Boykott im Jet Passagiere erzwingen nach Fehlstarts Flugzeugwechsel

Meuterei im Flieger: Nach zwei auf dem Rollfeld abgebrochenen Starts haben sich die Passagiere einer Air-Berlin-Maschine in Nürnberg gegen einen dritten Versuch gewehrt. Per Unterschriftenaktion erzwangen sie einen Ersatzflug – und nahmen 15 Stunden Wartezeit in Kauf.


Nürnberg – Brennende Trümmer, weinende Angehörige, Zinksärge: Diese Bilder von den jüngsten Flugzeugunglücken waren wohl bei den Passagieren der Boeing 737-800 auf dem Nürnberger Flughafen zu präsent. Nachdem Fehlermeldungen im Cockpit gleich zweimal den Start verhinderten, haben sie am Wochenende einen dritten Versuch boykottiert.

Air-Berlin-Flugzeug (Archivbild): Am Nürnberger Flughafen erzwangen Passagiere den Flug mit einer Ersatzmaschine.
DDP

Air-Berlin-Flugzeug (Archivbild): Am Nürnberger Flughafen erzwangen Passagiere den Flug mit einer Ersatzmaschine.

"Die Anzeige des Landeklappensystems hat nicht richtig funktioniert", sagte Air-Berlin-Sprecherin Alexandra Müller. Der Pilot brach den Start am frühen Sonntagmorgen deshalb bereits auf dem Rollfeld ab. Ein zweiter Versuch einige Stunden später scheiterte ebenfalls. Daraufhin hätten einige Passagiere Unterschriften gesammelt und gefordert, nicht mehr mit dieser Maschine fliegen zu müssen.

"Die Passagiere waren sehr beunruhigt und reagierten panisch", sagte Müller. Vor allem vor dem Hintergrund des Madrider Unglücks sei "ein psychologisches Moment" im Spiel gewesen.

In Nürnberg konnte erst nach vielen Stunden Wartezeit eine Ersatzmaschine bereitgestellt werden, mit der die Urlauber nach Faro flogen. Zwei Passagiere, die an Flugangst litten, seien nicht mitgeflogen.

Kein Defekt festgestellt

Vor wenigen Wochen hatte ein Absturz einer Passagiermaschine in Madrid 153 Menschenleben gefordert. Die Fluggesellschaft Spanair räumte später ein, dass die Crew der abgestürzten Maschine vor der Katastrophe bereits einen Startversuch wegen technischer Probleme abgebrochen hatte.

An der Boeing 737-800 der Air Berlin, die erst vor wenigen Wochen ausgeliefert worden sei, sei kein Defekt festgestellt worden, sagte Müller. Fehlerhafte Anzeigen gebe es bei den mit Elektronik hochgerüsteten neuen Maschinen immer wieder. "Sicherheit steht an erster Stelle", betonte die Sprecherin. "Kein Pilot wird mit einer defekten Anzeige fliegen."

Am Wochenende verunglückte eine Boeing 737-500 in der russischen Millionenstadt Perm. Alle 88 Menschen an Bord kamen ums Leben - unter ihnen ein Deutscher. Die Aeroflot-Maschine war im Landeanflug und stürzte in ein unbewohntes Industriegebiet der Metropole am Ural.

reh/dpa



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