Pilotenstreik British Airways streicht fast alle Flüge

Bei British Airways führt der erste Pilotenstreik in der Geschichte des Unternehmens zum Ausfall praktisch aller Flüge. Tausende Passagiere sind betroffen.

Flugzeuge der British Airways am Flughafen Heathrow (Archivbild)
AFP

Flugzeuge der British Airways am Flughafen Heathrow (Archivbild)


British Airways (BA) streicht wegen eines Pilotenstreiks nahezu alle Flüge. Für Montag und Dienstag seien 1700 Verbindungen von und nach London-Heathrow und -Gatwick gestrichen worden, teilte die Airline mit.

BA habe sich dazu gezwungen gesehen, fast 100 Prozent der Flüge am Montag und Dienstag zu streichen, teilte der Konzern mit. Schließlich habe es im Vorfeld des Ausstands keine Informationen darüber gegeben, wie viele Kapitäne sich beteiligen würden und welche Maschinen nach der jeweiligen Qualifikation der Piloten noch geflogen werden könnten.

Die Piloten wollen für eine bessere Bezahlung streiken. Nach Angaben der Gewerkschaft Balpa sind für diesen Montag, kommenden Dienstag sowie am 27. September Arbeitsniederlegungen bei der britischen Fluggesellschaft geplant. British Airways signalisierte am Montagmorgen zugleich die Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Von den Streiks sind nach Angaben des "Independent" rund 250.000 Passagiere betroffen. Am Sonntag seien zunächst nationale Flüge betroffen gewesen. Es folgten Flüge von Nairobi, Abu Dhabi, Dubai und Nordamerika nach Heathrow. Piloten dürften dabei nicht streiken, wenn sie im Ausland seien - jedoch sei am Flughafen Heathrow kein Parkplatz für die Maschinen mehr frei, sodass die Flüge trotzdem gestrichen werden mussten.

Auf der Website der Airline können Passagiere ihren Flugstatus checken und Erstattungen oder Umbuchungen beantragen. Betroffene Kunden werden gebeten, nicht zum Flughafen zu fahren. Reisende, die ihre Flüge über einen Veranstalter gebucht haben, sollen sich direkt mit diesem in Verbindung setzen. Flüge mit BA CityFlyer, SUN-AIR und Comair seien nicht betroffen, hieß es weiter.

Von Deutschland aus finden Flüge mit British Airways statt -

  • allerdings ab Frankfurt bis Dienstagabend nur Flüge mit Ziel London-City, wie die Webseite des Flughafens anzeigt.
  • Von München aus wurden für Montag alle Flüge nach London-Heathrow annulliert, zum City-Airport finden sie planmäßig statt.
  • Ab Hamburg starten oder landen bis Dienstagabend laut dem Abflug- und Ankunftplan auf der Flughafen-Webseite keine British-Airways-Flugzeuge - außer einem nach und von Friedrichshafen.

British Airways hatte den Piloten im Juli eine Gehaltserhöhung von 11,5 Prozent über drei Jahre angeboten. Dies wurde jedoch zurückgewiesen. Die Airline gehört zu den größten Fluggesellschaften der Welt.

BA-Chef Alex Cruz zeigte sich zu Verhandlungen bereit, ging aber mit den Streikenden hart ins Gericht: "Es tut mir wirklich leid, dass uns das zynische Verhalten der Pilotengewerkschaft in diese Lage gebracht hat", sagte er im Fernsehen der BBC. Der Streik werde den Kunden schaden, genauso wie der Marke British Airways und den übrigen Mitarbeitern des Konzerns.

Gewerkschaftsvertreter Brian Strutton hielt dem ebenfalls in der BBC entgegen, dass die Geschäfte bei British Airways derzeit gut liefen. Die Piloten wollten an den Gewinnen genauso beteiligt werden, wie sie Einbußen in harten Zeiten mitgetragen hätten. Die Flugkapitäne seien zu Kompromissen bereit, würden aber nicht einknicken. Nach Angaben der Pilotengewerkschaft kostet ein Streiktag 40 Millionen britische Pfund (etwa 44 Millionen Euro).

Welche Rechte haben Passagiere von British Airways?

Von dem Streik betroffene Passagiere haben laut der europäischen Fluggastrechteverordnung Anspruch auf einen Ersatzflug oder eine alternative Beförderung wie die Bahn. Wer direkt bei British Airways gebucht hat, wendet sich an die Fluglinie, ansonsten an den Reiseveranstalter oder das Reisebüro, die die Reise organisiert haben. Gegebenenfalls muss die Airline auch Verpflegung und Übernachtungskosten übernehmen.

Eventuell kann es auch einen Anspruch auf Entschädigung geben. Generell stehen Passagieren bei Annullierungen und Verspätungen von mehr als drei Stunden bei einer Flugstrecke von bis 1500 Kilometern 250 Euro pro Person zu. Bei Strecken von 1500 bis 3500 Kilometern sind es 400 Euro, über 3500 Kilometern 600 Euro. Bei Streiks weisen Fluglinien die Ansprüche jedoch regelmäßig mit Verweis auf "außergewöhnlich Umstände" zurück, bei denen sie nicht zahlen müssten.

In mehreren Urteilen hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) jedoch bereits für die Passagiere entschieden - vor allem wenn Mitarbeiter der Fluggesellschaft streiken, und nicht etwa Fluglotsen oder das Bodenpersonal. Im Fall eines wilden Streiks bei TUIfly gab der EuGH im April 2018 den Fluggästen Recht, allerdings müsse jeder Einzelfall entschieden werden. Betroffene können sich an verschiedene Portale für Fluggastrechte wenden.

kry/abl/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
tobinator 09.09.2019
1.
Nanu, gar kein übliches Airline-Bashing? Oder wird hier nur geschimpft und gezetert wenn es um den eigenen Nationalcarrier geht? Wäre aber mal interessant ein paar weitere Zahlen zu lesen außer den 11,5%. Von welchem Jahreseinkommen denn zB, liebe Spiegelredaktion?
uh2012 09.09.2019
2. Wäre interessant zu erfahren
Was ein BA Pilot zB verglichen mit den LufthansaKonditionen verdient
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