord eines Flugzeugs nach ihrer plötzlich verschwundenen Tochter sucht. Die Bösewichter des Films: eine Stewardess und ein Air Marshal, die versteckt zusammenarbeiten, um die Fluggesellschaft zu erpressen. Andere Flugbegleiter behandeln Passagiere grob und verhalten sich teilnahmslos gegenüber der von Foster gespielten Mutter.

Das brachte die echten Flugbegleiter auf: "Wenn es noch einmal einen 11. September geben sollte, dann wäre es entscheidend für die Flugzeugbesatzung, die Unterstützung ihrer Passagiere zu haben und kein Misstrauen, das dieser Film erzeugen könnte", erklärte Tommie Hutto-Blake, Präsident der Association of Professional Flight Attendants. Die Kollegen, die bei den Terroranschlägen 2001 ums Leben gekommen seien, verdienten mehr Respekt. Zwei weitere Verbände schlossen sich dem Boykottaufruf an. Die drei Organisationen repräsentieren gemeinsam 80.000 Flugbegleiter von 23 Airlines.

"Wir wollten nichts anderes, als einen großartigen Actionthriller machen", teilte das Unternehmen Disney in einer Stellungnahme mit. "Wir sind zuversichtlich, dass das Publikum den Unterschied zwischen Fiktion und dem unglaublichen Job, den die wirklichen Flugbegleiter jeden Tag machen, unterscheiden kann."



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